Nach einem Joint ans Steuer: Diese Strafen drohen

Wer Drogen konsumiert, soll sich nicht ans Steuer setzen. Die meisten Fahrer halten sich an diese Regel. Sie verzichten vor der Fahrt auf Alkohol und Cannabis oder schränken ihren Konsum zumindest stark ein. Anders als zum Beispiel beim Kokain sind ein Glas Wein oder ein Joint nämlich durchaus erlaubt, solange der Grenzwert eingehalten wird.

Die Sache mit dem Grenzwert ist allerdings gerade bei Joints heikel. Üblicherweise wird in Deutschland ein Nanogramm THC/ml Blut als Maximum vorgesehen, was ohne Test (gibt’s in der Apotheke) nur schwer zu berechnen ist. Im schlechtesten Fall wird dieser Wert noch Tage nach dem Joint erreicht, ohne dass der Fahrer das Risiko erkennt.

Kritisiert wird zudem, dass der Wert sehr willkürlich erscheint. So erlaubt zum Beispiel die Schweiz, für eine strenge Verkehrs-Gesetzgebung mit drastischen Strafen bekannt, drei THC/ml. In Bayern wurden am Verwaltungsgerichtshof schon zwei THC akzeptiert. Welche Strafen drohen in Deutschland beim Konsum von Cannabis?

Welche Strafen drohen?

Werden Sie mit mehr als einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut erwischt, müssen Sie mit einem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen. Der Gesetzgeber geht in diesem Fall davon aus, dass Sie den Drogenkonsum nicht vom Fahren trennen können und damit nicht in der Lage sind, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen. Die Wiedererlangung des Führerscheins setzt hier meist eine einjährige Abstinenz und das Bestehen der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) voraus.

In der Praxis unterscheiden die meisten Gerichte inzwischen zudem zwischen Erst- und Wiederholungstätern. Wer das erste Mal erwischt wird, kann daher mit einer vergleichsweise geringen Strafe rechnen. Auch in diesem Fall ist jedoch mit einem Fahrverbot zu rechnen. Folgendes Strafmaß ist wahrscheinlich:

  • Ersttäter: 500 Euro Strafe, zwei Punkte, ein Monat Fahrverbot.
  • Wiederholungstäret: 1.000 Euro Strafe, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot
  • Drittes Delikt: 1.500 Euro Strafe, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot   

Wird die THC-Fahrt als Straftat gewertet, kann auch eine Haftstrafe drohen.

Rechtsprechung wird milder

Die harte Bestrafung für Cannabis-Konsumenten verfolgt auch das Ziel der Abschreckung. Experten (auch Mediziner) sind sich daher einig, dass der Entzug der Fahrerlaubnis nicht immer gerechtfertigt ist. Gerade wer selten Cannabis konsumiert, hat nach einem Joint noch lange erhöhte Werte, ist aber keineswegs im Rausch und damit fahruntüchtig.

Wohl auch aus diesem Grund wird die Gesetzgebung milder. Führte bis 2005 noch jeder THC-Nachweis zum Führerscheinentzug, gilt seitdem ein vom Bundesverfassungsgericht angeregter Grenzwert (derzeit meist 1 THC/ml). Bei höheren Werten müssen Gelegenheitskonsumenten bisher allerdings mit dem sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis rechnen.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geht in seinem Urteil vom April 2017 nun einem Schritt auf die Konsumenten zu. Im konkreten Fall wurde in dritter Instanz der Klage eines Mannes entsprochen, dem nach dem Genuss eines Joints der Führerschein entzogen worden war. Der Wert lag mit 3,7 ng/ml (THC im Blut) deutlich über dem Erlaubten. Begründet wurde das Urteil im Falle dieses Ersttäters  mit dem fehlenden Angebot einer MPU. Diese Untersuchung sei jedoch erforderlich gewesen, um dem Täter die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs dauerhaft abzusprechen, so die Richter. Ob andere Gerichte diese Sicht teilen, bleibt abzuwarten.