Lipödem was tun? Das sind die Behandlungsmöglichkeiten
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Lipödem was tun? Das sind die Behandlungsmöglichkeiten

Beim Lipödem handelt es sich nicht um eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Je früher die Therapie beginnt, desto effektiver lassen sich Komplikationen vermeiden. Eine kausale Heilung ist nicht möglich, daher steht die Beseitigung der Beschwerden im Mittelpunkt.

Abnehmen ist gut, kann aber ein Lipödem nicht beseitigen

Lipödeme sind diätresistent, denn mit reiner Fettleibigkeit hat die Erkrankung nichts zu tun. Diäten führen dazu, dass der Torso abnimmt, aber die Extremitäten vergrößert bleiben. Trotzdem ist eine Reduktion des Körpergewichtes in jedem Fall hilfreich, da sich damit Gelenkschäden und Beschwerden psychischer Art minimieren lassen.

Hauptziel der Therapie ist die Beseitigung der Beschwerden

Für die medizinische Versorgung des Lipödems ist eine Beseitigung der Lymphstauungen wichtig. Als einfachste Maßnahme gilt die Hochlagerung der Beine. Unterstützend wirkt die Behandlung von Venenerkrankungen, durch die sich Gefäße stärken und Blut- und Lymphtransport in den Beinen verbessern lassen.

Als Patient sollte man unnötige körperliche Belastungen wie langes Stehen und Sitzen vermeiden. Ein wenig Bewegung hingegen unterstützt den Behandlungserfolg. Gründliche Hautpflege verhindert Infektionen. Selbst kleinste Wunden müssen umgehend versorgt werden, bevor sie sich vergrößern, infizieren und chronisch verlaufen.

Physikalische Entstauungstherapie sorgt für die Besserung der Symptome

Eine komplexe physikalische Entstauungstherapie erfolgt durch manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie und Krankengymnastik. Sie sorgen für den Abtransport von Zelltrümmern und Gewebsflüssigkeit, sodass es nicht zu Eiweißfibrosen und Verhärtungen der Unterhaut kommt.

Die manuelle Lymphdrainage erfolgt am besten als Ganzkörper-Lymphdrainage, welche die Flüssigkeitsansammlungen mobilisiert und leichter abtransportierbar macht. Sie hält zudem Haut und Unterhaut weich und elastisch. Das Durchkneten wird anfangs als schmerzhaft empfunden - nach einigen Behandlungen legt sich das, und auch die Schmerzen im Alltag nehmen ab.

Für dauerhafte Entstauung sorgen Kompressionsverbände oder Kompressionsstrümpfe. Erstere haben den Vorteil, dass sie sich der aktuellen Schwellung optimal anpassen lassen. Daher sind sie vor dem Einsatz von Kompressionsstrümpfen unbedingt zu empfehlen. Diese müssen immer auf Maß angefertigt werden und sind einfacher in der Handhabung. Als Patient muss man sie tagsüber konsequent tragen, nachts sollte man sie ausziehen.

Fettgewebe lässt sich nur operativ beseitigen

Manuelle Lymphdrainage und Kompressionstherapie können nur die Stauung beseitigen, nicht aber das Fettgewebe. Dafür sind operative Maßnahmen wie die Fettabsaugung (Liposuktion) erforderlich. 

Diese erfolgt ambulant oder stationär und nimmt eine bis drei Stunden in Anspruch. Pro Sitzung lassen sich maximal drei bis fünf Liter Fettgewebe entfernen. Der Eingriff geschieht unter Lokalanästhesie, selten unter Vollnarkose. Der Chirurg spritzt ein Betäubungsmittel mit reichlich Kochsalzlösung in die Unterhaut. Ist das Gewebe betäubt, saugt er Salzlösung und Fett mit vibrierenden Kanülen ab.

Eine Liposuktion kommt nur infrage, solange die Lymphgefäße nicht erkrankt sind. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich nach dem Eingriff ein Lymphödem entwickelt. Indikationen sind entstellende Körperform, erhebliche Geh- und/oder Sitzbehinderungen und mangelnder Erfolg der physikalischen Entstauungstherapie.

Bei schweren Lipödemen sind mehrere Eingriffe notwendig. In einem Viertel der Fälle bessern sich die Beschwerden so weit, dass keine weitere Kompressionstherapie mehr notwendig ist. Ansonsten muss man die physikalische Therapie beibehalten, wobei sie häufig weniger intensiv ausfallen kann.

Übernimmt die Krankenkasse den Eingriff?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen siet kurzem die Kosten für eine medizinische Fettabsaugung bei sehr schweren Fällen. Diese Leistung ist zunächst bis 2024 befristet.  

Betroffene sollten auf Bewegung wie beispielsweise Schwimmen zurückgreifen.

Betroffene sollten auf Bewegung wie beispielsweise Schwimmen zurückgreifen.

Für die Verbesserung der Lebensqualität ist die Mitarbeit des Patienten unabdingbar. Dazu gehören das Tragen der Kompressionsstrümpfe und die Wahrnehmung der Termine für die manuelle Lymphdrainage. Eine Gewichtszunahme sollte man vermeiden und vorhandenes Übergewicht reduzieren. Zum Programm gehören fettarme, ballaststoffreiche Ernährung und leichte körperliche Betätigung wie Schwimmen oder Nordic Walking.

Als Patient sollte man auf nicht einengende Kleidung achten und übermäßige Hitze und Sonneneinstrahlung vermeiden. Saunagänge, Solarien und Sonnenbäder sind tabu. Vor schlecht verheilenden Verletzungen gilt es sich zu hüten - auch bei der Nagel- und Fußpflege.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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