Der erste Arbeitsvertrag: Was ist wichtig?

Endlich ist die Zusage für den neuen Job in der Tasche! Letzter Schritt: Ihr müsst eure Unterschrift unter den Arbeitsvertrag setzen. Viele Berufseinsteiger wissen allerdings nicht, worauf man dabei eigentlich achten muss. In diesem Beitrag möchten wir von GEHALT.de ein paar wichtige Punkte festhalten, damit bei eurem ersten Job wirklich nichts mehr schief gehen kann!

Als Erstes solltet ihr die Inhalte des Vertrages prüfen. Hilfreich ist dabei eine Checkliste, auf der alle wichtigen Punkte zusammengefasst werden. Dazu gehören beispielsweise die Arbeitsinhalte und Tätigkeitsbereiche des Jobs. Diese Punkte sollten von dem Arbeitgeber definiert werden. Allerdings werden darin häufig sehr allgemeine Aussagen getroffen, um spätere Tätigkeiten im Unternehmen nicht allzu sehr einzuschränken.

Folgende Punkte solltet ihr auf jeden Fall prüfen, bevor ihr einen Arbeitsvertrag unterzeichnet:

  • Definition der Tätigkeit und Stellung des Arbeitnehmers in der betrieblichen Organisation
  • Festlegung des Eintrittstermins und Länge der Probezeit
  • Festlegung der Vergütung
  • Schriftliche Fixierung über die Erhöhung der Bezüge, zum Beispiel nach der Probezeit
  • Arbeitszeit und Vergütung der Überstunden
  • Schriftliche Fixierung von Nebenleistungen (Prämien, Nutzung des Firmenwagens, etc.)
  • Fixierung des Urlaubsanspruchs
  • Feste Regelungen für Nebentätigkeiten
  • Orientierung der Kündigungsfristen an tarifvertraglichen Regelungen und am Kündigungsschutzgesetz
  • Schriftliche Fixierung von Weihnachtsgeld oder dem 13. Monatsgehalt
  • Die Formulierung der Geheimhaltungspflichten sollte nicht zu eng sein

Wichtig ist vor allem die Festlegung der Arbeitszeit. Da sich diese an den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes orientiert, darf sie pro Tag nicht mehr als acht Stunden betragen. In bestimmten Ausnahmefällen kann die Arbeitszeit jedoch auf zehn Stunden erhöht werden – solange innerhalb von sechs Wochen durchschnittlich nicht länger als acht Stunden täglich gearbeitet wird. Ausnahmen gelten beispielsweise bei Berufskraftfahrern, die sich an Lenk- und Ruhezeiten halten müssen.

Das Verhalten im Krankheitsfall

Außerdem wird in dem Vertrag definiert, wie ihr euch in einem Krankheitsfall verhalten solltet – generell müsst ihr euch immer gleich am ersten Tag der Erkrankung im Unternehmen melden. Hält die Erkrankung länger als drei Tage an, müsst ihr dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Einige Unternehmen verpflichten ihre Angestellten allerdings dazu, schon am ersten Tag eine Bescheinigung einzureichen.

Habe ich Anspruch auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag?

Grundsätzlich muss ein Arbeitsvertrag nicht in schriftlicher Form vorliegen. Dieser kann jedoch im Streitfall als wichtiges Beweismittel dienen, daher ist es ratsam, die Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses vertraglich festzuhalten. Außerdem verpflichtet das Nachweisgesetz den Arbeitgeber, zumindest die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich zu fixieren und dem Arbeitnehmer auszuhändigen.

Was darf vom Arbeitgeber nicht vorgeschrieben werden?

Der Arbeitgeber darf euch hingegen keine Vorschriften bezüglich einer Versetzung an einen anderen Standort, der Kleidung oder der Überstunden machen. Klauseln, wonach „sämtliche Überstunden mit dem Gehalt vergütet werden“, sind häufig in Arbeitsverträgen vorzufinden – diese sind allerdings unwirksam.

Die verschiedenen Ausbildungsformen

Leider erhält nicht jede Bewerberin oder Bewerber direkt eine Vollzeitbeschäftigung. Oft müssen vorab Praktika oder andere Ausbildungen absolviert werden. Diese wollen wir hier noch einmal erläutern und euch die Besonderheiten hinsichtlich eures Arbeitsvertrages aufzeigen.

1. Das Praktikum

Man unterscheidet hier zwischen Pflichtpraktikum und einem freiwilligen Praktikum. Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum, das länger als drei Monate dauert, ist dieses ab dem ersten Tag der Beschäftigung mit dem Mindestlohn zu vergüten. Dieser liegt seit dem 1. Januar 2017 bei 8,84 Euro pro Stunde. Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, das von der Schule, Ausbildungseinrichtung oder Hochschule vorgeschrieben ist, habt ihr jedoch keinen Anspruch auf den Mindestlohn.

2. Das Volontariat und das Trainee-Programm

In bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel im Journalismus oder im Verlagswesen, ist ein Volontariat ein fester Bestandteil der Ausbildung. Die Bezahlung ist in diesem Fall deutlich besser als bei einem Praktikum, jedoch wird der Beschäftigte nicht mit einem vollen Gehalt entlohnt, da es sich noch um eine Ausbildung handelt. In anderen Bereichen, in welchen Volontäre eher Freiwilligenarbeit verrichten, gibt es zumeist kein Geld. Die Gehälter, die bei einem Volontariat ausgezahlt werden, werden nicht vom gesetzlichen Mindestlohn bestimmt. Gleiches gilt für das Trainee-Programm, das in verschiedensten Unternehmen vorzufinden ist. Darunter versteht man ebenfalls eine Ausbildung für Berufseinsteiger.

3. Die Ausbildung

Damit bestimmte Berufe ausgeübt werden können, ist in vielen Fällen eine Ausbildung von Nöten. Deren Dauer beträgt meist zwei bis drei Jahre und soll praktische wie auch theoretische Fähigkeiten vermitteln. In dieser Zeit erhalten Beschäftigte eine Ausbildungsvergütung, die sich nicht nach dem Mindestlohn richtet.

Weitere Informationen oder einen Mustervertrag findet ihr beispielsweise beim Staufenbiel Institut.

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Nina Schnoor

Ich bin als Junior PR Managerin für die Produkte Gehalt.de und Compensation Partner bei PersonalMarkt in Hamburg beschäftigt. Zusammen mit meinem Team aus der Abteilung „PR und Kommunikation“ versorge ich die Online- und Offline-Medien regelmäßig mit aktuellen Studien, die sich um die Themen Gehalt und Karriere drehen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die interne Kommunikation im Unternehmen.

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