Schmerzen in der Schulter? Eingeklemmtes Gewebe als Ursache.
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Schmerzen in der Schulter? Eingeklemmtes Gewebe als Ursache.

Wenn sich im Schultergelenk Gewebe einklemmt, dann kann das Schmerzen verursachen. Man nennt das ein Impingement an der Schulter. Wie kann sich etwas im Schultergelenk einklemmen? Was gehört zum Schultergelenk? Was ist das Impingement und wie wird es festgestellt? Diese Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet. Es werden auch Hinweise zur Behandlung von Schulterschmerzen gegeben.  

Wenn der geliebte Krimi in der obersten Reihe des Bücherregals wegen Schulterschmerzen nicht mehr herausgezogen werden kann, dann kann das auf einen Engpass hindeuten. Auch Überkopf-Arbeiten werden zur Qual und das Rückenkratzen wird auf Grund der Schmerzen in der Schulter vermieden.

Das Impingement ist eine schmerzhafte Bewegungsstörung, da Gewebe im Schultergelenk eingeklemmt ist. Es ist wahrscheinlich eines der häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Die meisten Betroffenen sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, aber auch jüngere, sportlich aktive Menschen können daran leiden.

Wie ist das Schultergelenk aufgebaut?

Der Arm wird über das Schultergelenk mit dem Oberkörper verbunden. Das Schultergelenk ist im engeren Sinne die Verbindung des Oberarm-Knochens mit dem Schulterblatt. Am Schulterblatt befindet sich eine Vertiefung, die man Schulterpfanne nennt. Darin liegt der Oberarmkopf, der am oberen Ende kugelförmig ist. Über dem Schultergelenk bilden zwei Knochenfortsätze ein Dach, das man Schulterhöhe nennt. Man kann das Dach von außen gut tasten. Im weiteren Sinne gehören zum Schultergelenk auch die Verbindung des Schulterblattes mit dem Schlüsselbein und die Verbindung des Brustbeins mit dem Schlüsselbein.

Für die Bewegung im Schultergelenk sind neben den Knochen auch die Weichteile verantwortlich. Das sind zum Beispiel Muskeln und Sehnen. Die Sehnen verankern die Muskeln am Knochen. Außerdem befinden sich im Schultergelenk mehrere Schleimbeutel. Ein Schleimbeutel ist ein kleines, flüssigkeitsgefülltes Kissen. Der Schleimbeutel ist wie ein Polster und verhindert, dass Gewebe aneinander reibt.

Das Schultergelenk braucht der Mensch für viele Tätigkeiten im Alltag. Es kann in alle Richtungen bewegt werden. Dabei wird das Schultergelenk vorrangig von den Muskeln stabilisiert. Das macht das Gelenk leichter anfällig für Verletzungen, da es nicht so stabil ist wie zum Beispiel das Hüftgelenk.

Wie klemmt sich Gewebe an der Schulter ein?

Beim Impingement an der Schulter wird Weichteil-Gewebe im Raum zwischen dem Oberarm-Knochen und einem Teil des Schulterblattes, dem Acromion, eingeklemmt. Man nennt es deshalb auch Sub-Akromiales Impingement. Oben am Schulterblatt gibt es eine Schulterhöhe, in Form eines Knochenfortsatzes. Diesen kann man von außen tasten. Die Schulterhöhe bildet ein Dach über dem Schultergelenk, was den Oberarm-Knochen vor dem Herausrutschen aus dem Gelenk schützt. Dazwischen bildet sich ein Raum, worin sich Weichteil-Gewebe wie Muskeln, Sehnen und ein Schleimbeutel befinden. Wenn der Raum enger wird, dann wird das Gewebe eingeklemmt.

Welche Schulter-Krankheiten verursachen ein Impingement?

Das Impingement an der Schulter kann eine Begleiterscheinung bei verschiedenen Erkrankungen der Schulter sein. Meist kommen verschiedene Ursachen auf einmal vor. Ursache für einen Engpass sind zum Beispiel verschleißbedingte Veränderungen, Entzündungen, ein Ungleichgewicht an Muskeln und anatomische Gegebenheiten.

Zum Beispiel kann der Muskelmantel am Schultergelenk verschleißbedingt verändert sein. Davon sind 80 Prozent der über 80-Jährigen betroffen. Dadurch können Sehnen, die die Schulter-Muskeln am Knochen verankern, einklemmen. Es kann aber auch das Schultergelenk selbst betroffen sein. Um das Schultergelenk herum liegt eine Gelenk-Kapsel, die sich entzünden kann. Man nennt diese Entzündung Frozen Shoulder. Eine weitere Entzündung kann im Schleimbeutel zwischen dem Oberarm und dem Schulterblatt auftreten.

