Von Grillen bis Kinderlärm: Das besagt das Nachbarschaftsrecht •

Zaun zum Nachbarn: Wie hoch darf er sein und wer muss ihn bauen?

Meine Hecke, deine Hecke: Streit am Gartenzaun ist keine Seltenheit – und allzu oft wird unter Nachbarn auch um den Zaun selbst gestritten. Grenzanlage oder Sichtschutz, Zaun oder Hecke? Auf die Grenze bauen oder Abstand halten? Wir erklären, worauf es ankommt!

Grenzanlage oder Sichtschutz: Der kleine Unterschied und seine Folgen

„Einfriedung“ heißt im Amtsdeutsch alles, was dazu da ist, um das Grundstück nach außen abzugrenzen und unerwünschte Blicke, Eindringlinge sowie Schmutz und Lärm fernzuhalten. Dabei können an der Grundstücksgrenze ein paar Zentimeter einen erheblichen Unterschied machen, was die Zuständigkeiten angeht:

  • Grenzanlage: Sie wird direkt auf der Grundstücksgrenze errichtet. Beide Nachbarn sind dafür zuständig, das heißt: Beide müssen dafür bezahlen und nur einvernehmlich darf die Anlage wieder entfernt oder verändert werden.
  • Sichtschutz: Er steht nur auf einem Grundstück. Der Grundstücksbesitzer ist allein dafür verantwortlich. Der Nachbar darf dadurch nicht beeinträchtigt werden, weshalb Mindestabstände zur Grundstücksgrenze eingehalten werden müssen.

Klassischerweise sind Zäune Grenzanlagen und dahinter steht eine Hecke zum Sichtschutz, damit nicht alle Welt sieht, was man so im Garten tut. Nachbarn dürfen aber natürlich auch gemeinschaftlich eine Hecke pflanzen, die dann als Grenzanlage gilt – siehe § 921 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Hecke oder Zaun: Welche Genehmigungen sind nötig?

Hecke, Mauer, Zaun oder Sichtschutzwand – sie alle sind nicht unberührt von Rechtsvorschriften. Und die variieren von Bundesland zu Bundesland. Ganz grundsätzlich kann Folgendes für Sie relevant werden, wenn Sie eine Hecke oder einen Gartenzaun zum Nachbarn hin errichten wollen:

  • Ortsübliche Gestaltung: Passt Ihr geplantes Projekt ins Erscheinungsbild der Nachbarschaft?
  • Bebauungsplan: Hier können konkrete Vorgaben für Ihr Viertel vermerkt sein, was zum Beispiel die Höhe des Zauns oder die Art der Heckenpflanze angeht.
  • Bauordnung des Bundeslandes
  • Nachbarrechtsgesetze des Bundeslandes: Nur Bayern, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern haben keine.
  • Einfriedungssatzung: Sie legt fest, ob eine Einfriedung Pflicht oder Kür ist und wer sie bezahlen muss.

Eine explizite Baugenehmigung brauchen Sie in der Regel nur für tote Einfriedungen – also Mauern, Zäune und Sichtschutzwände. Für belebte Einfriedungen – Hecken, Büsche und Co. – reicht es, wenn Sie sich an die Vorschriften halten.

Widersprechen sich der konkrete Bebauungsplan für eine Region und die allgemeine Bauordnung, gelten die Vorgaben aus dem Bebauungsplan.

Wie hoch darf der Zaun zum Nachbarn sein?

Pauschal lässt sich die Frage nach der Höhe eines Sichtschutzes zum Nachbargrundstück nicht beantworten – denn die erlaubte Höhe korreliert auch immer mit dem Abstand zur Grundstücksgrenze. Und der notwendige Mindestabstand wiederum wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich festgelegt: So muss eine Zwei-Meter-Hecke mal 60 Zentimeter, mal ganze zwei Meter Abstand halten.

Bei einer gemeinsam gebauten Einfriedung auf der Grundstücksgrenze können auch bestimmte Grenzen für die Höhe gelten. Informieren Sie sich am besten über die lokalen Vorschriften.

Schaut man aber in die verschiedenen Nachbarrechtsgesetze der Länder, zeigt sich auch: Mit einem Maschendrahtzaun von 1,20 Metern können Sie in Sachen Einfriedung wenig verkehrt machen. Um aber wirklich auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie am besten bei Ihrer Gemeinde anrufen und nachfragen, welche Regelungen vor Ort gelten.

Einfriedungspflicht: Wer muss den Zaun bauen?

Einfriedungspflicht bedeutet: Sie müssen einen Zaun (oder eine andere Abtrennung) auf die Grundstücksgrenze setzen – ob Sie wollen oder nicht. Diese Pflicht besteht allerdings nicht überall und wird von den Bundesländern individuell geregelt:

  • Keine Einfriedungspflicht: Baden-Württemberg (im Ortskern), Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen
  • Einfriedungspflicht, wenn Einfriedung ortsüblich ist: Berlin, Brandenburg
  • Einfriedungspflicht für bebaute Gewerbegrundstücke innerorts: Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein
  • Einfriedungspflicht auf Verlangen des Nachbarn: Baden-Württemberg (in Außenbezirken), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Wenn eine Pflicht zur Einfriedung besteht, kann diese auf zwei Arten realisiert werden:

  • gemeinsame Einfriedung
  • Rechtseinfriedung

Bei der gemeinsamen Einfriedung teilen sich die beiden Nachbarn die Kosten zu gleichen Teilen (§ 922 BGB). Bei der Rechtseinfriedung muss jeder den Zaun bezahlen, der – von der Straße aus gesehen – auf der rechten Seite des Grundstücks verläuft. Diese Regelung ist ein Überbleibsel aus dem Allgemeinen Preußischen Landrecht und gilt auch nur in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen.

Übrigens: Nicht nur die Kosten für das Anlegen der Grundstücktrennung werden so verteilt, sondern auch die Unterhaltskosten – zum Beispiel für Reparaturen.

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