Warum ist Plastik ein Problem?

Plastik ist leicht, stabil und haltbar – das hat dem Kunststoff über Jahrzehnte einen Siegeszug beschert. Heute ist das Material allgegenwärtig: Einwegbesteck in der Mittagspause, die Chipstüte am Abend, der Mikrofaserlappen zum Putzen und natürlich die in Plastikfolie eingewickelte Bio-Gurke.

Warum stecken Bio-Gurken in Plastik?

Viele Verbraucher wundern sich, warum ausgerechnet Bio-Produkte noch mal in Plastik verschweißt werden. Sollten die nicht besonders ökologisch sein? Der Grund dahinter: Die Händler müssen sicherstellen, dass Bio-Artikel nicht von konventionellen Produkten verunreinigt werden – und das lässt sich am einfachsten mit einer Plastikfolie gewährleisten.

Genau diese Langlebigkeit ist es aber auch, die Plastik zum Umweltproblem macht:

  • Es ist biologisch nicht abbaubar und verbleibt über Jahrhunderte in der Natur.
  • Recycling ist nur teilweise möglich.
  • Was nicht recycelt werden kann, landet entweder im Meer oder setzt bei der Verbrennung giftige Dämpfe frei.
  • Bei der Zersetzung entsteht Mikroplastik, das weitere Probleme mit sich bringt.

Das Umweltbundesamt definiert alle Plastikpartikel mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern als Mikroplastik. Die winzigen Kunststoffteilchen sind manchmal ein bewusstes Produkt, manchmal ein unfreiwilliger Nebeneffekt:

  • Primäres Mikroplastik: Als Schleifkörper oder Bindemittel gehört Mikroplastik in Kosmetik zum Standard. Wenn Peeling, Zahnpasta oder Hautcreme aber irgendwann im Ausguss landen, gelangen auch die Plastikteilchen ins Wasser.
  • Sekundäres Mikroplastik: Ob im Meer oder an Land – wann immer Plastikmüll irgendwo altert, lösen sich Partikel, die dann in der Umwelt landen.

Kläranlagen können Mikroplastik nicht herausfiltern, denn die Partikel sind einfach zu klein. Das ist problematisch, denn:

  • Plastik wirkt wie ein Schadstoffmagnet: Umweltgifte reichern sich darin an.
  • Weichmacher in Plastik: Viele Kunststoffe enthalten Zusätze, die sich negativ auf den Organismus auswirken.
  • Plastik verstopft den Körper: Da Plastik nicht zersetzt wird, verbleibt es im Körper. Seevögel verhungern zum Beispiel, weil ihr Magen voller Plastik ist. Schon Kleinstteile können durch Reibung Entzündungen verursachen.

Das Problem ist also, dass die Kunststoffe und ihre Gifte immer wieder im menschlichen Organismus landen – entweder direkt oder indirekt über die Nahrung (zum Beispiel Seefisch).

In manches Meeresregionen bilden sich regelrechte Müllinseln aus Plastikabfall.

In manches Meeresregionen bilden sich regelrechte Müllinseln aus Plastikabfall.

Alternativen: Wie kann ein Leben ohne Plastik aussehen?

Über 200 Kilo Verpackungsmüll fallen laut Bundesumweltministerium in Deutschland jährlich pro Person an. Gut zwei Drittel davon entstehen beim Lebensmitteleinkauf. Wer ein Leben ohne Plastik führen will, muss zunächst vor allem eines tun: Den eigenen Konsum kritisch hinterfragen. Ist wirklich jeder Spontankauf nötig? Rechtfertigt reine Bequemlichkeit den Müll, der dadurch entsteht?

Plastik-Alternativen gibt es viele – oft muss man nur ein bisschen danach suchen. Dazu gehören zum Beispiel diese Optionen:

  • Do it yourself: Waschmittel selber machen oder Deo selber machen klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht.
  • Alternative Materialien: Jutebeutel statt Plastiktüte, Zahnbürsten aus Bambus, Brotdosen aus Metall und Spielzeug aus Silikon sind nur einige Beispiele.
  • Mehrweg statt Einweg: Benutzen Sie Dinge mehrfach – zum Beispiel Trinkflaschen aus Glas. Bei Wiederbenutzung muss man aber auch stabiles PET nicht pauschal verteufeln.
  • Verzicht: Sie brauchen wirklich eine Plastikgabel, wenn im Büro Besteck liegt? Und passt der Minieinkauf nicht auch ohne Tüte in die Handtasche? Sagen Sie öfter „Nein, danke“, wenn man Ihnen Plastik anbietet.
  • Unverpackt-Läden: In großen Städten gibt es immer häufiger Unverpackt-Läden, die weitestgehend auf Wegwerfverpackungen verzichten. Sie bringen Ihre eigenen Gefäße mit in den Laden und füllen sich ab, was Sie brauchen. Für alle, die nicht in der Metropole leben gibt es eine traditionelle Alternative: den Einkauf auf dem guten, alten Wochenmarkt.
So sieht es im Unverpackt-Laden aus. Solche Geschäfte machen ein Leben ohne Plastik einfacher.

So sieht es im Unverpackt-Laden aus. Solche Geschäfte machen ein Leben ohne Plastik einfacher.

Grenzen: So ganz ohne Plastik klappt es doch nicht

Ein Leben ohne Plastik ist eine Utopie, die kaum mit dem modernen Alltag vereinbar ist, denn:

  • Es gibt Lebensbereiche, in denen Plastik nicht vermeidbar ist – zum Beispiel in technischen Geräten oder bei medizinischen Einwegprodukten.
  • Manchmal muss es schnell gehen. Kochen nur mit frischen Zutaten? Klingt super, ist aber mit dem Berufsleben oft nicht vereinbar.
  • Nicht überall lässt sich Plastik ersetzen – eine Ritterrüstung ist kein praktikabler Ersatz für die Protektoren in einer Schutzweste.
  • Manche Produkte gibt es nicht in alternativen Verpackungen: Wer beispielsweise auf tierische Produkte verzichten möchte, wird Aufschnitt und Milch (noch) nicht an der Frischetheke oder in Glasflaschen finden.
Nudeln ohne Plastikverpackung? Das wird im normalen Supermarkt schwierig.

Nudeln ohne Plastikverpackung? Das wird im normalen Supermarkt schwierig.

Nichtsdestotrotz: Ein sehr großer Teil des Plastikmülls lässt sich vermeiden, indem man Gewohnheiten ändert. Schwierig wird es dann wieder außerhalb der Routine – plastikfreies Reisen ist zum Beispiel eine Herausforderung. Doch auch in solchen Situationen gilt: Wer sich ein bisschen bemüht, kann schon viel erreichen, um den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten.

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