Steht der Steuervorteil beim Diesel auf der Kippe?
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Steht der Steuervorteil beim Diesel auf der Kippe?

VW-Abgasskandal, Feinstaub, CO2-Grenzwerte: Die Dieseltechnik ist massiv in die Kritik geraten – und damit auch der Steuervorteil von Dieseltreibstoff. Müssen Dieselfahrer umdenken? Und wenn ja, ab wann?

Die unterschiedliche Besteuerung von Benzin- und Dieselkraftstoff gibt es seit 1939, als die Mineralölsteuer (seit 2006 Energiesteuer) eingeführt wurde. Seit 2003 zahlen wir auf einen Liter Benzin 65,45 Cent Energiesteuer, für einen Liter Diesel 47,04 Cent. Inklusive Mehrwertsteuer beträgt der Unterschied satte 21,9 Cent je Liter. Ist damit bald Schluss?

Dieselfahrzeuge in Deutschland

Von den 3,2 Millionen Pkw, die 2015 in Deutschland neu zugelassen wurden, tanken 48 Prozent Diesel. Dieselfahrzeuge verbrauchen durchschnittlich 20 Prozent weniger Treibstoff als Benziner, zudem ist Diesel an der Zapfsäule günstiger. Was der Gesetzgeber durch die niedrigere Besteuerung fördert. Diesel soll bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes helfen, und ohne Dieselfahrzeuge schienen die hochgesteckten Klimaziele lange nicht erreichbar. Es fehlte schlicht eine Alternative. Doch nun findet bei der Bundesregierung ein Umdenken statt: Ist Diesel wirklich umweltfreundlicher als Benzin? Sind die Grenzwerte auch ohne Schummelei einhaltbar? Und soll nicht eher auf Elektronantriebe gesetzt werden?

Automobilindustrie muss sich neu erfinden

Die Automobilhersteller werden sich in den kommenden Jahren stärker wandeln müssen als je zuvor. Immer strengere Abgas- und Umweltvorschriften vor allem für Ballungsräume zwingen zu einem geradezu revolutionären Umdenken. Soll die Luftqualität in unseren Städten verbessert werden, muss der Verbrennungsmotor draußen bleiben. Und zwar nicht nur der Diesel, sondern auch der Benziner. Nicht sofort, aber schrittweise. Die sogenannten Umweltzonen sind die ersten Anzeichen. Helfen sie nicht, wird den Städten und Kommunen nicht anderes übrig bleiben, als Fahrzeuge mit Diesel und Benziner auszusperren. Einzige Alternative: Fahrzeuge mit Elektromotor.

Steuervorteil spätestens 2050 vom Tisch

Mit dem niedrigeren Steuersatz für Dieseltreibstoff wird spätestens 2050 Schluss sein, da Deutschland Mitglied der ZEV-Allianz ist. ZEV steht für „Zero Emission Vehicle“, also ein Fahrzeug, das keine Emissionen verursacht. Die Allianz hat sich verpflichtet, bis spätestens 2050 alle Fahrzeuge von den Straßen zu verbannen, die nicht emissionsfrei fahren. Mitglieder sind neben Deutschland bisher Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, acht US-Bundesstaaten (unter anderem Kalifornien) und die kanadische Provinz Quebec. Nur mit Hilfe von emissionsfreien Pkw, so die ZEV-Allianz, könne der weltweite Schadstoffausstoß um bis zu 40 Prozent verringert und der Klimawandel eingedämmt werden. Ein Verzicht auf Benzin- und Dieselantriebe würde eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen, schätzen Experten.

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