Ausbildung zum Bootsbauer - Interview mit Maximilian Dillmann

Maximilian Dillmann befindet sich im dritten Jahr seiner Bootsbauer-Ausbildung. Seine Ausbildungswahl stand schon sehr früh fest. Wenige Monaten alt befand er sich das erste Mal auf einem Schiff. Jetzt will er seine Leidenschaft zum Beruf machen.

Ausbildungsnavigator: Viele Berufswünsche ergeben sich, wenn man selbst noch zur Schule geht. Wie war das bei dir? Wusstest du schon in der Schulzeit, was du später machen willst?

Maximilian Dillmann: Jein. Eigentlich sogar schon vorher. Schon als Baby bin ich mit einem Segelschiff auf dem Wasser unterwegs gewesen. Daher war für mich eigentlich klar, dass ich irgendwas mit Schiffen machen möchte. In der 9./10. Klasse hat der Beruf des Bootsbauers sich dann für mich ergeben. Ich habe zwei Praktika in einer Werft gemacht und vor drei Jahren meine jetzige Ausbildung angefangen.

Wie kam es dazu, dass du schon so früh mit Schiffen in Berührung kamst?

Mein Vater hat ein eigenes Schiff. Ich bin daher von Anfang an auf hoher See gewesen. Das erste Mal auf einem Schiff war ich im Alter von vier oder fünf Monaten.

Wie bist du bei deiner jetzigen Ausbildungsstelle gelandet?

Ich hatte mich damals bei einer Firma für Bootsbau in Bayern nach einem Praktikum erkundigt. Von denen erfuhr ich dann, dass es bei mir in der näheren Umgebung auch eine Werft gibt.

Was heißt nähere Umgebung? Konntest du in deinem Heimatort wohnen bleiben?

Nein, also die Werft ist in Ahlen, ich bin aus Gelsenkirchen. Am Wochenende bin ich immer zu Hause, die restliche Woche vor Ort in Ahlen. Da es die Jobsparte nicht so häufig gibt, habe ich keine große Wahl.

Wie hast du die Ausbildungsstelle in Ahlen bekommen?

Ich habe angerufen und habe vor Ort um ein Praktikum gebeten. In der 9. Klasse habe ich mein erstes Praktikum gemacht. Und ein Jahr später noch einmal. Im darauffolgenden Jahr konnte ich dann schon mit der Ausbildung beginnen.

Hattest du vor Beginn des ersten Praktikums oder der Ausbildung ein Vorstellungsgespräch?

Ich hatte vor dem ersten Praktikum ein längeres Gespräch mit dem Meister. Vor Beginn des zweiten Praktikums hatte ich nur kurz gefragt, ob er Zeit für mich hat. Vor dem Beginn meiner Ausbildung war ich nur da, um den Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Die Praktika im Vorhinein waren für die Ausbildung Pflicht. Das erste ging drei, das zweite zwei Wochen.

Wie waren deine ersten Tage in deinem ersten Praktikum? Was waren deine Aufgaben in der Anfangszeit?

Nachdem mir erstmal alles gezeigt wurde, habe ich ein Deck, angefangen bei der Unterkonstruktion bis hin zum fertigen Stabdeck, aufgebaut. Das ist eine der einfacheren Arbeiten und hat mir dabei geholfen, mit den Werkzeugen warmzuwerden.

Wie sieht jetzt ein typischer Ausbildungstag bei dir aus?

Ich steh jeden Morgen um 5:30 Uhr auf und um 6:15 Uhr gehe ich aus dem Haus. Um 6:30 Uhr beginne ich mit der Arbeit. Ich bekomme vom Meister dann meist ein paar Aufgaben, wie Laminieren, ein Deck legen oder Sachen fürs Lackieren, zugeteilt. Zu meinen Aufgaben gehören aber auch zum Beispiel den Boden für das Schiff oder irgendwelche Sitzbretter herzustellen. Feierabend mache ich dann meisten um 15:15 Uhr.

Gibt es Aufgaben, die du besonders gern oder ungern machst?

Eigentlich mache ich alles ganz gern. Nur manchmal, wenn es über einen langen Zeitraum immer dieselben Aufgaben sind, kann es vorkommen, dass ich diese einfach nicht mehr sehen kann. Im Großen und Ganzen mache ich aber alles sehr gerne. Es gibt nichts, wogegen ich eine riesige Abneigung habe.

Was ist die häufigste Aufgabe, die du zugewiesen bekommst?

Im letzten Jahr habe ich sehr viele Rümpfe ausgebaut, also: Schotten gestellt, Bodengruppe eingesetzt und viel laminiert.

Wann bist du immer in der Berufsschule?

In der Theorie bin ich blockweise drei Wochen im Betrieb und eine Woche in der Schule. Teilweise ist es aber auch terminabhängig. Die Schule ist in Duisburg, weitere Schulen in Deutschland gibt es nur noch in Bremen, Lübeck/Travemünde und in Brake (Unterweser).

Wie sieht dein Alltag in der Berufsschule aus?

