Ausbildung zum Steinmetz - Interview mit Benyamin Ahmadi

Wegen des Krieges in Afghanistan ist Benyamin Ahmadi mit 4 Jahren in den Iran gezogen. Erst im Jahre 2010 kam Benyamin nach Deutschland. Zunächst lernte er 6 Monate die deutsche Sprache. Dann machte er seinen Haupt- und Realschulabschluss. Ihm standen viele Ausbildungsberufe zur Verfügung, für ihn in Frage kam aber nur einer, denn er wollte unbedingt Steinmetz werden.

Ausbildungsnavigator: Viele Berufswünsche ergeben sich schon in der Kindheit. Wie war das bei dir? Wusstest du schon früh, was du später mal beruflich machen willst?

Benyamin Ahmadi: Mein Großvater und mein Vater waren beide schon Steinmetz. Als ich in Iran nicht zur Schule gehen durfte, habe ich meinem Vater bei seiner Arbeit zugeschaut und geholfen. Nach zwei Jahren war ich dann so gut, dass ich eigenständig arbeiten konnte. Da mir das Handwerk sehr viel Spaß gemacht hat, war für mich klar, dass ich auch Steinmetz werden wollte.

Du bist in Afghanistan geboren, bist über den Iran nach Deutschland gekommen. Wie sah deine schulische Laufbahn aus?

Im Iran bin ich in die Grundschule gegangen. Danach durfte ich leider nicht mehr in die Schule gehen und habe bei meinem Vater mitgearbeitet. Als ich 2010 nach Deutschland gekommen bin, habe ich meinen Haupt- und Realschlussabschluss gemacht.

Wie bist du bei deinem jetzigen Betrieb gelandet?

Nach dem Realschulabschluss wollte ich arbeiten gehen. Ich habe mich an Arbeitsagenturen gewendet, doch die haben mir nur Ausbildungen vorgeschlagen, die ich nicht interessant fand. Daher habe ich mich selber nach Steinmetz-Firmen umgeschaut. Bei Rechtglaub-Wolf durfte ich ein zweitägiges Praktikum machen.

Wie ging es dann nach dem Praktikum weiter?

Das Natursteinwerk Rechtglaub-Wolf suchte einen Auszubildenden. Es gab allerdings 22 Interessenten, die dafür in Frage kamen. Dass sie mich ausgewählt haben, hat mich sehr glücklich gemacht.

Wie wurdest du ausgewählt? Gab es ein Vorstellungsgespräch?

Ich hatte mehrere Gespräche mit dem Chef und dem Meister. Die beiden waren sehr nett und ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Wie war dein erster Eindruck des deutschen Steinmetzhandwerkes? Gab es Unterschiede zu dem in Afghanistan?

Ja, die Maschinen sind ganz andere. Am Anfang musste ich mit Spitzeisen, Schlageisen und Fäustel arbeiten. Ich war richtig schockiert, dass man in Deutschland mit solchen alten Werkzeugen arbeitet. Daran musste ich mich gewöhnen. Später durfte ich dann aber auch mit den richtig großen Maschinen arbeiten.

Wann war klar, dass du beim Steinmetz bleiben willst? Was hat dich überzeugt?

Von Anfang an, Steinmetz ist mein absoluter Traumberuf. Hätte ich die Stelle nicht gefunden, hätte ich lange auf eine andere warten müssen.

Gab es für dich jemals Alternativen? Hat dich eine andere Ausbildung oder ein Studium interessiert?

Andere Ausbildungen haben mich nicht interessiert. Ich wollte die Arbeit machen, die auch schon mein Vater und mein Großvater gemacht haben.

Welche Tätigkeiten machen dir bei der Arbeit am meisten Spaß?

Im Iran habe ich immer viel mit der Flex gearbeitet. Da haben wir viele Kamine eingebaut, das war immer sehr gut. Hier gibt es zwar nicht so viele Kamine, ich freue mich aber immer, wenn ich so einen Auftrag bekomme. Bei der Gesellenprüfung will ich auch einen Kamin machen.

Wie sieht ein typischer Tag im Betrieb aus?

Es gibt viel zu tun. Ich bekomme immer Aufträge, die ich zu bearbeiten habe. Letztens musste ich eine Treppe machen. Manchmal mache ich aber auch Küchenarbeitsplatten oder ziehe Fasern bei einer Häuserfassade. Gestern zum Beispiel war ich von morgens bis abends auf einer Baustelle. Am Abend bin ich dann direkt ins Bett gefallen.

Und wie sieht ein typischer Tag in der Berufsschule aus?

In der Berufsschule haben wir Blockunterricht, anders würde es auch nicht gehen, da sie rund 300 Kilometer entfernt ist.  Wir haben einiges an Fächern: Politik, Mathematik, Zeichnen, aber auch Photoshop. Hauptsächlich lernen wir aber in Lernfeldern: Das sind dann alle Arbeiten, die ein Steinmetz können muss: Vom Herstellen einer Treppe bis hin zum Restaurieren eines Denkmales.

Du bist jetzt im Rahmen der Kampagne „Ich hab was Besseres vor“ auf Plakaten und Bussen zu sehen. Wie kam es dazu?

Wir hatten einen Auftrag von der Handwerkskammer. Da wurde ich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich hatte zugesagt und einen Monat später war ich einer von fünfen, die ausgewählt wurden. Ich konnte selber nicht glauben, dass sie mich ausgewählt haben.

Was für ein Gefühl ist es deutschlandweit auf Plakaten und Bussen zu sein?

Ich freue mich darüber sehr. Ich habe meiner Schwester und auch meinen Freunden darüber nichts erzählt, weil ich sie überraschen wollte. Sie haben sich alle total gefreut. Ein Bekannter ist sogar extra aus der U-Bahn ausgestiegen und ist eine Station zurückgefahren um ein Plakat mit mir zu fotografieren.

Würdest du deinen Ausbildungsberuf und auch -betrieb weiterempfehlen wollen?

Ja, natürlich. Ich finde Steinmetz ist ein richtig guter Beruf, da man damit auf der ganzen Welt einen Arbeitsplatz hat. Und der Verdienst ist auch gut.

Wie sieht dein weiterer beruflicher Plan aus?

Erstmal will ich Schritt für Schritt meine Ausbildung fertig machen. Danach will ich auf jeden Fall als Steinmetz arbeiten. Eine zweite Ausbildung kommt für mich nicht in Frage. Ich habe meinen Traumberuf gefunden.

Gibt es etwas was du anderen jungen Menschen mit auf den Weg geben willst?

Mein Vater sagte einmal zu mir: "Im ganzen Leben klopft die Chance ein bis zwei Mal an deine Tür. Wenn du aufstehst, die Tür aufmachst und die Chance hereinlässt, hast du ein gutes Leben. Wenn du allerdings keine Lust hast aufzustehen und die Tür nicht aufmachst, wird die Chance gehen und nie wieder zurückkommen. Nicht das Schicksal entscheidet ob du arm oder reich wirst, es ist dein Wille etwas zu versuchen." Ich denke, meine Chance hat geklopft und ich habe die Tür aufgemacht.

Wir bedanken uns bei Benyamin Ahmadi für das interessante Gespräch und die tollen Einblicke in den Alltag eines angehenden Steinmetzes und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Ausbildung.

Das Interview führte Jonas Löffel für den Ausbildungsnavigator von Gelbe Seiten.

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