Volkssport Versicherungsbetrug? Für die meisten kein Kavaliersdelikt
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Volkssport Versicherungsbetrug? Für die meisten kein Kavaliersdelikt

Kavaliersdelikt oder nicht? Versicherungsbetrug wird ganz unterschiedlich eingeschätzt. Gut finden die meisten Deutschen Versicherungsbetrug nicht – aber auch nicht so richtig kriminell.

Falsche Angaben gegenüber der Versicherung sind Betrug

Man kippt Rotwein über den weißen Teppich, das Smartphone zerknallt auf dem Fliesenboden, der freudig springende Hund des Nachbarn verdreckt den Anzug. Fahrlässig? Tollpatschig? Mutwillig? Egal, zahlen soll den Schaden die Hausrat- oder Haftpflichtversicherung. Zu Recht? Immer wieder stoßen die Sachbearbeiter auf fingierte Fälle: Entweder stimmt die Beschreibung des Hergangs oder die Schadenssumme nicht – oder es hat den Schaden in Wahrheit überhaupt nicht gegeben.

Fast jeder Deutsche kennt jemanden, der gegenüber der Versicherung mal alle Fünfe hat gerade sein lassen, um Ersatz für einen Schaden zu bekommen. Weniger nett ausgedrückt: Es wurde bewusst betrogen. Denn nichts anderes ist es, wenn der Versicherung gegenüber falsche Angaben gemacht werden, um Schadensersatz zu bekommen.

Umfrage belegt: Verlockung zu Versicherungsbetrug ist groß

Volkssport Versicherungsbetrug? Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) stimmten 23 Prozent der Aussage zu: „Das macht fast jeder: Einmal die Versicherung übers Ohr hauen!“ Liegt es vielleicht daran, dass die Versuchung groß ist? 79 Prozent der bis 29-Jährigen meinen, dass Versicherungen relativ leicht zu betrügen seien. Das spiegelt sich in der Art des Versicherungsbetrugs wider: 64 Prozent der Befragten, die sich zu einem Versicherungsbetrug bekannten, haben den Schadenshergang anders dargestellt, damit der Schaden übernommen wird. 33 Prozent haben die Höhe des Schadens übertrieben und immerhin 4 Prozent einen Schaden regulieren lassen, den es gar nicht gab.

Für die große Mehrheit ist Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt

Die Umfrage zeigt, dass in vielen Fällen die Wirklichkeit lediglich interpretiert wurde, damit die Versicherung einen Schaden reguliert – immerhin war es zu einem Schaden gekommen. 21 Prozent der Deutschen halten es für in Ordnung, „wenn man die Versicherung einmal mehr bezahlen lässt, als unbedingt nötig wäre“. Doch für 79 Prozent der Deutschen, also die große Mehrheit, ist Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt. Und nicht zu vergessen: Wer dabei ertappt wird, dem drohen straf- und zivilrechtliche Konsequenzen!

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