Baufinanzierung: Was kann ich mir leisten?
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Baufinanzierung: Was kann ich mir leisten?

Wer nur Miete zahlt, ist auch nach 20 oder 30 Jahren noch Mieter. Wer aber in dieser Zeit ein Darlehen abgezahlt hat, ist bei vergleichbarem Finanzaufwand Wohnungs- oder Hausbesitzer geworden! Doch auch in Zeiten von Niedrigzinsen muss gut überlegt sein, wie hoch man sich monatlich belasten kann, um Eigenheimbesitzer zu werden. Wir liefern Infos zur Frage: Baufinanzierung – was kann ich mir leisten?

Drei unverzichtbare Kalkulationsschritte

Die derzeitigen Darlehenszinsen sowohl für den Immobilienerwerb als auch für den Neubau sind äußerst attraktiv und die unablässig steigenden Preise für Häuser und Eigentumswohnungen lassen schnelles Handeln sinnvoll erscheinen. Aber jede Immobilienfinanzierung muss sorgfältig überlegt und kalkuliert sein, denn Sie legen sich damit auf viele Jahre finanziell fest.

Grundsätzlich sollten Sie die Überlegung „Baufinanzierung: Was kann ich mir leisten?“ in drei Schritten angehen:

  • Kassensturz vornehmen: Viele Menschen haben kein klares Bild davon, was sie jeden Monat insgesamt ausgeben. Feste Posten wie Miete und Versicherungsbeiträge kennt man, aber es sind die vielen kleinen und größeren Ausgaben, die sich summieren. Vor dem Immobilienerwerb oder dem Beginn eines Bauvorhabens muss ganz klar aufgelistet werden, was man alles von den Einkünften finanzieren muss. Die Kaltmiete kann man zumeist als Orientierungsgröße für den möglichen monatlichen Abtrag beim Hauskauf vorsehen, Nebenkosten hat jedoch auch der Hausbesitzer. Der Kassensturz muss realistisch vorgenommen werden: Man schadet sich und der Familie, wenn kein Geld mehr für den Kinobesuch oder den Urlaub verfügbar ist. Eine teurere Autoreparatur sollte ebenfalls keine Finanzkrise auslösen.
  • Eigenkapital berechnen: Wer weiß, was er monatlich für eine Immobilie aufbringen kann, prüft als zweiten Schritt das verfügbare Eigenkapital. Zwar kann man eine Vollfinanzierung durch eine Bank in Anspruch nehmen, aber die muss teuer bezahlt werden. Daher lohnt es, genau zu überlegen: Gibt es Sparverträge, die auf absehbare Zeit auszahlungsreif sind? Wertvolle Besitztümer, die man gern zugunsten des Eigenheims verkauft? Oder ist mit einem Erbe zu rechnen, das finanziell belastbar ist, etwa indem man seinen Anteil am elterlichen Haus bereits an die Geschwister verkauft?
  • Kosten- und Zeitrahmen abstecken: Wenn Sie sich hinsichtlich Ihrer Finanzen ein klares Bild gemacht haben, beginnt der dritte Schritt. Die Frage lautet: Wie viel Immobilie kann ich mir für welchen Monatsbetrag bei welcher Laufzeit leisten? Als Faustregel gilt: Je mehr Eigenkapital Sie aufbringen, desto niedriger der Darlehenszins. Und je höher die monatliche Tilgung, desto schneller sind Sie mit der Finanzierung fertig. Es gilt also, die drei variablen Größen Kaufpreis, monatliche Darlehensbelastung und Laufzeit in ein optimales Verhältnis zueinander zu bringen. Die Vernunft rät, lieber eine nicht so teure Immobilie schnell abzuzahlen, da niemand weiß, wie sich die Einkommens- und Lebenssituation entwickeln wird. Bei einer längeren Darlehenslaufzeit gilt der Zinssatz oft nur für einen Teil der Zeit, bei der dann anstehenden Anschlussfinanzierung kann die Zinssituation schon deutlich ungünstiger sein.

Seriöse Beratung einholen

Fast niemand kauft oder baut in seinem Leben mehr als einmal ein Eigenheim – daher hat auch fast niemand Erfahrung mit einem über 20 oder 30 Jahre zu bedienenden Darlehen. Eine allzu blauäugig geplante Finanzierung kann aber heftige Folgen haben: von Zwangsversteigerung im Falle einer Zahlungsunfähigkeit bis zu Beziehungs- und Familienproblemen, wenn der Finanzrahmen der Immobilie zuliebe allzu eng gesteckt ist.

So groß der Wunsch nach Wohneigentum auch sein mag und so verlockend die Offerten erscheinen: Bleiben Sie besonnen. Glauben Sie nicht unbesehen den Empfehlungen der finanzierenden Bank: Wer trotz aller Unwägbarkeiten auf Nummer sicher gehen will, sollte sich unabhängig beraten lassen und die oft ernüchternden Empfehlungen von Experten annehmen, etwa bei der Beratung durch eine Verbraucherzentrale. Eine verantwortungsvolle Beratung für den Immobilienerwerb führt oft zum Kauf einer kleineren Immobilie. Aber die Aussicht, das Objekt sicher bei allen künftigen Unwägbarkeiten abzahlen und daneben ein angenehmes Leben führen zu können, ist immer die bessere Entscheidung. Die Antwort auf die die Frage „Baufinanzierung – was kann ich mir leisten?“ soll schließlich zukunftssicher sein.

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