Wofür verwenden die Krankenkassen ihre Milliarden?
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Wofür verwenden die Krankenkassen ihre Milliarden?

Die gesetzlichen Krankenkassen können derzeit nicht klagen. Die geringe Arbeitslosigkeit und der Strom an Zuwanderern sorgen für Überschüsse in Milliardenhöhe. Allein 2016 wurden fast 900.000 neue Mitglieder registriert. Und wofür werden unsere Krankenkassenbeiträge genutzt?

Es sei vorausgeschickt: Die jüngsten Überschüsse bilden ein verzerrtes Bild. In der Realität der vergangenen Jahrzehnte lagen die Kassen meist kräftig im Minus (2015 war es rund eine Milliarde Euro), was zu einer langen Folge an Beitragserhöhungen geführt hat. Derzeit müssen rund 15,7 Prozent vom Lohn an Krankenkassenbeiträge gezahlt werden, woran die Arbeitgeber mit 7,3 Prozent beteiligt sind.


Selbst wenn die meisten Kassen ihre Beiträge 2018 stabil halten sollten, dürfte der Trend nach oben sich nach einer kurzen Ruhephase fortsetzen. Die Klinikreform, ständig steigende Ärztehonorare und viele andere Faktoren sind ein Garant dafür.


Wofür werden die Milliarden verwendet?


Die mit Abstand größten Kostenblöcke bestehen in den Krankenhaus-Behandlungen sowie bei den Kosten für Arztbesuchen und Arzneimitteln. 2015 kostete der Krankenhausaufenthalt pro Patient durchschnittlich fast 4.400 Euro, was sich auf einen Gesamtbetrag von 84 Milliarden Euro summiert.


Ganz ähnlich von der Größenordnung sind die Kosten für Arztbesuche, wenn man den Zahnarzt und die verschriebenen Arzneimittel einbezieht: Fast 79 Milliarden Euro mussten die Kassen dafür berappen, 35 Milliarden Euro davon allein für Medikamente.


Ebenfalls noch im zweistelligen Milliardenbereich sind die Aufwendungen für das Krankengeld (gut elf Milliarden) und für Verwaltungskosten (10,5 Milliarden), die ebenfalls aus Beitragsgeldern finanziert werden. Rechnerisch kommen also rund fünf Prozent aller Beiträge nicht unmittelbar den Patienten zugute, sondern fließen an die Mitarbeiter der gesetzlichen Krankenkassen.


Weitere Kosten-Positionen sind:


  • Medizinische Hilfsmittel: 7,6 Milliarden
  • Physiotherapien und vergleichbare Behandlungen: 6,1 Milliarden
  • Häusliche Krankenpflege: 5,2 Milliarden
  • Reha- und Vorsorgemaßnahmen: 3,2 Milliarden

Die leidige Frage der Parität


Vom 1951 bis 2005, also über mehr als 50 Jahre, war es in Deutschland Konsens, dass die Krankenkassenbeiträge zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmer getragen werden. Steigerungen schlugen somit stets auf beiden Seiten negativ zu Buche.


2005 wurde dieses Prinzip ad acta gelegt. Der damals eingeführte Sonderbeitrag von 0,9 Prozent war nun allein von den Arbeitnehmern aufzubringen. 2015 fror die Politik den Arbeitgeberanteil schließlich bei 7,3 Prozent ein, was der Hälfte des festgelegten „allgemeinen Beitragssatzes“ von 14,6 Prozent entsprach.


Da die Kassen neben diesem „allgemeinen Beitragssatz“ bei Bedarf Zusatzbeiträge erheben können – und dies tun auch alle, wenn auch in unterschiedlicher Höhe – zahlen die Arbeitnehmer nun erst recht alle Steigerungen allein. Laut Bundesgesundheitsministerium wird der "durchschnittliche Zusatzbeitragssatz" 2018 bei 1,0 Prozent liegen.      


Sollte die Große Koalition zustande kommen, ist eine Rückkehr zur Parität wahrscheinlich. Der entsprechenden Vereinbarung haben Union und SPD in den Sondierungsgesprächen zugestimmt, womit die SPD ihre Pläne einer Bürgerversicherung als Ersatz für das jetzige System aus privaten und gesetzlichen Krankenkassen allerdings aufgeben müsste.

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