Die Düsseldorfer Tabelle ist das wichtigste Instrument bei der Berechnung des Kindesunterhalts. Sie richtig zu lesen und zu nutzen, ist allerdings eine kleine Herausforderung. Hier erfahren Sie, wie es funktioniert.
Ratgeber: Unterhalt

Düsseldorfer Tabelle: So wird der Unterhalt berechnet

Die Düsseldorfer Tabelle ist das wichtigste Instrument bei der Berechnung des Kindesunterhalts. Sie richtig zu lesen und zu nutzen, ist allerdings eine kleine Herausforderung. Hier erfahren Sie, wie es funktioniert.

Düsseldorfer Tabelle ist nur ein Hilfsmittel

Unterhaltsfragen fallen unter das Richterrecht, das heißt: Jeder Einzelfall wird vom Familienrichter individuell beurteilt. Die Düsseldorfer Tabelle ist für den Kindesunterhalt also nicht in der Art und Weise verbindlich wie es Gesetze sind. Sie ist allerdings ein anerkanntes Hilfsmittel und dient in den meisten aller Fälle als Entscheidungsgrundlage – zusammen mit den Unterhaltsleitlinien des zuständigen Oberlandesgerichts.

Die Düsseldorfer Tabelle wird jedes Jahr aktualisiert – zuletzt am 1. Januar 2018. Dabei wurden die Unterhaltsansprüche von Kindern um 6 bis 12 Euro erhöht. Gleichzeitig wurden die Einkommensgrenzen nach oben verschoben, was die Zahlungspflichtigen teilweise entlastet.

 

Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen in Euro

     

Altersstufe 

in Jahren

  

%

Bedarfs-kontrollbetrag

in Euro

 

 

     

0 – 5

  

6 – 11

  

12 – 17

  

ab 18

  

 

 

1

bis 1.900

     

348

  

399

  

467

  

527

  

100

880/ 1.180

2

1.901 – 2.300

     

366

  

419

  

491

  

554

  

105

1.300

3

2.301 – 2.700

     

383

  

439

  

514

  

580

  

110

1.400

4

2.701 – 3.100

     

401

  

459

  

538

  

607

  

115

1.500

5

3.101 – 3.500

     

418

  

479

  

561

  

633

  

120

1.600

6

3.501 – 3.900

     

446

  

511

  

598

  

675

  

128

1.700

7

3.901 – 4.300

     

474

  

543

  

636

  

717

  

136

1.800

8

4.301 – 4.700

     

502

  

575

  

673

  

759

  

144

1.900

9

4.701 – 5.100

     

529

  

607

  

673

  

802

  

152

2.000

10

5.101 – 5.500

     

557

  

639

  

748

  

844

  

160

2.100

11

über 5.501

     

individuelle Berechnung

So benutzen Sie die Düsseldorfer Tabelle in 5 Schritten

Ein kurzer Blick in die Düsseldorfer Tabelle und Sie wissen, wie hoch die Unterhaltszahlungen ausfallen? So einfach ist es leider nicht. Stattdessen müssen Sie Schritt für Schritt vorgehen:

  1. Bereinigtes Nettoeinkommen ermitteln
  2. Anzahl der Unterhaltsberechtigten berücksichtigen
  3. Altersstufe bestimmen
  4. Kindergeld abziehen
  5. Bedarfskontrollbetrag prüfen

Barunterhalt vs. Betreuungsunterhalt – 2 Arten von Kindesunterhalt:

Der Betreuungsunterhalt wird von dem Elternteil geleistet, bei dem das Kind lebt.

Der Barunterhalt ist vom anderen Elternteil zu leisten – in bar, nicht in Sachwerten.

1. Bereinigtes Nettoeinkommen ermitteln

Grundlage für die Berechnung des Nettoeinkommens ist bei Arbeitnehmern die Gehaltsabrechnung, bei Selbstständigen die Steuererklärung der letzten drei Jahre. Davon werden 5 Prozent für berufsbedingte Aufwendungen abgezogen – allerdings mindestens 50 Euro und maximal 150 Euro pro Monat. Höhere Kosten müssen konkret nachgewiesen werden. Rentner und Erwerbslose können diesen Betrag nicht abziehen.

In der Spalte mit dem Nettoeinkommen können Sie nun nachschauen, in welcher Stufe Sie liegen.

2. Anzahl der Unterhaltsberechtigten berücksichtigen

Die Düsseldorfer Tabelle geht davon aus, dass Unterhalt für zwei Personen gezahlt wird – zum Beispiel Mutter und Kind. Müssen Sie nur für eine Person Unterhalt leisten, rutschen Sie eine Klasse nach oben. Müssen Sie für mehr Personen Unterhalt zahlen, sinkt die Unterhaltsstufe entsprechend um ein Level je zusätzlicher Person.

3. Altersstufe bestimmen

Je nach Alter des Kindes fällt es in eine der vier Kategorien:

  • 0 bis 5 Jahre
  • 6 bis 11 Jahre
  • 12 bis 17 Jahre
  • über 18 Jahre

Nun sehen Sie, welcher Unterhaltsbetrag dem Kind zusteht. Dieser ist allerdings nicht identisch mit dem Zahlbetrag. Die Berechnung geht noch weiter.

4. Kindergeld abziehen

Beide Elternteile sind für die Versorgung des Kindes zuständig. Das Kindergeld wird aber immer an die Person ausbezahlt, bei der das Kind lebt.

Deshalb dürfen Sie 50 Prozent des Kindergeldes vom geschuldeten Unterhaltsbetrag abziehen. Bei volljährigen Kindern dürfen Sie den vollen Betrag abziehen. 

Nun haben Sie den Zahlbetrag, den Sie als Kindesunterhalt überweisen müssen – sofern sich nicht durch Schritt 5 Änderungen ergeben.

5. Bedarfskontrollbetrag prüfen

Werfen Sie nun einen Blick auf den Bedarfskontrollbetrag in Ihrer zuvor ermittelten Zahlungsstufe.

Bliebe Ihnen nach Zahlung des Unterhalts weniger als dieser Kontrollbetrag, rutschen Sie eine Stufe nach unten. Berechnen Sie den Zahlbetrag nun nach dem oben geschilderten Verfahren erneut auf der geringen Unterhaltsstufe und wiederholen Sie dieses Prozedere so lange, bis Sie in einer Kategorie gelandet sind, bei der Sie nicht unter den Bedarfskontrollbetrag rutschen.

Die Berechnung wird im Zweifelsfalle durch den Selbstbehalt gestoppt.

Sonderfälle: Was nicht in der Tabelle steht

Es gibt einige Sonderfälle in Sachen Kindesunterhalt, die nicht von der Düsseldorfer Tabelle erfasst werden können.

Mehr- und Sonderausgaben: An Ausgaben, die im Interesse des Kindes getätigt werden und über das normale Maß hinausgehen, müssen Sie sich womöglich beteiligen – zusätzlich zum monatlichen Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Beispiele dafür sind kieferorthopädische Behandlungen oder die Kosten für den Kindergartenplatz.

Volljährige Kinder im Studium: Ihr Bedarf liegt bei pauschal 735 Euro – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dieser Anspruch auf Barunterhalt richtet sich gemeinsam gegen beide Eltern. 

Volljährige Kinder in Ausbildung: Die Ausbildungsvergütung minus 100 Euro wird auf den Unterhaltsbetrag angerechnet.

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