Hörsturz: Symptome, Ursachen und Therapie der plötzlichen Hörminderung
(1)

Hörsturz: Symptome, Ursachen und Therapie der plötzlichen Hörminderung

Es ist, als würde plötzlich ein Wattebausch im Ohr stecken: Bei einem Hörsturz treten Symptome in der Regel unvermittelt, ohne Vorwarnung auf. Wie Sie einen Hörsturz erkennen, was Sie dagegen tun können und wann Sie zum Arzt gehen sollten, lesen Sie hier.

Hörsturz: Symptome reichen von leichter Schwerhörigkeit zu Taubheit

Von einem Augenblick auf den nächsten hört man – zumeist auf einem Ohr – kaum noch etwas oder gar nichts mehr. Das betroffene Ohr fühlt sich bei einem Hörsturz “pelzig” an, als wäre es in Watte gepackt oder als steckte ein Gummistöpsel darin. Die eigene Stimme und Geräusche in der Außenwelt wirken zuweilen verfremdet oder verzerrt. Kommt es zum sogenannten Doppelhören, klingen Geräusche und Töne auf dem gesunden Ohr normal, auf dem “abgestürzten” Ohr hingegen tiefer oder höher.

Beim Hörsturz gehen die Symptome des Weiteren oft mit einem Druckgefühl und Tinnitus auf dem betroffenen Ohr einher – ein Klingeln, Pfeifen oder Rauschen, das nur die entsprechende Person selbst wahrnimmt, sorgt dann für Irritation. Die Beeinträchtigung des Gehörs kann von leichter, kaum wahrnehmbarer Hörminderung bis hin zu vollständigem Hörverlust (Taubheit) reichen. Manchmal fühlen sich Betroffene außerdem schwindelig und benommen.

Wie verläuft ein Hörsturz üblicherweise?

Etwa die Hälfte aller Hörstürze verschwinden genauso rasch, wie sie aufgetaucht sind. Manchmal sind die Symptome so dezent und so schnell wieder weg, dass sie gar nicht als Hörsturz wahrgenommen werden. In anderen Fällen sind die Beschwerden zwar deutlich wahrnehmbar, lösen sich aber nach spätestens drei Tagen ohne weiteres Zutun wieder auf. Sollte dies nicht der Fall sein oder werden die Hörsturz-Symptome von Schwindel und Bewusstseinstrübungen begleitet, sollten Sie unbedingt zum HNO-Arzt gehen und Ihren Gesundheitszustand überprüfen lassen. Es kann sein, dass es sich um Morbus Menière handelt. Zudem kann ein schwerer Hörsturz unbehandelt zu dauerhaften Hörminderungen führen. Wo Sie einen HNO-Arzt in Ihrer Nähe finden, können Sie der Adressliste im Anschluss an diesen Ratgeber entnehmen.

So wird die Diagnose gestellt

Symptome, die denen eines Hörsturzes ähneln, können auch bei anderen Ohrerkrankungen oder Verletzungen in Erscheinung treten. Der HNO-Arzt kann überprüfen, ob die Beschwerden tatsächlich Hörstürzen geschuldet sind oder eine andere Ursache haben, die entsprechend anderer Therapieformen bedarf. Beschreiben Sie Ihrem Arzt daher möglichst genau, wie und wann Sie welche Art von Hörminderung erlebt haben.

Schildern Sie auch Begleitbeschwerden, da sie für die Diagnose wichtig sein können. Der Ohrenarzt wird dann mit Ihnen eine Reihe von Hörtests sowie eine Ohrspiegelung durchführen. Mithilfe der sogenannten Tonaudiometrie, einer Stimmgabelprüfung und/oder einer Sprachaudiometrie lässt sich messen, wie stark das Gehör beeinträchtigt ist. Eine Ohrspiegelung, in der Fachsprache Otoskopie genannt, kann gegebenenfalls aufzeigen, ob die Beschwerden mit einem durch Ohrenschmalz verstopften Gehörgang oder einer Verletzung des Trommelfells einhergehen.

