Somatoforme Störungen: Die Psyche macht den Körper krank

Wenn der Arzt für anhaltende Beschwerden keine körperliche Ursache findet, können somatoforme Störungen hinter dem Leiden stecken. Dabei gibt es viele verschiedene Ausprägungen des auch als Psychosomatisches Syndrom bezeichneten Symptomkomplexes.

Was sind somatoforme Störungen?

Somatoforme Störungen bezeichnen verschiedene körperliche Symptome, für die sich keine organische Erkrankung oder andere körperliche Probleme als Ursachen finden lassen. Die auch als Psychosomatisches Syndrom bekannten Beschwerden sind real, also nicht eingebildet, aber ihre Gründe liegen in der Psyche. Emotionaler Stress, unerkannte oder ungelöste innere Konflikte sowie andere seelische Belastungsfaktoren können sich auf diese Weise äußern. Der Begriff kommt aus dem Griechischen, wobei sich “soma” mit “Körper” und “psyche” mit “Seele” übersetzen lässt. “Psychosomatisch” bedeutet also, dass sich seelische Leiden körperlich äußern. “Somatoform” spielt darauf an, dass sich etwas körperlich zeigt.

Arten somatoformer Störungen und ihre Symptome

Somatoforme Störungen lassen sich laut ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, Version 2016) grob in folgende Gruppen unterteilen:

  • Somatisierungsstörung und undifferenzierte Somatisierungsstörung
  • Hypochondrische Störung
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung
  • Anhaltende Schmerzstörung

Auch Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder die Binge-Eating-Störung (BES) haben oft psychosomatische Ursachen.

Somatisierungsstörung

Eine Somatisierungsstörung liegt vor, wenn seit mindestens zwei Jahren unterschiedliche und wechselnde körperliche Symptome bestehen, die nicht nur das vegetative Nervensystem betreffen, für die es aber keine körperliche Ursache gibt. Ein Beispiel wäre ein hartnäckiger Tinnitus. Betroffene haben oft eine jahrelange Odyssee durch diverse Arztpraxen hinter sich, versuchen es mit Selbstmedikation oder suchen Laienhelfer auf, ohne dass die Beschwerden sich lindern lassen. Gleichzeitig haben diese Patienten oft Schwierigkeiten damit zu akzeptieren, dass ihr Leiden psychische Ursachen haben könnte. Bei der undifferenzierten Somatisierungsstörung bestehen die Symptome zwar bereits seit mindestens sechs Monaten, sind aber weniger stark ausgeprägt, und die Patienten suchen weniger verzweifelt nach Hilfe.

Hypochondrische Störung

Bei der Hypochondrischen Störung sind die Betroffenen objektiv betrachtet körperlich kerngesund, aber gedanklich unbeirrbar davon überzeugt, an einer schweren Krankheit zu leiden. Ist die Störung stark ausgeprägt, drehen sich sämtliche Gedanken nur noch um die vermeintlichen Beschwerden – die Betroffene durchaus als real empfinden – und die Angst um die eigene Gesundheit, sodass das soziale Leben und der Beruf darunter leiden.

Somatoforme autonome Funktionsstörung

Beziehen sich die Symptome, für die es keine körperliche Ursache zu geben scheint, rein auf das vegetative Nervensystem, handelt es sich um eine somatoforme autonome Funktionsstörung. Dabei können sowohl einzelne als auch mehrere der folgenden Organe betroffen sein:

  • Herzkreislaufsystem (Herzneurose, Herz-Angst-Neurose, Kreislaufschwäche, Schwindel)
  • Oberer und unterer Verdauungstrakt (Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Reizmagen, Reizdarm, Bauchschmerzen)
  • Atemwege (Atemnot, Hyperventilation, Husten, Schluckauf, Luftschlucken und vermehrtes Aufstoßen)
  • Harnwege (Schwierigkeiten beim oder vermehrtes Wasserlassen, Reizblase)
  • Geschlechtsorgane (Impotenz beziehungsweise erektile Dysfunktion)

Außerdem kommen häufig noch Angst- und Stresssymptome dazu. Typische Symptome sind Herzklopfen, Schweißausbrüche, Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Erröten und ein drückendes, kribbelndes oder flaues Gefühl in der Magengegend.

Anhaltende somatoforme Schmerzsstörung

Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung macht sich durch dauerhafte Schmerzen in einem oder mehreren Körperteilen bemerkbar, die bereits seit mindestens sechs Monaten bestehen und nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind. Dazu gehören zum Beispiel Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen in den Gelenken, den Armen oder Beinen. Eine Fibromyalgie lässt sich ebenfalls oft mit psychosomatischen Ursachen erklären.

Schwierige Diagnose psychosomatischer Erkrankungen

Die Diagnose somatoformer Störungen ist meist sehr schwierig und langwierig, da zunächst körperliche Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden müssen. Erschwert wird die richtige Diagnosestellung häufig dadurch, dass viele Patienten nicht glauben können, dass ihre Symptome seelischen Ursprungs sind, und sich von den Ärzten nicht immer ernst genommen fühlen. In der Regel gehen sie länger von Arzt zu Arzt, bevor schließlich festgestellt wird, dass es sich um ein psychosomatisches Syndrom handelt.

Somatoforme Störungen behandeln: Therapiemöglichkeiten

Die Therapie gegen somatoforme Störungen muss individuell auf den einzelnen Patienten und seine Beschwerden zugeschnitten werden. Dabei ist es sinnvoll, verschiedene medizinische Disziplinen miteinander zu kombinieren, damit sowohl die körperlichen Symptome als auch die psychischen Ursachen behandelt werden. Begleitend dazu können Entspannungstechniken und eine Reduzierung von Stress im Alltag helfen. Auch gesunde Ernährung und sportliche Betätigung tragen zur Besserung der Beschwerden bei.