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Was ist Blasenschwäche?
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Was ist Blasenschwäche?

Blasenschwäche (Harninkontinenz) beschreibt das Unvermögen willkürlich, zur passenden Zeit und an einem geeigneten Ort die Blase zu entleeren. Das heißt: Bei einer Blasenschwäche handelt es sich um unkontrollierten Harnverlust, der unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Auch wenn von einer „schwachen Blase“ die Rede ist: Nicht immer ist es die Blase, welche für den plötzlichen Harnverlust verantwortlich ist. In unserem Blasenschwäche-Ratgeber möchten wir Ihnen einen Überblick über Ursachen, Symptome und Behandlung der Blasenschwäche geben.

Wie entsteht Blasenschwäche?

Die Harnblase hat zwei wichtige Aufgaben: Zum einen sammelt sie den aus den Nieren geleiteten Harn und speichert ihn. Zum anderen muss sie signalisieren, wenn sie gefüllt ist und den Harn im gewünschten Moment abfließen lassen. Damit das funktioniert, arbeiten der Blasenmuskel (Detrusor), das Bindegewebe der Blasenwand mit seinen vielen Nerven, der Schließmuskel (Sphinkter) und die Harnröhre zusammen. Auch muss für die Blasenkontrolle das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) die Signale entsprechend verarbeiten und weiterleiten können. Ebenso müssen alle beteiligten Muskeln und Nerven funktionieren. Kommt es zu einer Störung in diesem komplexen Zusammenspiel, kann Blasenschwäche entstehen.

Was ist Blasenschwäche?

Bei Blasenschwäche, auch als Harninkontinenz bezeichnet, handelt es sich um die mangelnde oder fehlende Fähigkeit des Körpers, den Blaseninhalt sicher in der Harnblase zu speichern und ihn zu einem gewünschten Zeitpunkt abfließen zu lassen. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Blasenschwäche zu erkranken. Schätzungen zufolge leiden 36 Prozent der Frauen über 65 Jahre und 18 Prozent der über 65-jährigen Männer unter Blasenschwäche.

Mediziner unterscheiden verschiedene Blasenschwäche-Arten (Inkontinenzformen):

  • Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz): Bei erhöhtem Druck im Bauchraum kommt es zu Harnverlust. Dazu gehören Husten, Niesen, Lachen, Heben und Pressen. Es können wenige Tropfen bis hin zu einem Strahl austreten. Die Betroffenen verspüren zuvor keinen Harndrang.
  • Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz): Von Dranginkontinenz betroffene Personen leiden unter plötzlichem, sehr intensiven Harndrang – obwohl die Blase noch nicht voll ist. Der Harn tritt unvermittelt danach in größeren Mengen aus der Blase aus und viele schaffen es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette.
  • Mischinkontinenz: Mediziner sprechen von einer Mischinkontinenz, wenn Betroffene sowohl Symptome der Belastungsinkontinenz als auch der Dranginkontinenz zeigen.
  • Überlaufinkontinenz: Zur Überlaufinkontinenz kommt es, wenn etwa aufgrund eines organischen Hindernisses oder aufgrund von Nervenschädigungen die Blase fortwährend zu voll ist und „überläuft“. Die Betroffenen verlieren stetig kleinere Mengen Urin – verbunden mit starkem Harndrang. Die Überlaufinkontinenz ist ein häufiger Begleiter einer vergrößerten Prostata bei Männern.
  • Reflexinkontinenz: Die Betroffenen spüren weder wann die Blase zu voll ist noch können sie den Harnabgang steuern. Es kommt in regelmäßigen Abständen zu unkontrollierbarem Harnverlust, bei dem auch größere Mengen Urin abfließen können. Zu einer Reflexinkontinenz kann es durch Nervenschädigungen kommen, etwa aufgrund einer Querschnittslähmung, Multipler Sklerose oder eines Schlaganfalls.
  • Extraurethrale Inkontinenz: Die Ursache der extraurethralen Inkontinenz liegt außerhalb der Harnwege. Hierbei geht beispielsweise über eine Fistel – das ist ein kleiner, neu entstandener Verbindungsgang – ständig unkontrolliert Harn verloren. Eine Fistel kann sich zwischen Blase und Scheide bilden oder zwischen Blase und Darm.
  • Nächtliches Einnässen (Enuresis): Nächtliches Einnässen betrifft vor allem Kinder. Es kommt in der Nacht im Bett zu ungewolltem Harnabgang. Ursache ist meist eine Entwicklungsverzögerung. Nur selten sind Fehlbildungen der Harnwege der Auslöser.

