Lipödem: Was ist das?
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Lipödem: Was ist das?

Das Lipödem (Allen-Hines-Syndrom, Lipodystrophia dolorosa) ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung mit vermehrtem Unterhaut-Fettgewebe und Schwellungen infolge eines gestörten Lymphtransportes. Dabei handelt es sich um eine "richtige" Krankheit und nicht um eine spezielle Form von Übergewicht. Genau geklärt sind die Ursachen bislang nicht. Sie ist dringend behandlungsbedürftig und lässt sich durch eine Diät bessern, aber nicht vollständig beheben.

Wer ist davon betroffen?

Lipödeme treten fast ausschließlich bei Frauen auf. Die Krankheit hat eine erbliche Komponente und manifestiert sich bei Umstellungen des Hormonhaushaltes: nach der Pubertät, bei einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Gynäkologische Operationen können vorhandene Symptome weiter verschlimmern.

Die meisten Lipödeme entwickeln sich zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Sie betreffen dünne und übergewichtige Frauen gleichermaßen: Schätzungen zufolge leiden 80 Prozent der Patientinnen gleichzeitig an Adipositas, 20 Prozent haben Normalgewicht. Warum asiatische Frauen niemals an dieser Erkrankung leiden, ist nicht bekannt.

Wie häufig sind Lipödeme?

Über die Häufigkeit der Erkrankung streiten die Epidemiologen - die Angaben schwanken zwischen 0,1 und 10 Prozent. In Deutschland gehen Schätzungen von rund einer Million Frauen aus. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, zudem das Lipödem häufig mit anderen Erkrankungen verwechselt wird. 

Welcher Arzt ist zuständig?

Fehldiagnosen führen dazu, dass viele Patientinnen eine Ärzte-Odysee hinter sich haben, ohne dass ihr Leiden korrekt diagnostiziert und behandelt wird. Der geeignete Ansprechpartner ist ein Lymphspezialist (Lymphologe) oder ein Facharzt für Gefäßerkrankungen (Angiologe, Phlebologe).

Welche Formen von Lipödemen gibt es?

Das Lipödem zeichnet sich durch eine typische, in allen Fällen symmetrische Verteilung des überschüssigen Fettgewebes aus, die zu einem deutlichen Missverhältnis der Proportionen von Rumpf und Extremitäten führt. Unverkennbar sind ausgeprägte Fettpolster an Hüften, Po und Oberschenkeln, die sich auf die Unterschenkel und die Arme ausdehnen können. In allen Fällen bleiben die Füße und Hände ausgespart. Je nach Verteilung der Fettmassen lassen sich drei Varianten unterscheiden:

- Beim Oberschenkel-Typ sind nur die Oberschenkel und die Hüftregion betroffen. Wegen der sich daraus ergebenden Form spricht man von Reiterhosen.

- Beim Unterschenkel-Typ kommt der obere Anteil der Unterschenkel hinzu. Die Fettverteilung bezeichnet man hier als Bundhosen.

- Beim Knöchel-Typ reichen die Schwellungen der Unterschenkel bis zu den Knöcheln herab, sodass sich ein deutlich abgesetzter Kragen entwickelt. Wie bei den namensgebenden Pumphosen hängt dieser Wulst in fortgeschrittenen Stadien über die Knöchel herab.

Wie entsteht ein Lipödem?

Zurückzuführen ist die Erkrankung auf eine Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen in der Unterhaut. Sie nehmen so viel Platz in Anspruch, dass sie den Abfluss der Lymphe stören. Dadurch werden anfallende Zelltrümmer nicht abtransportiert und sammeln sich im Gewebe an. Das führt zu einer Vermehrung des Bindegewebes, das die Unterhaut zusehends verhärtet und durch verminderte Durchblutung Schmerzen hervorruft. Zusätzlich verursacht der gestörte Abtransport der Lymphe mit der Zeit ein Lymphödem.

Was sind die Folgen eines Lipödems?

Typisch für das Lipödem sind Schwellungen von Unterschenkeln und Knöcheln, die sich in der zweiten Tageshälfte verschlimmern. Sie machen die Beine schwer und werden mit der Zeit immer schmerzhafter. Die Beeinträchtigung der Blutgefäße führt dazu, dass bereits leichtes Stoßen an Gegenständen blaue Flecken hervorruft und an der Hautoberfläche Besenreiser sichtbar werden. Große Hautfalten stören beim Gehen und scheuern die Haut auf. Wunden verheilen infolge der beeinträchtigten Durchblutung nur schwer wieder ab und sind ständig von Infektionen bedroht.

Die Lebensqualität wird durch ein Lipödem erheblich beeinträchtigt. Patientinnen leiden unter ihrer als unförmig empfundenen Gestalt und scheuen die Öffentlichkeit. Mit langen Röcken versuchen sie, die Figur zu kaschieren. Strand, Freibad oder luftige Garderobe kommen für sie häufig nicht infrage. 

Zudem entwickeln sich die Schmerzen zum ständigen Begleiter. Mit der Zeit werden sie so unerträglich, dass bereits das Tragen enganliegender Kleidungsstücke als unangenehm erachtet wird. Die fast unvermeidlichen seelischen Probleme machen oftmals eine Psychotherapie und die Behandlung mit Antidepressiva notwendig.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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