Erhält immer die Mutter das Sorgerecht?
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Erhält immer die Mutter das Sorgerecht?

Für ihr Kind zu sorgen, ist Recht und Pflicht der Eltern. Die meisten Paare teilen sich das Sorgerecht auch nach einer Trennung. Wenn es allerdings zum Streit kommt, haben Väter oft das Nachsehen. Doch die Rechtssprechung entscheidet zunehmend zu ihren Gunsten.

Der Statistik zufolge verbleibt das Sorgerecht in mindestens neun von zehn Scheidungsverfahren bei beiden Eltern. 2015 betrug die Quote sogar 96 Prozent. Nur in wenigen Fällen ist also überhaupt eine Entscheidung für Vater oder Mutter nötig. Allerdings endet diese noch meist zugunsten der Mutter. In mehr als drei von vier Fällen erhält sie das alleinige Sorgerecht.

Warum bekommen mehr Mütter als Väter das Sorgerecht?

Mit der Geburt des Kindes erfolgt die erste Vergabe des Sorgerechts. Falls Vater und Mutter zu diesem Zeitpunkt verheiratet sind oder eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben, bekommen sie beide das Sorgerecht. Unverheiratete Väter haben seit 2013 zudem die Möglichkeit, auch ohne Zustimmung der Mutter das gemeinsame Sorgerecht zu erhalten. Wenn die Mutter keine triftigen Gründe für eine Verweigerung des Sorgerechts nennen kann, ist der Vater gleichberechtigt.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Falls keiner der Punkte auf die jungen Eltern zutrifft, erhält automatisch die Mutter das alleine Sorgerecht. Der Vater bekommt es aus nachvollziehbaren Gründen nie automatisch, eine Ausnahme bildet lediglich der Sterbefall der Kindesmutter.

Sorgerecht: Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt

Kommt es zu gerichtlichen Entscheidungen über das Sorgerecht, geht es vor allem um das Kindeswohl. Der Antrag auf das alleinige Sorgerecht benötigt triftige Gründe, wenn eine Ausnahme von der Regel erreicht werden soll.

So genügt es nicht, dass es dem Kind bei einem der Partner „wahrscheinlich“ besser gehen wird. Es muss schon eine ernste Gefährdung für das leibliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes gegeben sein, um den anderen vom Sorgerecht auszuschließen.

Die Zeiten ändern sich

Objektive Gründe wie zum Beispiel schwerer Alkoholismus sind häufig Gründe, Mutter oder Vater das alleinige Sorgerecht zuzusprechen. Aber häufig wird die Entscheidung auch nach subjektiven Gesichtspunkten getroffen. Häufig spielt hier bewusst oder unbewusst das tradierte Familienbild eine Rolle, von der Mutter daheim bei der Kindererziehung und dem Vater in der Firma. Anhänger dieser Sicht tendieren eher zum alleinigen Sorgerecht für die Mutter. So gibt es zwischen den Bundesländern auffällige Unterschiede in der Statistik. Während Väter in Brandenburg gute Chancen bei Sorgerechtsklagen haben, sieht es für Väter in Bayern bei Familiengerichten eher schlecht aus.

Interessant ist, dass ein gewisser Ausgleich oft erst nach dem eigentlichen Scheidungsverfahren erfolgt. Hatte die Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht, fällt die erneute Entscheidung häufig zugunsten des Vaters.

Chancen für Väter auf alleiniges Sorgerecht steigen

Noch ist das gemeinsame Sorgerecht in Deutschland der Normalfall. Wenn jedoch ein Familiengericht für einen Partner entscheiden muss, verbessern sich die Chancen der Väter zunehmend. Bei eingetragenen Lebensgemeinschaften ist das traditionelle Vater-Mutter-Kind-Bild ohnehin nicht gültig.

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