Schimmel, Baulärm, Bordell? 4 Gründe für Mietminderung

Ein lauter Nachbar, Schimmel, eine Großbaustelle vor der Tür – alles Gründe für eine Mietminderung? Schließlich ist eine solche laut Gesetz grundsätzlich dann möglich, wenn ein Mangel in der Wohnung besteht, der den Gebrauch erheblich einschränkt. Doch wann ist Letzteres wirklich der Fall und die Minderung der Miete legitim? Hier kommen vier Beispiele.

1. Schimmelbefall

Wenn sich in der Wohnung Schimmel bildet, sollte der Vermieter umgehend benachrichtigt werden. Ein Befall mindert nicht nur die Wohnqualität, sondern beeinträchtigt auch die Gesundheit des Mieters. Trotz dieser Dringlichkeit ist das Vorgehen nicht unkompliziert. Der Bewohner muss belegen, dass er ausreichend gelüftet und geheizt und somit die Schimmelbildung nicht selbst verschuldet hat. Denn sollte er an dem Mangel schuld sein, gehören Schimmelflecken nicht zu den Gründen für eine Mietminderung – ansonsten aber sehr wohl. Um wie viel die Miete gemindert werden kann, hängt allerdings auch von der Stärke des Befalls und den damit verbundenen Einschränkungen, sprich vom Einzelfall ab.

2. Lärmbelästigung und Baustellen als Gründe für Mietminderung

Ein zu lauter Nachbar, eine dröhnende Baustelle oder eine hellhörige Wohnung – das alles sind mögliche Gründe für eine Mietminderung. Wenn andere Mieter im Haus etwa ständig laut Musik hören oder anderweitig Lärm verursachen, der eine unzumutbare Beeinträchtigung darstellt, ist eine Mietminderung legitim. Bei einer Baustelle verhält es sich anders: Bestand sie schon, während der Mieter die Wohnung bezog, verfällt das Recht auf Mietminderung. Das gilt auch für all die, die in einer Großstadt neben eine Baulücke ziehen. In einem solchen Fall haben sie damit zu rechnen, dass diese Lücke im Laufe der Wohndauer geschlossen wird. Und wie sieht es aus, wenn die Wohnung aufgrund der Bauqualität zu hellhörig ist? Dann ist das Baujahr entscheidend. Wer einen Neubau bezieht, darf eine hochwertige Schalldämmung erwarten – und somit die Miete kürzen, wenn die Geräusche der Nachbarn zu laut zu hören sind.

3. Defekte Heizung

Es gibt kaum einen besseren Grund für eine Mietminderung als den Ausfall der Heizung. Wenn die Temperatur trotz angestellter Heizung an Winterabenden unter 20 Grad sinkt, ist der Vermieter verpflichtet, den Schaden zu beheben. Fällt sie in der kalten Jahreszeit komplett aus, können Mieter laut Mietminderungstabelle je nach Einzelfall sogar bis zu 75 Prozent der monatlichen Bruttomiete einbehalten.

4. Bordell oder Prostitution im Haus

Prostitution im eigenen Wohnhaus zählt per se nicht zu den Gründen für eine Mietminderung. Aber auch hier kommt es wieder auf die Umstände an. Wusste der Mieter nicht, dass sich ein Bordell im Haus befindet oder dort Prostitution betrieben wird, ist eine Mietminderung möglich. Ebenso, wenn sich die Anwohner belästigt fühlen, etwa weil ständig Kondome im Treppenhaus liegen oder lautes Stöhnen zu vernehmen ist.

Generell wichtig

Informieren Sie Ihren Vermieter über den jeweiligen Mangel und setzen Sie ihm eine Frist zur Behebung desselbigen. Für diese Zeit können Sie die Miete mindern. Bei der Frage, in welcher Höhe, hilft ein Blick auf die aktuelle Mietminderungstabelle. Darin sind Urteile aus den vergangenen Jahren zu finden, die als Anhaltspunkt dienen können. Sollten Sie sich dennoch unsicher sein, wenden Sie sich an einen der vielen Mieterschutzbünde, die Hilfe und Beratung anbieten.