Dicker Bauch oder runde Hüften: Wie die Fettverteilung den Körper beeinflusst.
© IPGGutenbergUKLtd/iStock/Thinkstock 2016
(1)

Dicker Bauch oder runde Hüften: Wie die Fettverteilung den Körper beeinflusst.

Ist ein Bierbauch gefährlicher als ausladende Hüften? Es kommt auf die Verteilung überschüssigen Fettes im Körper an. Welche Gefahren Fett an der falschen Stelle birgt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Fett – was ist das?


Fett ist ein grundlegender Bestandteil des Körpers. Fett übernimmt verschiedene Aufgaben im Körper. Es dient als Isolationsschicht und schützt vor dem Auskühlen. Fett ist auch ein Baustoff. Im Gesicht zum Beispiel bestimmt es die Form unserer Wangen. Unter den Fersen gibt es kleine Fettkammern, die Druck und Stöße abpolstern. Eine Fettkapsel hält die Nieren in ihrer Position. Auch die anderen inneren Organe haben an einigen Stellen eine Fett-Umhüllung. Dies ermöglicht, dass die Organe geschmeidig aneinander vorbeigleiten.


Fakt ist: Fett speichert viel Energie. Damit ist Fett eine gute Reserve für Zeiten, in denen wenig Nahrung zur Verfügung steht. Da bei uns im Alltag in der Regel zu viel Nahrung zur Verfügung steht, gilt es die Größe der eigenen Fettpolster im Auge zu behalten. Zu viel Fett im Körper birgt verschiedene Gefahren.


Wo befindet sich das Fett im Körper?


Fett kommt fast überall im Körper vor. Am leichtesten von außen zu sehen ist die Fettschicht unter der Haut. Das ist das sogenannte subkutane Fettgewebe oder Unterhaut-Fettgewebe. Man hat am gesamten Körper Fett unter der Haut, außer an den Lippen und den Augenlidern. Männer haben auch am Penis und am Hoden kein Fett. Wie dick die Fettschicht unter der Haut ist, das ist bei Männern und Frauen meist unterschiedlich verteilt. Bei Frauen gibt es meist an den Oberschenkeln, am Gesäß und an der Brust Fettpolster. Einen Fett-Verteilungstyp mit runden Hüften und schlankerer Taille nennt man auch weiblichen Fett-Verteilungstyp oder Birnen-Typ. Bei Männern ist es eher die Bauchhaut, an der sich Fett einlagert. Bei vermehrtem Bauchfett spricht man auch von einem männlichen Fett-Verteilungstyp oder Apfel-Typ.


Unsichtbares Fett an den inneren Organen


Menschen mit dickem Bauch haben oft nicht den Eindruck viel weiches Unterhaut-Fettgewebe zu haben. Vielleicht haben diejenigen sogar kräftige Bauchmuskeln mit einer normal dicken Unterhaut-Fettschicht darüber. Trotzdem wird der Bauch dicker. Woran liegt das? Wenn man über längere Zeit zu viel Essen zu sich nimmt, dann lagert der Körper vermehrt Fett ein.


Unsichtbares Fett an den inneren OrganenEine kleine Menge Fett als Baustoff gibt es natürlicherweise an den inneren Organen. Dort kann sich aber auch mehr Fett ablagern als gesund ist. Bei Apfel-Typen bilden sich verstärkt Fett-Anhängsel an den inneren Organen. Der Bauch wird davon erst ab einer größeren Menge der Fett-Anhängsel dicker. Die inneren Organe können verfetten, ohne dass man es von außen sieht. Überschüssige Fett-Ablagerungen gibt es dann zum Beispiel am Darm, an der Leber und am Herz. Durch diese Fett-Einlagerungen wird das Gewebe gestört. Es kommt zu einer dauerhaften Entzündung im Gewebe. Der Grund dafür ist das Fett an den inneren Organen. Der Fachausdruck für dieses Fett an den inneren Organen ist viszerales Fett.


 


Ist mein Bauch zu dick?


Wann ist der Winterspeck wirklich zu einem zu dicken Bauch geworden? Habe ich zu viel Fett an den inneren Organen? Einen indirekten Hinweis darauf liefert der Bauchumfang. Den kann man einfach mit einem Maßband feststellen. Das macht man am besten vor dem Frühstück. Dazu stellt man sich mit dem Maßband vor den Spiegel oder bittet um fremde Hilfe. Wenn Sie leicht ausgeatmet haben, kann es losgehen. An der dicksten Stelle des Bauches legen Sie dann das Maßband um den Bauch. Das Maßband liegt dann in einem Bereich zwischen zwei Zentimeter unter dem Bauchnabel, auf Höhe des Bauchnabels, oder höchstens drei Zentimeter darüber. Wo genau die dickste Stelle am Bauch ist, dass ist je nach Körperbau verschieden. Wichtig ist, dass das Maßband gerade liegt, also parallel zum Boden.


