Abtreibungspille: Wie funktioniert sie?

Ein Schwangerschaftsabbruch muss nicht immer durch eine Operation unter Narkose erfolgen. Mit der Abtreibungspille lässt er sich auch medikamentös herbeiführen. Doch wie läuft die Behandlung ab, welche Risiken gibt es und wer übernimmt die Kosten?

Abtreibungspille: Bis wann darf man sie einnehmen?

Die Abtreibungspille darf nicht nach dem 63. Schwangerschaftstag eingenommen werden. Nur Schwangere, die sich in einer anerkannten Beratungsstelle einem Gespräch unterzogen haben, dürfen die Abtreibungspille verwenden. Das ist erst ab drei Tagen nach der Beratung möglich, damit ausreichend Bedenkzeit und die Chance bleibt, es sich anders zu überlegen. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt vor der Behandlung auf, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Für den – seltenen – Fall, dass die medikamentöse Methode nicht funktioniert, muss die Patientin zudem einem eventuellen operativen Eingriff zustimmen.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: Weiterer Verlauf

Unter ärztlicher Aufsicht nimmt die Schwangere drei Abtreibungspillen und kann dann die nächsten Tage daheim verbringen. Von leichten Blutungen am Folgetag abgesehen treten üblicherweise keine Beschwerden auf. Nach 36 bis 48 Stunden steht dann ein erneuter Arzttermin an. Die Patientin bekommt dann ein sogenanntes Prostaglandin, ein Medikament, das den Muttermund aufweicht und Wehen auslöst.

Auf diese Weise kann der abgestorbene Embryo besser ausgeschieden werden. Dieser Vorgang wird per Ultraschall überwacht. Dabei empfindet die Patientin Bauchschmerzen und es kommt zu Blutungen. Drei Stunden später ist für gewöhnlich alles überstanden. Wenn nicht, kann es sein, dass der Embryo herausgeschabt oder abgesaugt werden muss. Das kommt jedoch nur in zwei bis fünf Prozent der Fälle vor.

Die Abtreibungspille gibt es nur auf Rezept und in Verbindung mit einem Arztgespräch.

Wirkstoff Mifepriston zum Schwangerschaftsabbruch

Die Abtreibungspille enthält den Wirkstoff Mifepriston, ein künstlich hergestelltes Hormon. Für den Erhalt der Schwangerschaft ist das Gelbkörperhormon Progesteron, ein Gestagen, zuständig. Mifepriston setzt Progesteron außer Kraft und führt so zum Abbruch der Schwangerschaft. Es wird daher auch als Antigestagen bezeichnet. Der Embryo überlebt diese Prozedur nicht und wird aus der Gebärmutter herausgelöst. Dieser Prozess dauert normalerweise zwischen 36 und 48 Stunden.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen der Abtreibungspille

Mögliche Nebenwirkungen von Mifepriston und Prostaglandin sind:

  • Unterleibsschmerzen
  • Blutungen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Hautausschläge

Sehr selten kommt es zu Infektionen, Verletzungen der Gebärmutter oder Herz-Kreislauf-Problemen. Der Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille ist nicht für jede Frau geeignet. Folgende Patientinnen dürfen die Wirkstoffe Mifepriston und Prostaglandin nicht einnehmen:

  • Frauen mit Untergewicht (Body-Mass-Index unter 18,5)
  • Frauen, die an der Stoffwechselstörung Porphyrie leiden
  • Asthma-Patientinnen
  • Bei chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (zum Beispiel Eileiterschwangerschaft)
  • Bei erhöhtem Augeninnendruck
  • Frauen mit erhöhtem Blutungsrisiko
  • Bei Unverträglichkeiten gegenüber den genannten Wirkstoffen

Abtreibungspille: Kosten von Krankenkasse übernehmen lassen?

Die Kosten für die Abtreibungspille belaufen sich inklusive der Vor- und Nachbehandlung durch den Arzt auf 300 bis 450 Euro. Der Schwangerschaftsabbruch wird normalerweise nicht von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert. Es gibt jedoch Ausnahmen, wenn medizinische oder kriminologische Gründe für eine Abtreibung sprechen. Einkommensschwache Frauen können eine Kostenübernahme erfragen, in manchen Fällen wird sie gewährt.

Der Unterschied zur Pille danach

Bei der Pille danach handelt es sich nicht um ein Abtreibungsmittel. Als Notfallverhütungsmittel sorgt sie nach einer Verhütungspanne dafür, dass es gar nicht erst zu einer Schwangerschaft kommen kann. Sie enthält Hormone, die den Eisprung verschieben oder unterdrücken, sodass die Spermien nicht auf eine Eizelle treffen und diese befruchten können. Ist eine Frau bereits schwanger, verliert die Pille danach ihre Wirkung. Im Gegensatz dazu hat die Abtreibungspille die Funktion, eine bereits bestehende Schwangerschaft abzubrechen. Deswegen ist auch nur die Pille danach in der Apotheke erhältlich, die Abtreibungspille gibt es nur auf Rezept.