Bodengleiche Dusche nachträglich einbauen: Geht das?

Sie möchten Ihr altes Badezimmer aufwerten und nun nachträglich eine bodengleiche Dusche einbauen? Ob das möglich ist, hängt ganz entscheidend von der Bausubstanz und Ihren Designwünschen ab. Erfahren Sie, worauf es ankommt, um den barrierefreien Duschtraum zu verwirklichen.

Argumente für den nachträglichen Einbau einer bodengleichen Dusche

Bei Neubauten gehören ebenerdige Duschen mittlerweile zum Standardprogramm. Doch auch im Zuge einer Badsanierung fällt die Wahl immer öfter auf die leicht begehbare Wellnessoase für zu Hause. Die Hauptgründe:

  • Die klare, offene Form liegt im Trend.
  • Geht der Badezimmerboden optisch nahtlos in die Dusche über, lässt das den Raum größer wirken.
  • Gerade in kleinen Bädern kann mit bodengleichen Duschen Bewegungsfreiraum gewonnen werden.
  • Eine barrierefrei begehbare Dusche ist heute komfortabel und im Alter oder bei Behinderung ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität.

Kein Wunder also, dass mittlerweile so manches hohe Duschbecken und auch manche Badewanne der eleganten Duschversion weichen soll. Doch bevor Sie nun direkt die Emaillewanne aus der Verankerung reißen, sollten Sie zunächst prüfen, ob Ihr Bad die nötigen Voraussetzungen mitbringt, um eine bodenebene Dusche einzubauen.

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Voraussetzungen für das bodengleiche Dusch-Upgrade

Die drei wichtigsten Fragen bei der Planung des nachträglichen Einbaus der begehbaren Dusche sind:

  1. Wie hoch ist die Aufbauhöhe des Fußbodens? Wie viel Spielraum besteht also nach unten, um Rohre und Leitungen zu verlegen?
  2. Sind Wasseranschlüsse für die Armaturen verfügbar? Wenn ja: Müssen diese vielleicht versetzt werden?
  3. Ist ein passender Abfluss verfügbar oder nachrüstbar?

Die sogenannte Aufbauhöhe beschreibt die Dicke des Bodens mit all seinen Funktionsschichten, wie etwa Rohren, Estrich, Fußbodenheizung, Isolierung und Fußbodenbelag. Gute zehn Zentimeter Einbautiefe brauchen die schmalsten Bauvarianten für ebenerdige Duschen.

Das scheint nicht viel und doch wird es bei alten Häusern an diesem Punkt häufig schon eng. Ein Sanitärprofi kann allerdings mit maßgeschneiderten Lösungen den Duschtraum häufig auch da noch realisieren, wo Heimwerker und Fertigbausysteme an ihre Grenzen stoßen.

Tipp: Die Aufbauhöhe können Sie aus den Bauzeichnungen entnehmen oder von einem Ingenieur mittels einer Bohrung feststellen lassen.

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Wasseranschlüsse sind eher selten das Problem – immerhin handelt es sich um ein Badezimmer und wenn Sie nachträglich eine ebenerdige Dusche einbauen wollen, stand an der Stelle meistens vorher eine normale Dusche oder eine Badewanne.

Bei den Abflüssen kann es sehr einfach oder recht kompliziert werden. Das häufigste Problem: Die Aufbauhöhe ist zu gering, um einen Abfluss unter der Dusche zu montieren. Dann allerdings kann ein Wandabfluss oder ein raffiniertes Pumpensystem eine Option sein.

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Kombination von Ablauf und Gefälle

Sie möchten beim morgendlichen Sprung unter die Dusche selbstverständlich nicht das ganze Bad unter Wasser setzen. Damit das Wasser auch wirklich im Ablauf landet, arbeiten die meisten bodengleichen Duschen mit einem Gefälle, das entweder zu einem klassischen Punktablauf oder zu einer Ablaufrinne an der Wand hin abflacht.

Das Tückische: Für dieses Gefälle müssen Sie je nach Duschgröße etwa drei bis vier Zentimeter Aufbauhöhe einkalkulieren – meist zusätzlich zu dem, was die Hersteller von Selbstbausystemen für ebenerdige Duschen angeben.

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Wenn Ihre Bodendicke das nicht hergibt, kann ein Wandablauf die Lösung sein: Er wird hinter die Badezimmerwand gesetzt und kann damit etwas höher angebracht werden als ein Bodenablauf. Nachteil: In diesem Fall müssen Sie die Wandfliesen mit sanieren.

Sie können auch eine Duschfläche ohne Gefälle einbauen. Das kann sich dann anbieten, wenn Sie den optischen Bruch nicht mögen, den das Gefälle ins Fliesenmuster bringen würde. Dann allerdings brauchen Sie eine Ablaufrinne, die einmal komplett um die Duschfläche herumgeht und eine Aufbauhöhe von mindestens 16 Zentimetern.

Übrigens: Da über den Abfluss einer bodengleichen Dusche kein typisches Haarsieb passt, werden stattdessen entweder Siebe oder besonders große Siphons verbaut.

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Was, wenn die Aufbauhöhe nicht reicht?

Wenn die Aufbauhöhe auch bei der schlanksten Lösung den nachträglichen Einbau einer begehbaren Dusche einfach nicht hergibt, gibt es noch drei weitere Möglichkeiten, die Sie in Betracht ziehen können:

  1. Verlegen Sie den Abfluss eine Etage tiefer: Bei Bädern im Erdgeschoss stört es meist wenig, wenn der Duschabfluss durch die Kellerdecke kommt.
  2. Pumpensystem: Eine Pumpe befördert das Abwasser in einen höher gelegenen Abfluss in der Wand – eine teure und wartungsintensive Lösung.
  3. Podest: Erhöhen Sie einen Teil des Raumes oder das komplette Badezimmer, um genügend Platz im Boden zu schaffen.

Sollte all das nicht infrage kommen, kann auch der Einbau einer sehr flachen Duschwanne noch ein Kompromiss sein. Die ist zwar nicht ganz barrierefrei, aber immer noch deutlich komfortabler als der Einstieg in eine hohe Dusche.

Flache Duschwannen sind weniger anspruchsvoll beim nachträglichen Einbau.

Flache Duschwannen sind weniger anspruchsvoll beim nachträglichen Einbau.

Vertragen sich Fußbodenheizung und ebenerdige Dusche?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, eine Fußbodenheizung unter der Dusche zu haben. Es gibt sogar spezielle Heizmatten für diesen Zweck. Das fühlt sich nicht nur an den Füßen gut an: Der Boden trocknet so auch schneller, was Schimmelbildung reduziert.

Wenn in Ihrem Badezimmer bereits eine Fußbodenheizung liegt, sollten Sie bei der Duschsanierung besonders vorsichtig sein, um keine Schäden anzurichten. Am besten übergeben Sie dieses Projekt einem Fachmann.