Erbschaftsteuer: Der Freibetrag lässt den Fiskus meist leer ausgehen
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Erbschaftsteuer: Der Freibetrag lässt den Fiskus meist leer ausgehen

Keiner weiß genau, wie viele Milliarden Euro alljährlich in Deutschland vererbt werden. Der Grund: Für die meisten Erben ist der Erbschaftsteuer-Freibetrag so hoch, dass die Erbschaft ohnehin nicht besteuert wird. Hier unser Überblick.

Erbschaften in Milliardenhöhe

Es gibt keine offizielle Statistik über die Erbschaften in Deutschland. Alle sind sich jedoch einig, dass Jahr für Jahr große Summen von einer Generation auf die Nächste übergehen. Der Steuer unterlagen 2014 nur knapp 34 Milliarden Euro. Ökonomen schätzen, dass der Gesamtwert der Erbschaften mehr als sechsmal so groß ist.

In der Mittelschicht liegen die meisten Erbschaften unterhalb des Erbschaftsteuer-Freibetrags. Insbesondere Immobilien werden in der Regel steuerfrei vererbt. Sie bleiben in unbegrenzter Höhe steuerfrei, wenn die Erben selbst darin wohnen. Betriebsvermögen wiederum unterliegt besonderen Regeln, die dem Schutz von Arbeitsplätzen dienen.

Einteilung in Steuerklassen

Der Erbschaftsteuer-Freibetrag hängt von der Beziehung des Erben zum Erblasser ab. Die Erben werden nach dieser Beziehung in drei Steuerklassen eingeteilt. Etwas verwirrend wird das Ganze dadurch, dass die Steuerklasse nicht mit der Einteilung in Verwandte 1., 2. und 3. Ordnung übereinstimmt, die die Erbfolge regelt. Zur Steuerklasse I gehören daher Verwandte 1. und 2. Ordnung.

Hohe Freibeträge für enge Verwandte und Eheleute

In Steuerklasse I finden sich die direkten Verwandten: die Kinder, Stief- und Adoptivkinder, Kinder verstorbener Kinder, Enkel, Urenkel, Eltern und Großeltern (im Todesfall, nicht bei einer Schenkung). Auch der Ehepartner und der eingetragene Lebenspartner gehören zur Steuerklasse I.

Der Ehepartner oder der eingetragene Lebenspartner hat den höchsten Erbschaftsteuer-Freibetrag: 500.000 Euro.

Weitere Erbschaftsteuer-Freibeträge:

  • 400.000 Euro für Kinder, Kinder verstorbener Kinder, Stief- und Adoptivkinder
  • 200.000 Euro für Enkelkinder
  • 100.000 Euro für Eltern und Großeltern (nur Erbfall)

Zu diesen Erbschaftsteuer-Freibeträgen kommen für Ehegatten und Kinder Versorgungsfreibeträge hinzu. Für Eheleute beträgt der Freibetrag 256.000 Euro.

Niedrige Freibeträge für Nichten und Neffen

Steuerklasse II gilt beispielsweise für Geschwister, aber auch für Nichten, Neffen, Schwiegerkinder und -eltern sowie geschiedene Ehegatten. Ihr Erbschaftsteuer-Freibetrag beträgt 20.000 Euro

Steuerklasse III gilt für alle anderen Empfänger. Sie können ebenfalls einen Freibetrag von 20.000 Euro geltend machen. Ein nicht eingetragener Lebenspartner fällt übrigens unter Steuerklasse III und hat damit die ungünstigste Position! Er wird behandelt wie ein Nichtverwandter.

Schenkung statt Erbschaft

Schenkungen und Erbschaften unterliegen dem gleichen Gesetz, die Erbschaftsteuer-Freibeträge gelten bis auf wenige Ausnahmen auch für Schenkungen. Der Gesetzgeber möchte vor allem verhindern, dass mit der Schenkung die Erbschaftsteuer umgangen wird. Daher werden Schenkungen zur Erbschaft hinzugezählt – nur wer auch dann unter dem Erbschaftsteuer-Freibetrag bleibt, zahlt keine Steuer.

Der Erbschaftsteuer-Freibetrag einer Schenkung gilt jeweils für zehn Jahre. Wer also Erbschaft-und Schenkungsteuer sparen möchte, sollte frühzeitig mit dem Schenken anfangen, dann kann alle zehn Jahre der Freibetrag in Anspruch genommen werden. Mehrere Schenkungen werden dabei zusammengerechnet, solange sie in den letzten zehn Jahren vor dem Erbfall erfolgt sind.

Erbschaft gestalten

Das Erbschaftsrecht ist eine komplizierte Materie. Wer sein Testament macht, kann viele Fehler machen – manche Erblasser erreichen mit dem Testament das Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt ist. Lassen Sie sich daher von einem Anwalt oder Notar beraten, wie Sie Ihren Letzten Willen eindeutig und unmissverständlich aufsetzen. Wenn kein Testament vorliegt, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein.

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