Welche Inkontinenzform ist die häufigste?

Die drei häufigsten Blasenschwäche-Formen sind die Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz), die Dranginkontinenz und die Mischinkontinenz.

Wie häufig ist Blasenschwäche?

In Deutschland leben geschätzt mindestens fünf Millionen Männer und Frauen mit Blasenschwäche. Zwar nimmt mit zunehmendem Alter das Risiko zu, eine Blasenschwäche zu entwickeln, doch auch junge Menschen können an Blasenschwäche erkranken. Häufig sind bei jungen Menschen Schwangerschaft und Entbindung, Unfälle sowie Operationen Ursachen der Blasenschwäche. Blasenschwäche betrifft beide Geschlechter, dennoch sind Frauen am Beispiel Belastungskontinenz häufiger betroffen – was häufig mit Schwangerschaften und einem geschwächten Beckenboden zusammenhängt.

Was ist der Unterschied zwischen Harn und Urin?

Manche Mediziner bezeichnen die von den Nieren gefilterte und in der Blase befindliche Flüssigkeit als Harn. Verlässt der Harn den Körper, sprechen sie von Urin. Etwa zwei Liter Harn werden täglich durch die Blase als Urin ausgeschieden. Im täglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Harn und Urin synonym verwendet.

Zu welchem Arzt mit Blasenschwäche?

Wer plötzlichen und unkontrollierbaren Harnabgang bei sich bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen und die Inkontinenzform bestimmen sowie die Ursache klären lassen. Nur dann kann der Arzt eine individuelle Therapie entsprechend der Harninkontinenz-Ursache zusammenstellen. Bei Blasenschwäche sollten Sie sich an einen Facharzt beziehungsweise eine Fachärztin für Urologie wenden. Die Urologie beschäftigt sich als Teilgebiet der Medizin mit den harnbildenden und harnableitenden Systemen, also Nieren, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre.

Anders als oft vermutet wird, ist der Urologe kein reiner „Männerarzt“. Zwar untersucht er die Geschlechtsorgane des Mannes und ist Ansprechpartner für Prostata-Leiden, etwa eine vergrößerte Prostata. Doch er ist auch Ansprechpartner, wenn Blasenprobleme, Beckenbodenbeschwerden oder Nierenerkrankungen auftreten – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Der Hausarzt oder die Hausärztin sowie für Frauen Fachärzte und Fachärztinnen für Gynäkologie können ebenfalls eine erste Anlaufstelle sein. Eine weiterer Kontakt sind Ärztliche Beratungsstellen. Häufig wird Inkontinenz fachübergreifend von Fachärzten für Urologie, Gynäkologie, Neurologie, Radiologie, Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Chirurgie behandelt. Zudem gibt es spezielle Inkontinenz- und Beckenboden-Zentren, an denen die genannten Facharztgruppen mit spezialisierten Physiotherapeuten zusammenarbeiten.

Männer sollten immer dann einen Urologen aufsuchen, wenn sie Veränderungen im Bereich der Geschlechtsorgane feststellen. Dazu gehören Entzündungen des Penis (Balanitis), Juckreiz und Schmerzen im Intimbereich, tastbare oder sichtbare Veränderungen der Hoden, Schmerzen in den Hoden, Verdacht auf Prostata-Beschwerden sowie Probleme der Harnwege. Urologen und Urologinnen raten Männern, ab dem 40. Lebensjahr die Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs wahrzunehmen.
Frauen sollten einen Urologen oder eine Urologin aufsuchen, wenn sie Beschwerden im Bereich der ableitenden Harnwege haben. Dazu gehören unter anderem Blasenentzündungen, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen im Bereich der Nieren und Blut im Urin. Auch bei Beckenbodendefekten, Nieren- und Blasensteinen sowie einem Blasenkarzinom ist ein Facharzt für Urologie der Ansprechpartner.
Urologinnen und Urologen befassen sich mit dem gesamten Bereich des Harnsystems, darunter Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre bei Männern und Frauen sowie den Geschlechtsorganen des Mannes.

Quellen:

Harn- und Stuhlinkontinenz. Informationsbroschüre der Deutschen Kontinenz Gesellschaft

Was tun bei Harninkontinenz? Informationsbroschüre der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)

Harninkontinenz. Online-Information von Frauenärzte im Netz, einem Online-Angebot des Berufsverbands der Frauenärzte e. V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Mit der Blasenschwäche leben. Online-Ratgeber der Deutschen Seniorenliga e. V.

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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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