Ausbildung zum Fleischer - Interview mit Kebba Badjie

Kebba Badjie ist 23 Jahre alt und befindet sich im letzten Jahr seiner Ausbildung. Seit 2014 lernt er bei der Fleischerei Rockhoff in Dinslaken. Der angehende Fleischer gewöhnte sich schnell an seinen neuen Berufsalltag und wurde im März diesen Jahres sogar von der Handwerkskammer Düsseldorf zum „Lehrling des Monats“ gewählt. Wir haben mit ihm über das Fleischerhandwerk, seinen Ausbildungsalltag und seine Zukunftspläne gesprochen.

Ausbildungsnavigator: Viele Berufswünsche ergeben sich, wenn man selber noch zur Schule geht. Wie war das bei dir? Wusstest du schon in der Schulzeit, was du später machen willst?

Kebba Badjie: Ich wollte immer Tischler werden, während meiner Schulzeit habe ich auch mehrere Praktika in Tischler-Betrieben gemacht, doch diese haben meine Erwartungen nicht getroffen. Die Arbeiten haben mir einfach nicht so viel Spaß gemacht.

Wie bist du dann bei der Fleischerei Rockhoff gelandet?

Fleischer gehörte auch zu meinen Berufswünschen und da es mir bei den Tischlern nicht so gefallen hat, habe ich mich dafür entschieden bei der Fleischerei Rockhoff einen Probetag zu machen.

Wie war dein Probetag und wie ging es danach für dich weiter?

Ich war einen Tag in der Fleischerei, habe einen Einblick in das Berufsleben eines Fleischers bekommen und gemerkt, dass es mir sehr gut gefällt, so dass ich dann daraufhin ein sechsmonatiges Praktikum begonnen habe.

Hattest du vorher noch ein Vorstellungsgespräch?

Der Probetag hat das Vorstellungsgespräch ersetzt. Der Chef wollte nur wissen, ob mir die Arbeit und der Betrieb gefällt.

Wie waren deine ersten Tage bei der Fleischerei? Was hast du zu Beginn des Praktikums gemacht?

Ungewöhnlich war es schon, aber nur ein bisschen. Mein erster Tag war ein Montag, da wurde direkt geschlachtet. Ich habe dann beim Produzieren geholfen, habe Wurst aufgehängt und auch direkt ein paar Kleinigkeiten im Schlachthaus gemacht.

Wie war dein erster Eindruck von der Fleischerei?

Ich hatte kein Problem mit dem Schlachten, nur der Geruch war unbekannt und unangenehm. Mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt.

Wann war klar, dass du bei der Fleischerei bleiben willst?

Als ich gemerkt habe, dass alles gut klappt und ich keine Probleme habe. Die ersten beiden Praktikumswochen konnte ich noch nicht so viel mitmachen. Da habe ich erstmal viel zugeschaut, um reinzukommen. Trotzdem fand ich die Wochen sehr gut.

Was hat dich dann schlussendlich überzeugt?

Ich finde es sehr schön, dass wir Essen machen. Viele kennen Fleisch nur aus dem Supermarkt. Hier bekommt man alles mit: Vom Schlachten bis zur Wurst.

Hattest du vor deinem Praktikum in der Fleischerei in andere Berufe reingeschnuppert? Und wenn ja, warum hast du diese nicht weiterverfolgt?

Ich habe drei dreiwöchige Schulpraktika bei verschiedenen Tischlerbetrieben gemacht. Das war aber nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. In der Fleischerei hat es mir dagegen sofort gefallen.

Als dann deine Ausbildung begonnen hat, was hat sich für dich verändert?

Da ich meine Arbeit in einer Werkstatt für Elektronik-Gebrauchtwaren aufgeben musste, hatte ich nicht mehr so viel Geld. In der Ausbildung habe ich viel mehr Verantwortung übernehmen können und auch versucht immer pünktlich zu sein. Zudem habe ich natürlich sehr viel gelernt.

Wie sieht bei dir ein typischer Ausbildungstag aus?

Unterschiedlich. Montagmorgens beginne ich um halb sechs und bereite alles für das Schlachten vor. Darunter fällt dann auch das Betäuben der Schweine. Dienstags löse ich dann die geschlachteten Schweine aus (Anm.: auslösen - das Fleisch von den Knochen lösen)und pökele den Kochschinken. Samstags wird dann immer auch Suppe gekocht. In letzter Zeit löse ich häufig Rind aus, um für meine Prüfung zu üben. Die Aufgaben sind sehr vielfältig.

Welche Tätigkeiten machen dir am meisten Spaß, was machst du nicht so gerne?

Weniger Spaß macht mir eigentlich nur das Saubermachen. Das muss leider jeden Tag gemacht werden. Alles was wir benutzt haben, muss saubergemacht und zurückgelegt werden. Am liebsten löse ich Strauß aus, das kommt aber seltener vor. Mit dem Schlachten ist das so eine Sache, wenn man es gut hinbekommt, ist das natürlich ein gutes Gefühl. Wenn man dann aber an die Tiere denkt, ist das nicht mehr so, dass man sagen kann, dass das Spaß macht.

Hast du schon mal an deiner Berufswahl gezweifelt?

Es gab mal ein paar Schwierigkeiten, wo man auch mal nachgedacht hat, aufzuhören. Das waren aber alles Kleinigkeiten und wurden schnell wieder vergessen.

Was sagen deine Freunde zu deiner Berufswahl?

Einige sagen, dass sie die Tiere nicht schlachten könnten. Manchen wird sogar schon schlecht, wenn sie Blut sehen, für die wäre das dann natürlich nichts. Alle sind aber stolz darüber, dass ich die Ausbildung durchziehe.

Isst du persönlich gerne Fleisch?

(lacht) Am liebsten jeden Tag.

Gibt es Fleischsorten, die du nicht isst?

Ich esse kein Schweinefleisch, das hat zum Teil religiöse Gründe, zum Teil habe ich mich aber auch einfach persönlich dagegen entschieden, da ich es nicht brauche.

Ist es für dich ein Problem, dass du mit Schwein arbeitest?

Nein, da meine Entscheidung kein Schwein zu essen, eher daraus entstanden ist, dass ich es nicht möchte. Ich arbeite mit Schwein genauso wie mit jedem anderem Fleisch.

Würdest du deinen Ausbildungsberuf und auch -betrieb weiterempfehlen wollen?

Natürlich. Vor allem unseren Betrieb. Es gibt kaum mehr Betriebe, die selber schlachten. Das bekomme ich auch von meinen Mitschülern in der Berufsschule mit. Die meisten bekommen immer alles geliefert. Wer den Arbeitsablauf nicht kennt, schätzt das auch nicht so wert, wie einer der selber schlachtet, selber auslöst und Wurst daraus macht. Ich bin froh darüber, dass das hier gemacht wird.

Wie sieht dein weiterer beruflicher Plan aus?

Ich würde nach der Ausbildung gerne als Fleischer arbeiten. Die Arbeiten in einer Fleischerei machen mir sehr viel Spaß, daher würde ich meinen Beruf nur ungern nochmal wechseln wollen.

Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und die tollen Einblicke in den Alltag eines angehenden Fleischers und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Ausbildung.

Das Interview führte Jonas Löffel für den Ausbildungsnavigator von Gelbe Seiten.