Ein Skiunfall ist schnell passiert. Wie reagiere ich richtig, wenn ich einen Unfall beobachte oder selbst auf der Piste stürze? Hier finden Sie Infos zu Sicherungsmaßnahmen und Erster Hilfe und eine Liste der wichtigsten Notrufnummern.
Unfall auf der Piste •

SOS auf der Piste: Richtiges Verhalten bei Skiunfällen

Ein Skiunfall ist schnell passiert. Wie reagiere ich richtig, wenn ich einen Unfall beobachte oder selbst auf der Piste stürze? Hier finden Sie Infos zu Sicherungsmaßnahmen und Erster Hilfe und eine Liste der wichtigsten Notrufnummern.

Wichtigste Regel beim Skifahrer-Unfall: Jeder ist zur Hilfeleistung verpflichtet

So viel Spaß es macht, über den Schnee zu gleiten – Skifahren ist eine Risikosportart. Immer wieder kommt es in Skigebieten zu Unfällen. Es kann also passieren, dass auch Sie im Skiurlaub Zeuge eines solchen Ereignisses werden. Wie verhalten Sie sich richtig, wenn Sie einen Unfall beobachten?

Die erste und wichtigste Regel lautet: Halten Sie an. Laut der Fédération Internationale de Ski (FIS) ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.

Die wichtigsten Daten und Fakten zu Skiunfällen

Die statistische Auswertungsstelle für Ski-Unfälle (ASU) gibt Auskunft über die Unfälle deutscher Skifahrer. Demnach verletzten sich in der Saison 2017/2018

·         Etwa 44.000 deutsche Skifahrerinnen und Skifahrer.

·         Ein Anstieg um drei Prozent im Vergleich zur Vorsaison.

·         Etwa 7.600 Skifahrer wurden im Krankenhaus stationär behandelt.

·         Besonders häufig: Verletzungen der Schultern und Knie.

·         Rund 16 Prozent der Unfälle wurden durch Kollisionen verursacht.

Gekreuzte Ski signalisieren: Achtung, hier ist ein Unfall passiert.

Gekreuzte Ski signalisieren: Achtung, hier ist ein Unfall passiert.

Erster Schritt: So sichern Sie die Unfallstelle richtig

Skiunfälle auf der Piste sind besonders gefährlich, weil weitere Skifahrer nachkommen können und entsprechend Gefahr laufen, auf den oder die Verunglückten aufzufahren.

Um Folgeunfälle oder gar Massenkollisionen zu vermeiden, gilt es als erstes, die Unfallstelle zu sichern. Dazu stecken Sie Skier und Skistöcke gekreuzt etwa fünf bis zehn Meter oberhalb der Unfallstelle in den Schnee. Befindet sie sich an einem schwer einsehbaren Ort, zum Beispiel direkt hinter einer Kurve, markieren Sie die Stelle ein Stück weiter vorn. So können ankommende Skifahrer rechtzeitig bremsen. Ist der Unfall hinter einem Hügel passiert, stellen Sie das Kreuz auf der Kuppe auf.

Falls Sie ein Kleidungsstück in Rot oder Orange bei sich haben, hängen Sie es über die gekreuzten Skier. So werden nachfolgende Fahrer gerade bei schlechten Sichtverhältnissen schon von Weitem gewarnt.

Holen Sie weitere Hilfe, indem Sie vorbeifahrende Skifahrer ansprechen. Sind Sie zu zweit, können Sie sich die Aufgaben teilen: Einer setzt den Notruf ab, der andere leistet Erste Hilfe.

Liftpersonal um Hilfe bitten

Falls der Unfall in der Nähe einer Liftstation geschehen ist, können Sie die dortigen Mitarbeiter zur Hilfe holen – oder einen anderen Skifahrer bitten, Bescheid zu sagen. Denn das Liftpersonal ist in der Regel auf Skiunfälle vorbereitet. Falls das Unfallopfer nicht allzu schwer verletzt ist, können die Mitarbeiter es mit einer sogenannten Akia, einem Rettungsschlitten, sicher ins Tal oder zur nächsten Liftstation bringen.

Zweiter Schritt: Kontrollieren Sie die Lebenszeichen

Liegt das Unfallopfer reglos da, prüfen Sie zunächst, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist: Sprechen Sie ihn an oder rütteln Sie ihn sanft an der Schulter. Ist die Person bewusstlos, kontrollieren Sie die Atmung:

  • Halten Sie Ihre Wange an Nase und Mund des Verletzten. Spüren Sie den Atem?
  • Hebt und senkt sich der Brustkorb?
  • Machen Sie die Atemwege frei: Legen Sie eine Hand auf die Stirn des Verletzten, heben Sie mit der anderen das Kinn an.

