Co-Abhängigkeit in der Beziehung beenden: Suchtkranken helfen

Wer eine Beziehung zu einem Suchtkranken führt, läuft Gefahr, in Co-Abhängigkeit zu geraten. Wie Sie die Co-Abhängigkeit beenden und Ihrem Partner helfen können, von seiner Sucht loszukommen, lesen Sie hier.

Was ist Co-Abhängigkeit in der Beziehung zu Suchtkranken?

Alkoholiker, Drogenabhängige und andere Suchtkranke verdrängen oft lange Zeit, dass sie ein Problem haben. Das ist kein mangelnder oder böser Wille, sondern Bestandteil der Suchterkrankung. Bei Angehörigen und Partnern löst das Verhalten des Süchtigen widersprüchliche Gefühle aus – sie wollen helfen, wissen aber nicht wie. Sie schämen sich, lieben den Suchtkranken jedoch trotzdem.

Dies kann zu einer sogenannten co-abhängigen Beziehung führen. Dabei versuchen die Angehörigen, nach außen hin die Krankheit zu vertuschen – zerbrechen innerlich jedoch an der Verantwortung, Sorge und Verzweiflung. Die Co-Abhängigkeit in der Beziehung kann im schlimmsten Fall zu Depressionen führen. Auch viele Partner von psychisch Erkrankten oder Borderline-Partner fallen durch eine Art Co-Abhängigkeit auf.

Bei einer co-abhängigen Beziehung dreht sich das gesamte Leben, Denken und Handeln des Partners nur noch um die Sucht des Erkrankten. Auch das kann Züge einer Abhängigkeit annehmen. Beim Versuch, den Betroffenen zu schützen und den äußeren Schein zu wahren, erfinden Co-Abhängige Ausreden für den Arbeitgeber des Erkrankten, für Freunde und Familienmitglieder. Sie versuchen, die Sucht zu kontrollieren – in der Hoffnung, den Betroffenen zur Einsicht zu bringen und ihn zu überzeugen, eine Therapie zu machen.

Manchmal ist eine Therapie die beste Lösung.

Co-Abhängigkeit in der Beziehung kann zur ungewollten Trennung führen

Co-Abhängige von Alkoholikern versuchen zum Beispiel oft, die Alkoholvorräte des Suchtkranken zu vernichten, um Kontrolle über die Sucht zu erlangen. Doch statt Einsicht provozieren sie damit nur Streit, Aggressionen und Trotz des Kranken. Dies wiederum verstärkt die Schuldgefühle und die Hilflosigkeit der Co-Abhängigen und es entsteht ein Teufelskreis. Oft ist eine Trennung der einzige Ausweg – obwohl die Liebe noch da ist.

Co-Abhängigkeit kann zu einer regelrechten Beziehungssucht führen: Betroffene werden süchtig nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Sie können nicht damit aufhören, dem Suchtkranken seine Verantwortung abzunehmen und sich um alles zu kümmern. Betroffene stammen häufig aus Familien mit Suchtkranken und haben das co-abhängige Verhalten bereits als Kinder erlernt. In ihren späteren Beziehungen neigen sie dann dazu, dieses Verhaltensmuster zu wiederholen.

Co-Abhängigkeit in der Beziehung beenden: Suchterkrankung nicht verheimlichen

Wer eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung beenden will, sollte sich zunächst umfassend über Suchterkrankungen informieren, um zu verstehen, was im Betroffenen vorgeht und wie tatsächliche Hilfe aussehen kann. Als erster Schritt empfiehlt sich, den Gedanken abzulegen, dem Suchtkranken alleine helfen zu müssen. Treten Sie aus der Isolation heraus und hören Sie auf, die Krankheit zu verheimlichen. Auf diese Weise zwingen Sie den Suchtkranken, sich den Konsequenzen seiner Abhängigkeit zu stellen.

Zum Beispiel sollten Sie ihn nicht mehr bei Freunden oder am Arbeitsplatz entschuldigen, wenn er aufgrund seiner Sucht fehlt. Sprechen Sie außerdem mit dem Hausarzt Ihres Partners. Als neutrale Person und Experte kann der Arzt Ihnen wichtige Informationen zur Suchterkrankung und Tipps zum Umgang mit dem alkohol- oder drogenabhängigen Partner geben. Allerdings kann auch der Arzt die Sucht Ihres Partners nicht bekämpfen – das kann nur der Abhängige selbst schaffen. Aber womöglich kann der Arzt dem Suchtkranken ins Gewissen reden. Seine Warnungen nimmt er wahrscheinlich ernster als die Ihren.

Tipps zum Umgang mit dem Suchtkranken

Um eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung zu beenden, ist es wichtig, dass sich in der Beziehung nicht mehr alles nur um die Sucht und den Kranken dreht. Machen Sie sich bewusst, dass es sich um eine Krankheit handelt und Sie weder dafür verantwortlich noch daran schuld sind. Versuchen Sie, sachlich zu bleiben und sich Beleidigungen und Vorwürfe des Suchtkranken nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen.

Setzen Sie Ihrem Partner klare Grenzen, was Sie bereit sind zu erdulden, und was nicht. Sagen Sie, welche Konsequenzen es hat, wenn er sich nicht daran hält und – ganz wichtig – setzen Sie Ihre Drohungen auch in die Tat um. So können Sie zum Beispiel klar stellen, dass Sie nur Zärtlichkeiten und Sex im nüchternen Zustand zulassen oder dass Sie nicht mehr für den Suchtkranken lügen werden. Im Extremfall sollten Sie auch bereit sein, sich zu trennen und das dem Betroffenen in aller Deutlichkeit zu sagen.

Selbsthilfegruppen als Anlaufstellen für Angehörige

Außerdem können Sie die Co-Abhängigkeit beenden, indem Sie sich selbst Hilfe suchen. Es gibt spezielle Selbsthilfegruppen für Angehörige – zum Beispiel die “Al-Anon Familiengruppen” für Freunde, Familie und Partner von Alkoholikern. Dort können Sie ganz offen und ehrlich über Ihre Gefühle und Sorgen sprechen und sich sicher sein, auf Menschen zu treffen, die ein ähnliches Schicksal durchlitten haben.

In Selbsthilfegruppen sind Suchtkranke oft gut aufgehoben.

Genügt der Austausch mit anderen Betroffenen nicht, um Ihnen Kraft zu geben, sich um sich selbst zu kümmern? Gelingt es Ihnen nicht, Ihre Gedanken von der Sucht Ihres Partners zu lösen? Dann sollten Sie eine Psychotherapie in Erwägung ziehen.

Zum eigenen Leben zurückfinden und Co-Abhängigkeit beenden

Für Menschen, die lange Zeit unter Co-Abhängigkeit gelitten haben, ist es nicht einfach, sich davon zu lösen. Sie müssen erst wieder lernen, auf sich zu achten, sich um sich selbst zu kümmern und sich etwas Schönes zu gönnen – kurz: einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Co-Abhängige versuchen am besten, sich wieder mehr mit Freunden, Kollegen und Familienmitgliedern zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen, sich ein Hobby zu suchen oder zum Sport zu gehen.