B2B-Lösungen: Das Geschäft mit Connected-Car-Daten

Ob personalisierte Versicherungstarife, Werbeeinblendungen oder Gutscheinaktionen – Kooperationen zwischen Unternehmen (B2B) bleiben den fahrenden Endkunden nicht verborgen. Allerdings stehen deren Bedürfnisse dabei nicht so im Fokus wie deren Daten.

Connected Cars befinden sich im stetigen Austausch mit ihrer Umwelt und sammeln Unmengen an Daten – bezüglich des Fahrzeugs, der Insassen und der Infrastruktur. Und da Daten die neue Währung im digitalen Zeitalter sind, sind sie zugleich der Treibstoff fast aller B2B- und B2C-Modelle.

B2C bedeutet Business-to-Consumer. Dabei liefern (Mit-)Fahrer die notwendigen Informationen und erhalten im Gegenzug digitale Dienstleistungen, seien es Tipps für spritsparendes Fahren (Mobilität), der Strecke und Stimmungslage angepasste Musik (Entertainment) oder das intelligente Notrufsystem eCall (Sicherheit).

B2B steht hingegen für Business-to-Business, also für Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen. Eines davon ist zumeist der Autohersteller, der Hüter der Daten, der sie gewinnbringend an Dritte weitergibt. Davon kann letztlich auch der Endverbraucher profitieren (mit Betonung auf „kann“), womit sich B2B zuweilen um ein „to-Consumer“ auf B2B2C erweitert.

Datenschutz

Erwünscht ist eine Weitergabe in der Regel nicht: Laut vielen Studien, vor allem solchen mit Schwerpunkt Connected Car, wird die persönliche Datenhoheit zu einem immer höheren Gut – lieber bezahlt man Geld für den Service. Außerdem unterliegen Erhebung und Nutzung personenbezogener Daten strengen Richtlinien, unter anderem verankert in der im Mai 2016 verabschiedeten EU-Datenschutzgrundverordnung.

Eine Frage bedarf allerdings noch rechtlicher Klärung: Wann liegt Personenbezug vor? Für die Datenschutzbehörden und den Verband der Automobilindustrie (VDA) ist das bereits der Fall, wenn sich eine Verbindung zwischen den Daten und dem Kfz-Kennzeichen oder der Fahrzeugidentifikationsnummer herstellen lässt. Die beteiligten B2B-Geschäftspartner sehen das naturgemäß etwas lockerer.

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Versicherungen

Versicherungsanbieter zeigen großes Interesse an Fahrzeugdaten, um eine exaktere Risikoeinschätzung vornehmen zu können, insbesondere anhand Geschwindigkeiten, Beschleunigungsverhalten, Bremsreaktionen, Straßenarten oder Distanzen. Letztere werden für „Pay per Mile“-Policen herangezogen, wobei die gefahrenen Kilometer schlicht addiert und – zuzüglich einer Pauschale – in Rechnung gestellt werden.

Die übrigen Daten erfasst beispielsweise ein kleiner Adapter, der von den Versicherungen bereitgestellt und an die OBD-2-Schnittstelle des Autos angeschlossen wird. Damit gespeiste Risiko- und Prämienberechnungen ergeben individuelle „Pay As/How You Drive“-Angebote: Je rasanter die Fahrweise oder je plötzlicher die Bremsmanöver, desto höher der Tarif – umsichtige Fahrer werden hingegen belohnt.

Werbeindustrie

Ähnlich dem Smartphone ist das Connected Car eine multimediale Plattform, deren Services oftmals unentgeltlich sind, aber beileibe nicht kostenlos: Entweder werden Werbungen eingespielt oder persönliche Daten abgegriffen – oder beides. Für Werbeagenturen sind außerdem die GPS-Koordinaten relevant, um standortbezogene Werbung zu schalten, über das Infotainmentsystem oder „zufällig“ im richtigen Augenblick auf Reklametafeln am Straßenrand.

Genauso „zufällig“ flattern E-Gutscheine des nahegelegenen Einkaufzentrums ins Auto und bei der Parkplatzsuche hilft das nächste Parkhaus und vermeldet freie Stellplätze. Auch Franchise-Händler und unabhängige Werkstätten können über B2B-Deals neue Kunden anwerben. Dabei erlauben Autohersteller die gezielte Fernüberwachung von Telemetriedaten, um drohende Defekte frühzeitig zu erkennen. Ist eine Reparatur vonnöten, liefern sie hochwertige Erstausrüster-Bauteile, die vor allem kleinere Betriebe ansonsten anderweitig beziehen würden.

Fahrzeugmanagement

Fuhrparkbetreiber, Transporteure und Logistiker nutzen – wie Versicherungsunternehmen – eigene OBD-2-Adapter, um die Fahrzeuge untereinander und mit der Zentrale zu vernetzen und deren Fehlerspeicher auszulesen. Anschließend lassen sie sich punktgenau tracken und die Lieferzeiten optimieren, etwa dank Verkehrsinformationen in Echtzeit: Staus werden rechtzeitig umfahren und Routen flexibel umorganisiert, was letztlich den Kraftstoffverbrauch senkt.

Um ebenso die Wartungskosten möglichst gering zu halten, werden die Fahrzeuge laufend hinsichtlich etwaiger Schäden und die Fahrer hinsichtlich ihres Fahrstils überprüft. Ein aus Arbeitnehmersicht positiver Effekt dieser Überwachungsmaschinerie: Auch die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten wird kontrolliert und im fälschungssicheren E-Fahrtenbuch dokumentiert.

Auch Carsharing- und Mietwagenanbieter verfolgen ihre Autos via GPS-Tracking. Zwecks Diebstahlschutz lässt sich zudem der Bewegungsfreiraum wortwörtlich eingrenzen: Per Geofencing wird ein bestimmter Bereich, beispielsweise ein Bundesland, virtuell eingezäunt (= fencing) und darf nicht verlassen werden – andernfalls wird der Betreiber alarmiert und gegebenenfalls der Motor deaktiviert.