Gicht? Gelenkschmerzen nach dem Grillabend
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Gicht? Gelenkschmerzen nach dem Grillabend

Wenn nach einem Grillabend das Gelenk am großen Zeh rot und schmerzhaft ist, dann denkt manch einer an die Gicht. Doch was ist Gicht überhaupt? Wie kommt es zu einem Gichtanfall? Wie kann man die Gicht vermeiden? Diese Fragen soll dieser Artikel klären.

Was ist Gicht?


Die Gicht ist eine Entzündung der Gelenke durch Harnsäure-Kristalle. Die Harnsäure entsteht im Körper beim Abbau von Purinen. Purine sind in Lebensmitteln und in Zellen enthalten. Wenn zu viel Harnsäure im Körper ist, dann können Harnsäure-Kristalle entstehen. Die Harnsäure-Kristalle können sich in den Gelenken ablagern und die Gelenke entzünden.


Je häufiger sich ein Gelenk entzündet, desto eher wird das Gelenk dauerhaft geschädigt. Die Harnsäure kann sich in den weichen Geweben ablagern. Es entstehen kleine Knoten unter der Haut. Besonders häufig sieht man solche Knoten am Ellenbogen, am Ohr und an den Sehnen.

Nicht immer heißt zu viel Harnsäure, dass ein Gichtanfall entsteht. Viele Menschen haben zu viel Harnsäure im Blut und haben noch nie einen Gichtanfall gehabt.


Was ist Harnsäure? Wie entsteht Harnsäure?


Purine finden sich zum Beispiel in vielen tierischen Lebensmitteln. Der Körper baut die Purine ab. Das heißt, er zerlegt die Purine, die er nicht mehr braucht. Über viele Zwischenstufen entsteht am Ende die Harnsäure. Die Harnsäure kann nicht weiter verwertet werden. Der Körper muss sie ausscheiden.


Harnsäure kann im Körper auf zwei verschiedenen Wegen entstehen. Zum einen kann Harnsäure durch den Abbau von Zellen entstehen. Jeden Tag werden im Körper Zellen aufgebaut und abgebaut. Zum anderen können Lebensmittel aufgenommen werden, die viele Purine enthalten. Hierzu zählen Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen oder Linsen, und Innereien oder zum Beispiel Bier.


Was passiert mit der Harnsäure?


Die Harnsäure muss aus dem Körper ausgeschieden werden. Hauptsächlich wird die Harnsäure in der Niere herausgefiltert und dann mit dem Urin ausgeschieden.

In der Niere gibt es dafür bestimmte Transport-Eiweiße, welche die Harnsäure aus dem Blut in den Urin befördern.


Wie kommt es zu den erhöhten Harnsäure-Werten im Blut?


Es gibt verschiedene Wege, wie die Harnsäure im Blut ansteigen kann. Die Harnsäure kann ansteigen,


  • wenn man Lebensmittel mit vielen Purinen zu sich nimmt,
  • wenn man Alkohol trinkt,
  • wenn man fastet,
  • wenn die Nieren es nicht schaffen, die Harnsäure auszuscheiden,
  • wenn im Körper mehr Zellen abgebaut werden,
  • wenn bestimmte Eiweiße nicht mehr richtig arbeiten, die die Harnsäure abbauen oder
  • wenn man bestimmte Medikamente nimmt.

In Innereien, Hülsenfrüchten und Bier befinden sich viele Purine. Wenn man diese Lebensmittel zu sich nimmt, dann kann die Harnsäure im Blut ansteigen. Die Transport-Eiweiße in der Niere schaffen nur eine bestimmte Harnsäure-Menge zu befördern. Wenn diese Transport-Eiweiße überlastet sind, dann steigt der Harnsäure-Wert an. Bei einigen Menschen arbeiten die Transport-Eiweiße aufgrund erblicher Faktoren nicht richtig. Bei diesen Menschen sind die Transport-Eiweiße schneller überlastet.


Welche Lebensmittel können den Harnsäure-Wert beeinflussen?


Bier ist auf zwei Wegen schädlich für die Harnsäure im Körper. Zum einen hemmt der Alkohol die Ausscheidung der Harnsäure. Zum anderen enthält Bier viele Purine. Die Purine werden dann wieder zu Harnsäure abgebaut. Auch Fasten hemmt die Ausscheidung der Harnsäure. Wenn Sie Fasten möchten, dann besprechen Sie das vorher am besten mit Ihrem Arzt.


Weitere Gründe für zu viel Harnsäure im Blut


Wenn die Niere aus verschiedenen Ursachen nicht mehr richtig arbeitet, dann kann die Harnsäure nicht mehr vollständig ausgeschieden werden.


Zu viel Harnsäure kann auch bei Krebserkrankungen und bestimmten Bluterkrankungen entstehen. Bei Krebserkrankungen teilen sich Zellen unkontrolliert. Das heißt auch, dass vermehrt Zellen abgebaut werden. Gleiches gilt für einige Bluterkrankungen. Je mehr Zellen abgebaut werden, desto mehr Harnsäure entsteht im Körper.