Atmet die verletzte Person, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, damit die Atemwege freibleiben und Blut oder Erbrochenes ablaufen kann.

Falls der Verletzte nicht atmet, sind Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich. Als Faustregel für die Herzdruckmassage mit Atemspende gilt: 30 Mal auf den entblößten Brustkorb drücken, zweimal beatmen – und wieder von vorn.

Schützen Sie den Verletzten außerdem so gut wie möglich vor Unterkühlung.

Wo ist der Unfall passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Antworten auf diese Fragen sind beim Telefonat mit der Bergrettung zentral.

Wo ist der Unfall passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Antworten auf diese Fragen sind beim Telefonat mit der Bergrettung zentral.

Dritter Schritt: Rufen Sie Hilfe

Ist der Verletzte weitest möglich versorgt, organisieren Sie Hilfe. Falls Sie selbst kein Mobiltelefon bei sich haben, wenden Sie sich an andere Skifahrer. Folgende Angaben sind für die anrückenden Retter wichtig:

  • Wo ist der Unfall passiert? Geben Sie die genaue Unfallstelle an (Pistennummer und Lift sind wichtige Orientierungsmarker)
  • Was ist vorgefallen?
  • Wer ist beteiligt? Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzung können Sie erkennen?

Geben Sie für Rückfragen Ihren Namen sowie Ihre Telefonnummer an.

Wenn Sie Ihren Notruf absetzen, können Sie zum einen den europaweiten wählen:

  • 112

Direkt erreichen Sie die jeweilige Bergrettung über die nationale Alpin-Notrufnummer. Hier die wichtigsten Nummern in einigen beliebten Skigebieten:

Österreich:

  • Alpin-Notruf Bergrettungsdienst aus dem Inland: 140
  • Aus dem Ausland mit Vorwahl 0043-plus Ortsvorwahl ohne Ausscheidungskennziffer „0“. Möchten Sie z.B. in Kitzbühel den Notdienst rufen, wählen Sie: 0043-5356-140

Schweiz:

  • Alpine Rettung Schweiz und Rettungsflugwacht Rega aus dem Inland: 1414
  • Aus dem Ausland: 0041-333-333-333
  • Sanitätsnotruf Erste Hilfe (bei medizinischen Notfällen): 144

Italien und Südtirol:

  • Landesnotrufzentrale (medizinische Notfälle und Bergrettung): 118

Frankreich:

  • Zentraler Notruf aus dem Inland: 15
  • Rettungsleitstelle Chamonix (PGHM) aus dem Ausland: 0033-450-53-16-89

Liechtenstein:

  • Bergrettung aus dem Inland: 117
Das alpine Notsignal

Manchmal gibt es in den Bergen Schwierigkeiten mit der Telefonverbindung. In solchen Fällen können Sie das alpine Notsignal abgeben. Dazu geben Sie eine Minute lang alle zehn Sekunden ein Signal, mit dem Sie auf sich aufmerksam machen. Dies kann sein:

·  Lichtsignal, z.B. mit einer Taschenlampe

·  Lautes Rufen

·  Winken mit einem Kleidungsstück

Im Anschluss warten Sie eine Minute, um dann wiederum mit dem Signalgeben fortzufahren.

Vierter Schritt: Auf Hilfe warten

Falls der Verletzte in der Lage ist, sich selbst zu bewegen, können Sie ihm helfen, sich an den Pistenrand zu begeben. Ansonsten bleiben Sie mit ihm sicherheitshalber dort, wo der Unfall passiert ist, um Folgeschäden zu vermeiden. Auf keinen Fall lassen Sie den Verletzten allein.

Warten Sie gemeinsam auf das Eintreffen der Rettungskräfte. Da die meisten Beteiligten an einem Skiunfall unter Schock stehen, können Sie versuchen, beruhigend auf das Unfallopfer einzuwirken und Trost zu spenden.

Der Bergrettungsdienst hilft bei jährlich Tausenden von Skiunfällen.

Der Bergrettungsdienst hilft bei jährlich Tausenden von Skiunfällen.

Was, wenn ich selbst in einen Skiunfall verwickelt bin?

Sind Sie selbst an einem Skiunfall beteiligt, gilt vor allem eines: Bleiben Sie ruhig. Checken Sie: Wie fühlen Sie sich? Haben Sie Schmerzen? Brauchen Sie Hilfe? Falls Sie Hilfe benötigen, rufen Sie laut, damit Ihnen andere Skifahrer beistehen können.

Übrigens muss laut FIS-Verhaltensregeln jeder Skifahrer und Snowboarder, egal, ob er Zeuge ist oder am Unfall beteiligt, seine Personalien angeben.

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