Als nächstes messen Sie den Umfang an der dicksten Stelle am Gesäß. Dieser Umfang heißt auch Hüftumfang. Aus dem Umfang von Bauch und Hüfte kann man einen Wert berechnen. Dafür teilt man den Bauchumfang durch den Hüftumfang. Normalerweise ist dieser Wert für Frauen unter 0,8 und für Männer unter 0,9. Ab einem Wert von 0,85 bei Frauen und über 1,0 bei Männern spricht man von Fettleibigkeit. Werte zwischen 0,8 und 0,85 für Frauen, oder zwischen 0,9 und 1,0 für Männer stehen für Übergewicht.


Wie dick darf der Bauch denn sein? Dafür gibt es klare Angaben: Bei Frauen sollte der Bauchumfang unter 80 Zentimetern liegen. Bei Männern sollte der Bauchumfang kleiner als 94 Zentimeter sein.


Für welche Organe ist das Bauchfett gefährlich?


Wenn Frauen mehr als 80, oder Männer mehr als 94 Zentimeter Bauchumfang gemessen haben, dann steigt das Risiko für viele verschiedene Erkrankungen. Wenn Frauen über 88 Zentimeter Bauchumfang haben und Männer über 102 Zentimeter, dann steigt das Risiko für viele Krankheiten sogar stark an. Gerade für das Herz und die Blutgefäße ist das Bauchfett gefährlich. Die Gefahr, einen Herz-Infarkt zu bekommen, steigt. Die Blutgefäße verkalken und werden weniger biegsam. Dabei lagert sich Fett in den Blutgefäßen ab und sorgt für eine Entzündung in der Wand der Blutgefäße. Der Körper arbeitet gegen diese Entzündung und schickt Abwehr-Zellen zu den Fett-Einlagerungen. Diese setzen sich im Blutgefäß an der Fettschicht fest. Dadurch wird das Blutgefäß enger. Auch Bluthochdruck, ein Blut-Gerinnsel im Gehirn oder in anderen Organen werden wahrscheinlicher.


Die Zuckerkrankheit bei Bauchfett


Das Fettgewebe beeinflusst den Zucker-Haushalt und Energie-Haushalt im Körper. Vor allem Bauchfett wirkt sich ungünstig auf den Körper aus. Zum Beispiel kann zu viel Fettgewebe dafür sorgen, dass der Botenstoff Insulin nicht mehr richtig wirkt. Der Botenstoff Insulin schleust Zucker aus den Blutgefäßen in die Zellen des Körpers hinein. Mehr als vier Fünftel aller Fälle von Zuckerkrankheit entstehen bei Männern mit einem Bauchumfang über 94 Zentimetern. Ein normaler Bauchumfang und ein normales Gewicht können dazu beitragen, dass die Zucker-Krankheit nicht entsteht.


 


Fett an den Oberschenkeln und am Gesäß schützt.


Gibt es also gar nichts Gutes am Fett im Körper? Doch, gibt es. Wenn man ein normales Verhältnis vom Bauchumfang zum Hüftumfang hat, dann ist das ein gutes Zeichen. Das Fett an den Oberschenkeln und am Gesäß hat dann einen schützenden Einfluss. Fett aus dieser Körperregion stellt Transport-Eiweiße her, die Fette zur Leber bringen. In der Leber werden die Fette abgebaut und zum Beispiel zur Energie-Gewinnung genutzt. Fett an den Hüften sorgt also für eine gesunde Verteilung der Fett-Transport-Eiweiße im Blut. Auch auf den Blutzucker wirkt sich das Fett an den Oberschenkeln und am Gesäß günstig aus. Fett an den Hüften schützt außerdem vor Stoffwechsel-Erkrankungen, wie zum Beispiel vor der Zuckerkrankheit. Hüftfett nimmt weniger am täglichen Stoffwechsel teil und führt zu einem niedrigeren Niveau an Entzündungsstoffen im Blut.


Fett an den Hüften schützt auch vor den Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Es gibt Krankheiten, bei denen das Hüftfett verloren geht. Bei diesen Krankheiten steigt das Risiko für Herz-und-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Infarkte dann im Vergleich zu vorher.


Was kann ich gegen Bauchfett tun?


Wo sich das Fett im Körper anlagert, ist von Person zu Person verschieden. Oft ist es Veranlagung, die man schwer beeinflussen kann. Was man allerdings beeinflussen kann, ist die Größe der Fettschicht überhaupt. Regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung helfen Ihnen dabei, gesund zu bleiben. Schon spazieren gehen und eine zu Fuß gegangene Strecke von 10 000 Schritten am Tag schützen nachweislich vor Erkrankungen am Herz und an den Blutgefäßen. Bei Ihnen lagert sich Fett am Bauch an? Achten Sie auf Ihren Bauchumfang! Werden Sie aktiv. Schützen Sie sich, Ihr Herz und Ihre Blutgefäße.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Anne Klinkenberg
Autor/-in
Anne Klinkenberg

Die Ärztin Anne Klinkenberg hat Medizin in Greifswald studiert und in Polen, Österreich und der Schweiz Praxis-Erfahrung gesammelt. Sie ist seit 2014 für die "Was hab' ich?" gemeinnützige GmbH tätig und verfasst für das Online-Portal unter anderem laienverständliche medizinische Texte.

Wie finden Sie diesen Artikel?