Haftung bei Bränden in der Weihnachtszeit: Worauf kommt es an?

Wenn Sie durch einen Adventskranz oder die Kerzen am Weihnachtsbaum einen Brand auslösen, kommt Ihre Haftpflicht- oder Hausratversicherung dafür auf. Diese begleicht den Schaden aber nur, wenn Sie den Brand leicht fahrlässig verursachten.

Leichte Fahrlässigkeit: Sie lassen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht. Die Versicherung bezahlt. 

Grobe Fahrlässigkeit: Sie verletzen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in einem besonders schweren Maße. Die Versicherung zahlt nicht oder nur teilweise. 

Vorsatz: Sie legen den Brand vorsätzlich. Die Versicherung bezahlt nicht. 

Eine Hausratversicherung kommt für Schäden in Ihrer Wohnung auf. Eine Haftpflichtversicherung reguliert den Schaden, wenn Sie ihn bei einer fremden Person oder Sache verursachen, beispielsweise in einem Mietshaus. Damals waren die Versicherungen bei „grober Fahrlässigkeit“ vollständig von ihren Zahlungsverpflichtungen befreit. Mittlerweile darf die Versicherung ihre Leistung – je nach Schwere Ihrer Verfehlung – kürzen. Wie groß Ihr Verschulden im Einzelfall ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Deshalb landen „weihnachtliche“ Brände immer wieder vor Gericht. In den folgenden Situationen mussten Versicherungen nicht zahlen, weil die Gerichte ein grob fahrlässiges Handeln des Versicherungsnehmers annahmen:

- Der Versicherungsnehmer ging essen, der Adventskranz war unbeaufsichtigt und fing Feuer.

- Der Versicherungsnehmer legte sich in die Badewanne und übertrug einem 6-jährigen Kind die Aufsicht über den Adventskranz. 

- Der Versicherungsnehmer ging für 30 Minuten in den Garten.

- Der Versicherungsnehmer verließ das Haus für 15 Minuten. 

- Der Versicherungsnehmer ging einkaufen.

Diese Beispiele offenbaren, durch welches Fehlverhalten der Versicherungsschutz komplett entfällt. Die folgenden Beispiele verdeutlichen, wann keine „grobe Fahrlässigkeit“ vorliegt – der Versicherungsschutz besteht hier also fort:

- Der Versicherungsnehmer geht auf Toilette oder öffnet die Haustür. 

- Der Versicherungsnehmer schläft unbeabsichtigt ein. 

- Der Versicherungsnehmer schaut nach seinem schreienden Kind. 

- Der Versicherungsnehmer hat spontan Geschlechtsverkehr und vergisst die Kerzen.

Eine „grobe Fahrlässigkeit“ liegt also nur vor, wenn das Verhalten des Versicherungsnehmers absolut unentschuldbar ist. Ist der Versicherungsnehmer nur etwas „schusselig“, ist der von ihm verursachte Schaden von der Versicherung zu begleichen.

Welche Positionen übernimmt die Versicherung?

Die Haftpflicht- oder Hausratversicherung übernimmt sämtliche Kosten, die durch den Brand entstehen. Sie übernimmt auch Schäden, die das Wasser im Weihnachtsbaumständer oder eine Lichterkette verursachen. Folgeschäden, die etwa durch Löschwasser, verbrannte Weihnachtsgeschenke und Aufräumarbeiten entstehen, sind gleichfalls von der Versicherung abgedeckt. Die Versicherung trägt auch die Kosten für die Entfernung von Ruß an den Wänden.

Übernimmt die Versicherung den Schaden, wenn keine Rauchmelder installiert sind?

Viele Versicherer haben angekündigt, dass sie die Leistungen auch bei fehlenden Rauchmeldern erstatten. Rauchmelder sollen schließlich Menschenleben schützen und sind nicht dafür da, um Sachschäden zu verhindern. Deshalb zahlen die meisten Versicherer wohl auch dann, wenn der Versicherungsnehmer gegen die Rauchmelderpflicht verstößt. In rechtlicher Hinsicht wurden hier aber noch keine Gerichtsurteile verfasst. Es ist möglich, dass sich Versicherungen in einer solchen Situation zumindest teilweise von ihrer Zahlungspflicht entbinden. In vielen Versicherungsverträgen ist eine dahingehende Klausel enthalten: „Der Versicherungsnehmer verpflichtet sich, alle vertraglich vereinbarten, behördlichen und gesetzlichen Sicherheitsvorschriften zu beachten.“ Dazu gehört eben auch der Betrieb von Rauchwarnmeldern.

Müssen Sie sich vergewissern, ob die Kerze wirklich erloschen ist?

Es kommt immer wieder vor, dass ein Versicherungsnehmer den Adventskranz oder die Kerzen am Weihnachtsbaum ausbläst. Die Kerzen sind aber nicht immer vollständig erloschen. Manchmal glimmt der Docht weiter oder versprüht Funken. Ein solches Verhalten ist aber nicht grob fahrlässig. Die Versicherung reguliert den Schaden deshalb trotzdem.

Unsere Top-Tipps, um Brandschäden zur Weihnachtszeit zu unterbinden:

- Stellen Sie den Adventskranz auf eine nicht-brennbare Unterlage. Servierbretter aus Metall oder Porzellan eignen sich dafür besonders gut.

- Stellen Sie den Weihnachtsbaum nicht in der Nähe von Vorhängen auf.

- Lassen Sie brennenden Kerzen nicht aus den Augen.

- Stellen Sie immer einen Eimer Wasser in die Nähe.

- Kaufen Sie nur Lichterketten mit dem GS- oder VDE-Zeichen.

- Beschaffen Sie sich einen Feuerlöscher.

- Rufen Sie umgehend die Feuerwehr, falls der Brand nicht mehr zu löschen ist.

- Die Rauchgase steigen nach oben. Bewegen Sie sich deshalb bei einem Brand möglichst nah am Boden.

Matthias Wurm
Bewerten:
Artikel
Weihnachtsdekoration: Haben meine Nachbarn ein Vetorecht?

Viele Mieter genießen die Weihnachtszeit und beginnen schon sehr früh...

weiterlesen
Weihnachtsdekoration: Haben meine Nachbarn ein Vetorecht?
Artikel
Wer hat das Sorgerecht an Weihnachten?

Eine Scheidung ist schmerzhaft, sollte aber nicht auf dem Rücken der Kinder...

weiterlesen
Wer hat das Sorgerecht an Weihnachten?
Artikel
Silvester: Wer haftet für Brandschäden und Verletzungen durch Silvesterknaller?

Sie zünden an Silvester einen Feuerwerkskörper? Dies ist zulässig...

weiterlesen
Silvester: Wer haftet für Brandschäden und Verletzungen durch Silvesterknaller?
Weitere Themen in Recht & Finanzen
5 Elemente
Rechtsfragen rund um den Winter
Alle Elemente
5 Elemente Rechtsfragen rund um den Winter
6 Elemente
Autofahren im Winter: Wann Sie sich bei Winterwetter strafbar machen
Alle Elemente
6 Elemente Autofahren im Winter: Wann Sie sich bei Winterwetter strafbar machen
5 Elemente
Rechte und Pflichten im Winter
Alle Elemente
5 Elemente Rechte und Pflichten im Winter
6 Elemente
Umtausch & Reklamation: Diese Rechte haben Sie
Alle Elemente
6 Elemente Umtausch & Reklamation: Diese Rechte haben Sie