Ein Lawinenunglück kann jeden in den Bergen treffen, nicht nur Tourengänger und Wintersportler, die abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind. Hier erfahren Sie, wie Sie sich verhalten sollten, wenn eine Lawine droht – oder Sie selbst in die gefährlichen Schneemassen geraten.
Achtung Lawinengefahr •

Verhalten bei Lawinenunglück: So reagieren Sie richtig

Ein Lawinenunglück kann jeden in den Bergen treffen, nicht nur Tourengänger und Wintersportler, die abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind. Hier erfahren Sie, wie Sie sich verhalten sollten, wenn eine Lawine droht – oder Sie selbst in die gefährlichen Schneemassen geraten.

Wer denkt schon an ein Lawinenunglück?

Wer seinen Skiurlaub genießt und sich am glitzernden Schnee erfreut, verdrängt gern den Gedanken an einen möglichen Lawinenabgang. Dabei werden jedes Jahr Menschen von Lawinen überrollt, viele sterben. Meist handelt es sich um Wintersportler abseits der gesicherten Pisten, die durch unachtsames Verhalten die Lawinen selbst ausgelöst haben.

Grundsätzlich sollte jeder, der in schneeverschneiten Bergen unterwegs ist, einige grundlegende Verhaltensregeln kennen, die helfen können, eine Lawine zu überleben.

Rettungssysteme bei Lawinenabgang

Um die Überlebenschancen in einer Lawine zu erhöhen, haben sich folgende Rettungssysteme bewährt:

·  Lawinenairbag: Ein Rucksack mit Luftkissen, die durch Zug an einem Griff aufgeblasen werden und dem Träger in der Lawine Auftrieb verleihen-

·  Lawinenball: Dieser mit einer Spannfeder versehene Ball steckt zusammengefaltet auf dem Rucksack. Wird sein Mechanismus über einen Auslösegriff aktiviert, bleibt er wie eine Boje als leuchtende Markierung an der Oberfläche der Lawine und verbindet Ball und Verschütteten. So kann er schneller gefunden werden.

Was tun, wenn eine Lawine anrollt?

Es klingt banal, doch die erste und wichtigste Maßnahme, sobald eine Lawine anrollt, ist: Tun Sie alles, um nicht verschüttet zu werden. Bewegen Sie sich möglichst seitlich aus der Gefahrenzone heraus.

Ansonsten sollten Sie sich nach Möglichkeit von allem trennen, was in der Lawine die Verletzungsgefahr erhöht oder unnötiger Ballast ist:

  • Skistöcke wegwerfen: Diese können sonst in der Lawine gefährlich werden und zu schweren Verletzungen (Knochenbrüche, Stichverletzungen) führen
  • Bindungen öffnen, Ski wegwerfen
  • Bauchgurt des Rucksacks lösen und diesen, wenn möglich, ganz abstreifen

Falls Sie einen Lawinenairbag oder einen Lawinenball dabeihaben: Aktivieren Sie ihn. So erhöhen Sie Ihre Überlebenschancen.

In der Lawine: oben bleiben

Hat Sie die Lawine mitgerissen, heißt es: Kämpfen! Versuchen Sie, sich mit Kraulbewegungen, Strampeln und durch Treten an der Oberfläche der Schneemassen zu halten. Dies ist natürlich extrem schwierig, da eine Lawine oft über viele hundert Meter rollt und ihre Opfer mal nach oben, mal nach unten reißt. Allerdings erhöht es die Überlebenschancen ungemein, wenn Sie sich beim Stillstand der Lawine in einem oberen Bereich befinden, zu dem die Retter schneller vordringen können.

Denn der Schnee der Lawine ist nicht locker, sondern wird durch die Rollbewegung fester. Wenn die Lawine erst einmal steht, sackt der Schnee zusammen und wird mit der Zeit so hart wie Beton.

Ist die Lawine langsamer geworden, versuchen Sie Folgendes:

  • Hockstellung einnehmen
  • Atemhöhle schaffen: Wölben Sie Ihre Hände über Nase und Mund. Diese Maßnahme ist wichtig, damit Sie       möglichst lange ausreichend Luft bekommen.
  • Ruhe bewahren, Kraft sparen
  • Falls Sie Helfer wahrnehmen, versuchen Sie, sich durch Laute bemerkbar zu machen.
„Stop – Lawinengefahr“: Nehmen Sie solche Warnschilder unbedingt ernst.

„Stop – Lawinengefahr“: Nehmen Sie solche Warnschilder unbedingt ernst.

Begeben Sie sich nicht allein auf Tour

Um in einer Lawine zu überleben, bedarf es Glück – und vor allem der Hilfe anderer. Denn bei der Bergung zählt jede Minute. In der ersten Viertelstunde nach der Verschüttung sind die Überlebenschancen am größten. Danach droht der Erstickungstod.

Daher gilt generell: Begeben Sie sich nicht allein auf Tour, besonders nicht abseits der gesicherten Pisten und schon gar nicht ohne alpine Erfahrung. Am besten sind Sie mindestens zu dritt. Wer ohne Bergkameraden unterwegs ist, hat im Verschüttungsfall schlechte Chancen – bis Helfer eintreffen, ist häufig zu viel Zeit vergangen.

Alpenvereine bieten Lawinenkurse an

Um Wintersportler auf den Ernstfall vorzubereiten, bieten die Alpenvereine und Bergsteigerschulen Lawinenkurse an. Dort wird das richtige Verhalten bei einem Lawinenabgang, Bergung, Erste Hilfe, Umgang mit dem Lawinenpiepser und ähnliches geübt. Ohne eine entsprechende Ausbildung sollten Wintersportler nach Expertenmeinung die gesicherten Pisten nicht verlassen.

Ist jemand verschüttet, sind die Überlebenschancen in der ersten Viertelstunde nach Stillstand der Lawine am höchsten. Hier das Foto einer Rettungsübung.

Ist jemand verschüttet, sind die Überlebenschancen in der ersten Viertelstunde nach Stillstand der Lawine am höchsten. Hier das Foto einer Rettungsübung.

Die Alpenvereine raten Wintersportlern abseits der gesicherten Skipisten zu folgender Standard-Notfallausrüstung:

  • Lawinenpiepser: Dieser auch Lawinenverschüttetensuchgerät genannte Peilsender ermöglicht es, verschüttete Menschen in der Lawine zu orten.
  • Carbon-Schaufel für die Bergung
  • Lawinensonde: Ein dünnes, zusammensteckbares Rohr, mit dem die Position des Opfers im Schnee ertastet wird.

Zudem sollten Sie vor Ihrer Tour unbedingt mit Hilfe des lokalen Lawinenlageberichts ein Bild von der Lawinengefahr im Zielgebiet machen. Beachten Sie zudem die örtlichen Lawinenwarnungen durch entsprechende Sicherheitsstellen wie Bergrettung oder Polizei.

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