Sollzinsbindung - lange oder kurze Laufzeitfestschreibung?
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Sollzinsbindung - lange oder kurze Laufzeitfestschreibung?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ein altes Sprichwort, das sich im Leben nur allzu oft bewahrheitet. So auch bei der Frage rund um Ihre Sollzinsbindung. Kurz oder lang - das ist hier die Frage. Und wie sehr häufig, beeinflussen mehrere Faktoren die Entscheidung. Welche das sind, wollen wir für Sie rund ums Thema Sollzinsbindung behandeln. 

Was ist die Sollzinsbindung überhaupt und wie ist sie aufgestellt?

Jeder Kredit - ob für Ihre Immobilie oder für sonstige Anschaffungen - ist mit einem Zinsaufwand für Sie verbunden. Das ist quasi 'der Lohn', den sich die Bank von Ihnen dafür holt, dass sie Ihnen Geld leiht. Der Zinssatz, der für einen Kredit anfällt, wird Ihnen von der Bank vor dem Vertragsabschluss in Angebotsform unterbreitet. Ist der Zinssatz für Sie akzeptabel, stimmen Sie dem Angebot zu - und haben dann die Entscheidung zu treffen, wie viele Jahre der offerierte Zinssatz für Sie und Ihren Immobilienkredit Gültigkeit haben soll. Das ist die sogenannte Sollzinsbindung. Doch warum ist das so?

Unangenehme Überraschungen vermeiden 

Wäre der Zinssatz, den Sie im Rahmen Ihrer Kreditnahme zu bedienen haben, nicht festgeschrieben und das auf Jahre, könnte es zu sehr unangenehmen Überraschungen kommen. Und das bei einer in der Regel recht hohen Kreditsumme, die zum Kauf einer Immobilie notwendig ist. Wäre Ihr Zinssatz nicht festgeschrieben, so wäre er ständigen Schwankungen unterworfen. Natürlich kann das für Sie zum Vorteil sein, so denn der Zinssatz sinkt. Aber er kann auch auf einer Tagesbasis steigen und steigen. Für Sie als Kreditnehmer hätte das den gravierenden Nachteil, Sie wüssten nie, mit welchem Geld können Sie monatlich an Abtrag rechnen. Und steigende Zinsen könnten dazu führen, Sie in Finanzprobleme zu bringen, wenn das Geld am Monatsende nicht zur Kostendeckung reicht. Die Sollzinsbindung ist demnach für Sie ein Sicherheitsfaktor rund um Ihre Immobilienfinanzierung. Sie wissen auf Jahre festgelegt genau, was haben Sie an Geld zu zahlen und was bleibt für Sie übrig, mit dem Sie Ihre Lebenshaltungskosten abdecken. 

Welche Zinsbindungen sind optional für Ihre Baufinanzierung?

Wir befinden uns zum aktuellen Zeitpunkt auf einem Zinsniveau, das die Aufnahme auch von größeren Finanzierungssummen für Sie spannend macht. Die Zinsen sind vergleichsweise niedrig gehalten. Das bedeutet, Sie haben die Wahl, Ihren Sollzins für 5, 10, 15, 20 oder gar 30 Jahre festzuzurren. Das ist im Moment deshalb so spannend, denn der Zins liegt tief und wenn Sie einen aktuell niedrigen Zins via Sollzinsbindungen auf 20 Jahre festschreiben, profitieren Sie auch in einem Jahrzehnt noch vom derzeit niedrigen Zinsniveau. Das kann in einigen Jahren natürlich schon wieder vollständig anders aussehen. Denn der Festschreibungszyklus sollte sich stets am gültigen Zins ausrichten - und er ist auch ein wenig wie ein 'Spiel', denn Sie setzen im Grunde auf steigende oder fallende Zinssätze. Da können etwas Recherche und das Hören auf Projektionen von Fachleuten nicht schaden. 

Zinssätze sind ausschlaggebend

Doch wonach richtet sich nun Ihre Entscheidung, den Sollzins lang oder kurz zu fixieren? Gibt es dazu Tipps und Ratschläge? Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Sind die Zinssätze zu dem Moment, da Sie den Kredit nehmen wollen, hoch - rentiert sich die kürzeste Laufzeit der Festschreibung. Sind die Zinssätze niedrig, dann lange festschreiben.

Warum? Zinsen vollziehen immer Wellenbewegungen. Auf eine Zeit des Hochzinses folgt immer der Niedrigzins. Wann? Wenn man das immer so wüsste, es wäre einfach über Spekulationen ein Vermögen zu verdienen. Wie die Wellen verlaufen, ist nicht festgelegt und unterliegt landes- wie weltpolitischen Faktoren. Aber wenn Sie bei hohem Zinsniveau den Kredit abschließen und das kurz, dann haben Sie die Option, am Laufzeitende von den sinkenden Zinsen zu profitieren - und in der Folge logischerweise länger festzuzurren, wenn die Zinsen auf Tiefstständen gefahren werden. Im Umkehrschluss ist natürlich so, dass Sie bei Zinstiefständen lange in die Sollzinsbindung gehen, um lange Zeit von den Zinsvorteilen zu profitieren. 

Die Vorteile bei der kurzfristigen Zinsbindung

Wenn Sie eine kurze Variante bei der Sollzinsfestschreibung wählen, ist das die günstigste Option, die von Ihrer Bank mit den niedrigsten Aufschlägen bedacht wird. Das heißt, die Monatsrate sinkt. Diese Möglichkeit rechnet sich dann, wenn der Zinssatz hoch steht und Sie erwarten, dass er wieder in der Wellenbewegung fällt. Oder wenn Sie beabsichtigen, durch hohe Tilgungsraten - möglicherweise auch durch Sondertilgungen, zum Beispiel eine fast zuteilungsreife Kapitallebensversicherung oder einen Bausparvertrag - den Kredit schnell abzubezahlen. 

Nachteile der kurzfristigen Zinsbindung 

Und im Vorteil liegt selbst erklärend auch schon der Nachteil. Haben Sie nach zum Beispiel 10 Jahren nicht alles getilgt und es bleibt eine hohe Restschuld, müssen Sie zum da gültigen Zinssatz anschlussfinanzieren. Das kann, wenn der Zinssatz weiter klettert, ein Minusgeschäft werden. Und dass aktuell die Zinsen eher steigen als sinken, sollte als faktisch angesehen werden. 

Wo liegen die Vor- und Nachteile bei der langfristigen Zinsbindung?

Ist die Sollzinsbindung auf lange Zeit festgeschrieben, so liegen die Vorteile dieser Variante klar auf der Hand. Der Zins ist im Keller und so profitieren Sie lange von den derzeit so grandiosen Zinssätzen. Haben Sie eine Baufinanzierung, die Ihnen ohnehin schon geringen Operationsspielraum in finanzieller Hinsicht lässt und Sie darum die Tilgungsrate niedrig halten möchten, ist das Ihr Weg dort hin. Und Sie haben eine lange Zeit Operationssicherheit durch die Festschreibung der Zinsen. Dass sich durch die lange Sollzinsbindung die Zinsen erhöhen und damit auch die Monatsrate steigt, ist der Sicherheit geschuldet, die Sie dadurch erlangen. Die Bank möchte auch verdienen. Wichtig ist für Sie, dass der Zeitrahmen der Sollzinsbindung sich an Ihren Möglichkeiten ausrichtet.

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