Es gibt auch seltene angeborene Krankheiten, bei denen die Harnsäure sehr schlecht ausgeschieden wird. Das kann schwere Nervenschäden und weitere Beschwerden mit sich bringen.


Zum Schluss gibt es auch einige Medikamente, die die Ausscheidung von Harnsäure stören.


Was ist ein Gichtanfall? Wie kommt es zu einem Gichtanfall?


Bei einem Gichtanfall bilden sich aus der Harnsäure Kristalle. Die Harnsäure-Kristalle lagern sich in den Gelenken ab. Die Folge ist eine sehr schmerzhafte Entzündung des Gelenks. Oftmals ist das Gelenk am großen Zeh, das Sprunggelenk am Fuß oder das Daumen-Gelenk betroffen. Diese Gelenke sind kühler als die körpernahen Gelenke. Das begünstigt, dass sich Harnsäure-Kristalle bilden.


Eine Gelenkentzündung kann sich zum Beispiel nach einem üppigen Essen oder nach einem Festessen über Nacht entwickeln. Das Gelenk ist dann rot, warm und geschwollen. Nicht einmal die Bettdecke darf das Gelenk berühren, so stark können die Schmerzen sein. Nach einigen Tagen bis Wochen kann die Entzündung vorbei sein. Je öfter eine Entzündung entsteht, desto eher kann das Gelenk dauerhaft geschädigt sein.


Erhöhte Harnsäurewerte gehen nicht immer mit einem Gichtanfall einher. Viele Menschen haben erhöhte Harnsäure-Werte, ohne dass sie einen Gichtanfall bekommen. Das Risiko für einen Gichtanfall ist aber wesentlich höher, wenn die Harnsäure-Werte im Blut zu hoch sind. Umgekehrt kann bei einem Gichtanfall die Harnsäure im Blut normal sein.


Gibt es langfristige Folgen einer Gicht-Erkrankung?


Je öfter sich ein Gelenk entzündet, desto eher wird das Gelenk dauerhaft geschädigt. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Gichtanfall vermieden wird.


Bei Gicht können sich außerdem Steine in der Niere bilden. Die Nierensteine können zum einen das Abfließen vom Urin behindern. Zum anderen begünstigen Nierensteine eine Entzündung der Harnwege.Die Harnsäure kann sich auch in den weichen Geweben ablagern. Es können Knoten in der Haut entstehen. Die Knoten entstehen oftmals am Ellenbogen, am Ohr oder an den Sehnen. Diese Knoten können stören, müssen aber nicht.


Sind meine Harnsäure-Werte erhöht?


Ob man zu viel Harnsäure im Blut hat, das kann ein Bluttest zeigen. Für Männer und Frauen gelten verschiedene Bereiche als normal. Die Normbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor.


Was kann die Ursache für meine Gelenk-Entzündung sein?


Eine Gelenkentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Die Gicht ist nur eine mögliche Erklärung. Ein Verschleiß im Gelenk, eine Entzündung durch Keime oder eine Verletzung können andere Ursachen sein.


Um herauszufinden, warum ein Gelenk entzündet ist, wird Sie der Arzt untersuchen. Ihnen wird vielleicht Blut abgenommen. Manchmal kann ein Ultraschall weiter helfen. In unklaren Fällen können weitere Untersuchungen stattfinden.


Wie werden die Gicht und die erhöhten Harnsäure-Werte im Blut behandelt?


Egal in welchem Lebensalter und wie es um die Nieren steht, ist eine ausgewogene gesunde Ernährung wichtig. Eine purinarme Kost ist für Menschen, die bereits einen Gicht-Anfall hatten, unverzichtbar. Purinarm heißt, dass wenig Inneren, Hülsenfrüchte und Bier auf dem Speiseplan stehen.


Genug zu trinken ist wichtig, damit die Niere die Harnsäure ausscheiden kann. Dabei muss beachtet werden, ob es andere Herzerkrankungen oder Nierenerkrankungen gibt, bei denen man nicht so viel trinken darf. Als nächster Schritt können Medikamente verschrieben werden, die die Harnsäure senken. Bei vielen Menschen ist eine lebenslange Behandlung mit diesen Medikamenten notwendig.


Im Gichtanfall sollten diese Medikamente jedoch nicht eingenommen werden. Denn die Medikamente können am Anfang die Harnsäure im Blut erhöhen. Das kann den Anfall verstärken. Im Gichtanfall werden üblicherweise Medikamente gegeben, die man als normale Schmerzmittel kennt. 


Schlussendlich gilt, dass die Gicht in vielen Fällen vermieden werden kann.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Franziska Mettke
Autor/-in
Franziska Mettke

Die Ärztin Franziska Mettke hat Medizin in Leipzig studiert. Praxis-Erfahrungen hat sie bereits im Klinikum St. Georg in Leipzig, im Universitätsklinikum Dresden und im Erzgebirgsklinikum Annaberg Buchholz gesammelt. Als Übersetzerin medizinischer Befunde in leicht verständliches Deutsch engagiert sich Franziska Mettke seit 2013 ehrenamtlich bei "Was hab' ich?". Seit Februar 2016 ist sie hauptberuflich für die "Was hab' ich?" gGmbH tätig.

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