Ursache für ein Impingement kann auch eine Überbelastung der Schulter sein. Zum Beispiel kann sich das Muskelmassen-Verhältnis ändern und der Raum im Schultergelenk dadurch zu klein werden. Dies tritt bei bestimmten Sportarten auf und bei langanhaltenden Tätigkeiten über Kopf.

Schuld an einer Enge im Schultergelenk kann auch die Form des Schulterblatts sein. Das Schulterblatt hat einen Knochenfortsatz, der der höchste Punkt der Schulter ist. Es kann eine starke Hakenform haben, wodurch sich dann eine knöcherne Enge bildet.

Wie stellt der Arzt ein Impingement fest?

Schulterschmerzen werden oft überall in der Schulter vom Betroffenen beschrieben. Auch der Bewegungs-Schmerz wird meist in allen Bewegungs-Richtungen angegeben. Durch gezielte Tests kann der Arzt herausfinden, ob die Schmerzen auf eine Enge im Schultergelenk hindeuten.

Ein typisches Zeichen für das Impingement ist der „schmerzhafte Bogen“.  Wenn man den Arm zur Seite in einem Bogen anhebt, dann beginnt der Schmerz kurz bevor der Arm auf der Schulterhöhe ist. Der Schmerz hört erst ein Stück über der Schulterhöhe wieder auf. In Gradzahlen entspricht das einem schmerzhaften Bereich zwischen 60 und 120 Grad. Bei einer weiteren Untersuchungs-Methode legt der Arzt seine Hand auf das Schulterblatt des Betroffenen. Der Arm wird vom Arzt nach vorne gestreckt und über die Schulterhöhe angehoben. Wenn dabei Schmerzen auftreten, dann kann Gewebe im Schultergelenk eingeklemmt sein. Bei einem weiteren Test beugt der Arzt den Arm des Betroffenen in der Ellenbeuge. Dann hebt er ihn ungefähr 60 Grad an und bewegt ihn so, dass sich der Arm im Schultergelenk nach innen dreht. Im Anschluss führt der Arzt mit dem Arm des Betroffenen Kraulbewegungen aus. Treten dabei Schmerzen auf, kann dies ebenfalls auf ein Impingement hindeuten.  

Um ein Blick ins Innere des Schultergelenks zu werfen, kann eine Röntgen-Untersuchung gemacht werden. Dabei können aber hauptsächlich die Knochen beurteilt werden. Die Beurteilung des Weichteil-Gewebes ist in einer MRT-Untersuchung möglich. Dabei werden scheibenförmige Bilder von der Schulter gemacht.

Wie behandelt man Schulterschmerzen?

Plötzlich auftretende Schulterschmerzen können durch Schonung gelindert werden. Dabei sollte man auf Sport verzichten, aber man muss die Schulter nicht komplett ruhig stellen. Schmerzmittel können kurzfristig die Beschwerden lindern. Wenn eine Entzündung in der Schulter besteht, dann sollten auch entzündungshemmende Schmerzmittel eingenommen werden. Betroffenen hilft auch Kälte oder Wärme an der Schulter, um die Beschwerden zu lindern.  

Um dauerhafte Beschwerden zu behandeln, kann eine Krankengymnastik notwendig sein. Diese Maßnahme sollte vor einem Eingriff am Schultergelenk probiert werden. Es besteht die Möglichkeit entzündungshemmende Medikamente direkt ins Schultergelenk zu spritzen. Die Erfahrungsberichte über den Erfolg sind durchwachsen. Wenn die Beschwerden über einen langen Zeitraum bestehen und keine der oben genannten Maßnahmen hilft, dann kann auch eine Arthroskopie-Untersuchung vorgenommen werden. Dabei setzt der Arzt einen kleinen Schnitt in der Haut und führt ein langes, dünnes Rohr in das Schultergelenk ein. So kann sich der Arzt das Schultergelenk anschauen und kleine Eingriffe vornehmen. Dabei kann zum Beispiel Gewebe entfernt werden und das schmerzhaft eingeklemmte Gewebe wird so entlastet.

Wo kann noch ein Impingement auftreten?

Ein Impingement kann auch am Hüftgelenk auftreten. Dabei wird aber kein Gewebe eingeklemmt, sondern es stoßen Knochen aneinander an. Das Hüftgelenk ist die Verbindung des Oberschenkel-Knochens und dem Becken. Bei ungünstigen Größenverhältnis beider Knochen kann es zu einem Zusammenstoß kommen, was sich ebenfalls Impingement nennt.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Ariane Schick-Wetzel
Autor/-in
Ariane Schick-Wetzel

Die Ärztin Ariane Schick-Wetzel hat Medizin in Dresden studiert und hat in Deutschland, Schottland, Rumänien und Afrika Praxis-Erfahrung gesammelt. Sie ist seit 2016 für die "Was hab' ich?" gemeinnützige GmbH tätig und verfasst für das Online-Portal unter anderem laienverständliche medizinische Texte.

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