Hinter Gittern: Was kostet eigentlich ein Häftling?
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Hinter Gittern: Was kostet eigentlich ein Häftling?

Die Unterbringung von Strafgefangenen ist teuer. 2010 waren es rund 110 Euro pro Tag, Tendenz steigend. Selbst erwirtschaften können Häftlinge diesen Betrag nicht. An den Nebenkosten, zum Beispiel dem Strom, werden sie jedoch im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligt.

Wie viel der einzelne Gefangene tatsächlich kostet, unterscheidet sich nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch nach der Schwere der Tat und den damit verbundenen Haftbedingungen.

Zahlenspiele: Steigende Kosten für die Haft

Eine parlamentarische Anfrage von 2008 hat ergeben, dass damals knapp 93 Euro pro Häftling und Tag ausgegeben wurden, im bundesweiten Schnitt. Am günstigsten kamen die Gefängnisse in Bayern weg. Hier kostete ein Häftling 67,35 Euro am Tag. Allerdings war die Kostenstruktur auch nur bedingt vergleichbar. Am teuersten war damals die Unterbringung in Hamburg mit 115 Euro pro Tag.

Bei der Kostenentwicklung können die Daten aus Nordrhein-Westfalen als Beispiel dienen: 1980 waren es rund 41 Euro am Tag, 1990 dann 66 Euro, im Jahr 2000 schon 71 und 2015 schließlich 133,55 Euro.

Rechnet man die Werte auf den Monat hoch, kommt man bundesweit für 2010 auf rund 3.300 Euro. Heute dürfte die Marke von 4.000 Euro bereits gerissen sein.

Schwerverbrecher sind teuer

Bei der Sicherheitsverwahrung von Schwerverbrechern wird in einer ganz anderen Kostenliga gespielt. Bernd Busemann, damaliger Justizminister von Niedersachen, bezifferte die Tageskosten 2012 auf 450 Euro oder 164.250 Euro im Jahr. Therapeutische Maßnahmen sind darin enthalten.

Alternativen möglich?

Bei der Verwahrung kommt die Sicherheit vor den Kosten. Strittiger könnte sein, wenn zum Beispiel Schwarzfahrer Strafen absitzen, weil sie die Bußgelder nicht begleichen können. Würde man in diesen Fällen jedoch auf Strafe verzichten, müsste mit ganz anderen Problemen gerechnet werden.

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