Bei der Spurensuche nach den Ursachen für die Symptome und zum eventuellen Ausschluss anderer Krankheiten misst der Arzt zusätzlich meist den Blutdruck. Mithilfe einer Tympanometrie werden darüber hinaus die Eigenschaften des Trommelfells gemessen und mit weiteren Tests wie der Tonaudiometrie nach Fowler oder der Hirnstammaudiometrie wird der Hörnerv auf mögliche Schäden untersucht. Des Weiteren stellt der Arzt mit einer sogenannten Vestibularisprüfung fest, ob mit dem Gleichgewichtsorgan alles in Ordnung ist.

Mögliche Ursachen für einen Hörsturz

Bei einem normal funktionierenden Gehör werden Schalleindrücke wie Stimmen, Geräusche und Töne vom Gehörgang zum Mittelohr über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen zum Innenohr geleitet. Dort werden aus den wahrgenommenen Schallwellen elektrische Nervensignale, die zum Gehirn weitergeleitet und verarbeitet werden. Die Symptome eines Hörsturzes treten auf, wenn es Probleme im Innenohr und bei der Umwandlung der Schalleindrücke in Nervensignale gibt.

Gibt es dafür eine äußere Ursache, etwa ein plötzliches lautes Geräusch, handelt es sich nicht um einen Hörsturz, sondern um ein Knalltrauma. Doch auch, wenn eine Viruserkrankung oder andere klare Gründe hinter den Hörproblemen stecken, bezeichnet man die Krankheit nicht als Hörsturz. Ein Hörsturz ist eine “idiopathische Erkrankung”, das heißt, eine Beeinträchtigung, die keine erkennbare, eindeutige Ursache hat.

Verdacht auf Durchblutungsstörungen

Dennoch kursieren in der Forschung verschiedene Theorien darüber, wie es zur plötzlichen Hörminderung ohne erkennbaren Grund kommen kann. Es scheint, als hingen die Symptome eines Hörsturzes mit einer Durchblutungsstörung im Innenohr zusammen. Die schlechte Durchblutung wiederum kann die Haarzellen im Innenohr schädigen, die dafür sorgen, dass die Schallwellen in elektrische Nervensignale umgewandelt werden.

Daher gelten Durchblutungsstörungen und eine Neigung zu erhöhter Blutgerinnung zu den wesentlichen Risikofaktoren für einen Hörsturz. Ursachen hierfür können Bluthochdruck und Rauchen sein, aber auch eine Arterienverkalkung. Davon abgesehen wird ein Zusammenhang zwischen Hörstürzen und Herzkreislauferkrankungen, Problemen der Halswirbelsäule, chronischen Ohrentzündungen und Autoimmunerkrankungen vermutet. Häufig beobachtet, jedoch wissenschaftlich noch nicht belegt, ist ebenfalls ein Einfluss von großem Stress, wenn das Gehör “abstürzt”.

Welche Therapien kommen zur Hörsturz-Behandlung infrage?

Sofern Ihnen nicht schwindelig ist und die Symptome mild ausfallen, können Sie zwei bis drei Tage abwarten, bevor Sie mit einem Hörsturz zum Arzt gehen. Möglicherweise verschwinden die Beschwerden ohne Behandlung. Geschieht dies nicht, sollten Sie jedoch unbedingt einen Arzt aufsuchen. Haben Sie des Öfteren immer wieder kleine Hörstürze, dann sollten Sie dies ebenfalls dringend abklären lassen. Bei komplettem Hörverlust und starken Problemen bespricht der Arzt mit Ihnen den Einsatz hoch dosierter Glukokortikoide – in der Regel geschieht dies über drei Tage lang. Die Medikamente können als Tabletten eingenommen oder in Form von Tropfen direkt ins Ohr gespritzt werden. Auch eine Infusion ist möglich. Lassen Sie sich in der HNO-Praxis ausführlich zu den Risiken, Nebenwirkungen und dem Nutzen dieser Therapiemöglichkeiten beraten.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

C K
Autor/-in
Christopher Kiel
Wie finden Sie diesen Artikel?