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Finanzkrise und Stresstests: Wie sicher sind die deutschen Banken?

Finanzkrise und Eurokrise haben die Anleger verunsichert, der Stresstest 2016 brachte deutsche Banken erneut in die Schlagzeilen. Zwei deutsche Großinstitute sind demnach unter den zehn am meisten gefährdeten Instituten. Die gute Nachricht: Die Spareinlagen der Deutschen sind sicher – dafür sorgt die gesetzliche Einlagensicherung.

Was ist der Banken-Stresstest?

Nach den Erfahrungen der Finanzkrise und Euro-Krisen, in denen ebenfalls der Finanzsektor stabilisiert werden musste, haben viele Banken und Geldinstitute ihr Eigenkapital gestärkt und präsentieren sich heute weitaus stabiler. Die EU hat außerdem eine einheitliche Bankenaufsicht aufgebaut, die die Branche im Blick behält. Zudem hat sie strengere Auflagen für die Geldinstitute erlassen. Regelmäßig wird mit sogenannten Stresstests geprüft, wie gut die Banken für eventuelle Krisen gerüstet sind.

Im Stresstest 2016 untersucht die Europäische Bankenaufsicht (EBA) 51 europäische Bankhäuser. Sie prüfte anhand verschiedener Kennzahlen, wie stabil die einzelnen Institute aufgestellt und wie gut sie für eventuelle Krisen gewappnet sind. Dafür wird durchgespielt, wie sich die Finanzkraft der jeweiligen Bank in einer Krise entwickelt.

Eigenkapital schützt vor Schocks

Eine wichtige Kennzahl dabei: die „Kernkapitalquote“. Sie bezeichnet das Verhältnis von eigenem Vermögen zu geliehenem Geld. Wenn beispielsweise Kredite einer Bank „faul“ werden und nicht bedient werden können, muss die Bank über ausreichende Reserven verfügen, damit sie ihrerseits ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Eine hohe Kernkapitalquote steht daher für Stabilität.

Das Ergebnis des Stresstests 2016: Unter den Top-Ten der am meisten gefährdeten Banken sind zwei deutsche Großbanken. Laut Branchenexperten besteht dennoch kein Grund zur Sorge. Insgesamt ist der Bankensektor nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) heute widerstandsfähiger und kann Schocks besser absorbieren als noch vor zwei Jahren.

Einlagensicherung schützt Spareinlagen

Für Sparer hat der Stresstest keine praktische Auswirkung. Denn unabhängig davon, bei welchem Institut ihr Geld angelegt ist, gilt in Deutschland die gesetzliche Einlagensicherung. Die Einlagensicherung umfasst alle Spareinlagen und Guthaben in der EU bis 100.000 Euro, also Tages- und Festgeld, Guthaben auf Girokonten, Sparguthaben und Sparbriefe. Dieser Betrag gilt pro Person, Gemeinschaftskonten von Ehepaaren sind also bis 200.000 Euro abgesichert.

Der Schutz der Einlagen wurde im Sommer 2015 weiter verbessert. Die Einlagensicherung umfasst jetzt auch:

  • Fremdwährungskonten
  • besonders hohe Einlagen von Privatpersonen zu einmaligen Gelegenheiten, zum Beispiel nach dem Verkauf eines Hauses. In solchen Fällen sind Guthaben bis 500.00 Euro geschützt.
  • eine bessere Information der Kunden über die Einlagensicherung

Falls eine Bank die Spareinlagen nicht mehr auszahlen kann, erfolgt die Entschädigung automatisch und unbürokratisch durch das Einlagensicherungs-System – der Anleger muss keinen Antrag stellen. Das Geld soll innerhalb von sieben Arbeitstagen ausgezahlt werden.

Einlagensicherung in EU-Mitgliedsländern

Banken, die ihren Sitz in anderen EU-Ländern haben, unterliegen dem jeweiligen System der Einlagensicherung dort. In allen Ländern gilt die EU-Richtlinie, sodass die Einlagen im Prinzip ebenfalls bis 100.000 Euro sicher sind. Allerdings kann in kleineren Ländern bei einer schweren Krise auch das Einlagensicherungs-System in Schwierigkeiten geraten. In der Vergangenheit ist in solchen Fällen aber die EU mit finanziellen Hilfen eingesprungen.

Zusätzlich garantieren die privaten Banken in Deutschland Entschädigung durch eine freiwillige Einlagensicherung, die deutlich über der gesetzlichen Einlagensicherung liegt. Der Fonds des Bankenverbands schützt Einlagen bis in Höhe von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank. Mindestens 1,5 Millionen Euro sind so pro Kunde und Bank gesichert.

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