Der Stundenplan ähnelt dem einer normalen Schule sehr. Die Berufsschule beginnt um 7:30 Uhr und geht bis 13:30 Uhr. Wir haben Schulfächer wie Mathe, Englisch, Deutsch, Politik oder auch Religion. Mathe ist aber schon deutlich anspruchsvoller als in der Schule. Wir berechnen Kräfte, Zugwinkel und all solche Geschichten. Aber wir haben auch speziellen Unterricht für den Bootsbauerberuf. Da lernen wir dann den Ausbau von Schiffen und die Ausrüstung von Elektronik.

Wie viele Lehrer hast du und wie viele Schüler seid ihr in einer Klasse?

Wir haben in der Berufsschule fünf oder sechs Lehrer. Weil wir so kleine Gruppen sind, bestehen die Schulklassen aus zwei Jahrgängen. Zusammen mit den Auszubildenden des 4. Jahres sind wir zurzeit neun Leute. Im Winter sind diese aber fertig, dann sind wir bis zum Sommer nur noch zu fünft. Nächstes Jahr kommen dann die jetzigen Auszubildenden aus dem zweiten Ausbildungsjahr zu uns in die Gruppe. In den kleinen Gruppen klappt der Unterricht sehr gut.

Gibt es seit du deine Ausbildung angefangen hast große Veränderungen für dich?

Seit Beginn der Ausbildung wohne ich alleine und stehe deutlich früher auf. Früher reichte es mir, wenn ich um 7:30 Uhr aufstehe, heute muss ich schon um 5:30 Uhr aus dem Bett. Zudem befindet sich der Bootsbetrieb in einem Dorf. Weil ich kein Auto habe, dauert es dann schon einige Zeit aus dem Dorf zu kommen. Der Bus fährt nur einmal die Stunde. Das bin ich in Gelsenkirchen anders gewohnt, da fährt er alle 5 bis 10 Minuten. Ich muss deswegen vorher immer alles planen und auch rechtzeitig losgehen, sonst kann ich eine Stunde auf den nächsten warten.

Hast du schon mal an deiner Berufswahl gezweifelt?

Eigentlich nicht, ich bin sehr zufrieden. Ich bin durch meine Kindheit aber ja auch vorbelastet.

Hattest du in deiner Kindheit schon eine Vorstellung von dem Bootsbauerberuf und ist diese eingetreten oder hattest du ein falsches Bild?

Eine wirkliche Vorstellung hatte ich nicht, die Ausbildung und den Ablauf dieser habe ich auf mich zukommen lassen. Es kommt ein bisschen darauf an, mit welchen Materialien man arbeitet.

Mit welchen Materialien arbeitet ihr? Gibt es Unterschiede zu anderen Betrieben?

Wir machen zum Beispiel materialtechnisch alles selber. Die Rümpfe und diverse kleinere Teile, wie zum Beispiel Kühlboxen und Pflichtwannen machen wir aus Polyesterkunststoff. Alles andere, wie die Sitzkästen, die Schotten und das Deck werden komplett aus Holz gemacht. Bei uns kommt man eigentlich mit allen Materialen, die es so gibt, in Berührung. Es gibt aber auch Betriebe, die nur aus GFK fertigen, die haben dann mit Holz recht wenig am Hut. Es ist immer die Frage, in welchem Betrieb Du bist. Außer der Motorentechnik machen wir nahezu alles selbst. Dadurch haben wir sehr viel Abwechslung.

Wie sieht dein Plan nach Abschluss der Ausbildung aus?

Eine grobe Idee habe ich. Ich glaube aber dazu kommt es nicht direkt nach der Ausbildung. Es schwebt mir aber schon seit Jahren im Kopf herum: Ich würde gerne durch die Welt segeln. Später möchte ich an der See arbeiten, mal schauen was sich da ergibt.

Würdest du deinen Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen?

Ja, ich finde es sehr gut, dass man mit den ganzen verschiedenen Materialien arbeitet. Das einzige was mich stört ist, dass kein Wasser in der Nähe ist. Die Lippe ist in der Nähe, das war es dann aber auch schon. Im Betrieb sind wir momentan vier Auszubildende und tauschen uns viel aus, wenn wir uns gleichzeitig im Betrieb befinden. Viele Aufgaben machen wir dann auch in Gruppen. Wenn wir einen Rumpf machen, sind wir zum Beispiel sechs bis sieben Mann.

Was würdest du sagen, was braucht man für deinen Ausbildungsberuf?

Vorkenntnisse aus dem Bereich wäre schon gut. Also, dass Du weißt, welches Teil vom Schiff welches ist. Ein bisschen Rechnen können ist auch nicht schlecht. Und für bestimmte Aufgaben muss Du auch ein bisschen feiner arbeiten können.

Wir bedanken uns bei Maximilian Dillmann für das interessante Gespräch und die tollen Einblicke in den Alltag eines angehenden Bootbauers und wünschen weiterhin viel Erfolg in der Ausbildung.

Das Interview führte Jonas Löffel für den Ausbildungsnavigator von Gelbe Seiten.