Der Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Wären da nicht die anderen Urlauber und allerlei Widrigkeiten, die man wirklich nicht hat kommen sehen. 5 kuriose Geschichten aus dem Urlaub, die vor Gericht landeten – und was die Richter dazu sagten.
Ratgeber: Reisemängel

Luxus, Schweiß & Blasmusik: 6 kuriose Urteile aus dem Reiserecht

Der Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Wären da nicht die anderen Urlauber und allerlei Widrigkeiten, die man wirklich nicht hat kommen sehen. 5 kuriose Geschichten aus dem Urlaub, die vor Gericht landeten – und was die Richter dazu sagten.

1. Rustikal: Cola-Kisten als Bett

Zweibettzimmer mit Zustellbetten für mitreisende Kinder sind in vielen Hotels üblich. Über die notwendige Qualität eines Zustellbettes lässt sich dabei durchaus streiten. Aber: Ein auf Cola-Kisten gelegter Bettrahmen erfüllt die Anforderungen nun wirklich nicht. So entschied das Amtsgericht Düsseldorf und sprach den Klägern fünf Prozent Reisepreisminderung zu (AZ 32 C 6159/97). 

Cola hält wach – insbesondere, wenn die Kisten als Schlafgelegenheit dienen sollen.

Cola hält wach – insbesondere, wenn die Kisten als Schlafgelegenheit dienen sollen.

2. Zum Einschlafen – oder auch nicht

Das Verhalten mancher Urlauber kann schon mal an den eigenen Nerven zerren. Doch die Zeit der Klassengesellschaft ist vorbei und so gilt unangenehmes Verhalten eben nicht als Reisemangel – egal, welche Hotel- oder Flugklasse man gebucht hat. Wer Business Class fliegt, um mehr Komfort zu haben, dann aber viele Stunden neben einem lautstarken Schnarcher sitzt, hat einfach Pech gehabt (Amtsgericht Frankfurt, AZ 31 C 842/01-83). 

3. Niveauflexibel

Aufgrund der Überbuchung eines Drei-Sterne-Hotels wurden viele Gäste in ein benachbartes Luxushotel verlegt. Viele davon fanden sich wohl rülpsend, nach Schweiß müffelnd und in Bademontur am Deluxe-Buffet ein. Ein eklatanter Reisemangel, fand der Kläger. Der Richter sah das anders: Mit solchen Phänomenen müsse man im Zeitalter des Massentourismus rechnen (Amtsgericht Hamburg, AZ 9 C 2334/94).

Peinliche Urlauber im Hotel sind zwar unangenehm, aber kein Reisemangel.

Peinliche Urlauber im Hotel sind zwar unangenehm, aber kein Reisemangel.

4. Störrische Natur

Das Meer auf den Seychellen trumpft mit störendem Wellengang auf, am Karibikstrand verursachen Sandflöhe Stiche und in Kenia beißen Affen? Gleich mehrere Gerichte mussten sich mit der Frage auseinandersetzen, ob landestypische Naturerscheinungen einen Reisemangel darstellen. Die Antwort fiel einstimmig aus: Nein. (Landgericht Hannover, AZ 1 O 59/09; Amtsgericht Köln, AZ 134 C 419/07; Amtsgericht München, AZ 111 C 24235/95).

Auch als Pauschaltourist ist man nicht vor Naturgegebenheiten gefeit.

Auch als Pauschaltourist ist man nicht vor Naturgegebenheiten gefeit.

5. Abflug verschwitzt

Ein Passagier müffelte beim Boarding so streng, dass man ihn nicht ins Flugzeug ließ. Er klagte und bekam Recht: Geht von einem Passagier eine so starke Geruchsbelästigung aus, dass die Beförderung für andere Passagiere unzumutbar ist, hätte das bereits beim Einchecken auffallen müssen, befanden die Richter. Hier hätte der Fluggast noch die Möglichkeit gehabt, seine Kleidung zu wechseln. So hat man ihm leichtfertig die Beförderung verweigert. Er und seine Frau konnten erst am nächsten Tag nach Hause fliegen.

Der Kläger verlangte Schadenersatz für die zusätzliche Überachtung und den unnötig aufgewendeten Urlaubstag seiner Frau. Das Gericht gestand ihm lediglich die Übernachtungskosten von 259,25 Euro zu (Oberlandesgericht Düsseldorf, AZ I-18 U 110/06).

Schweißgeruch ist kein Grund für einen spontanen Platzverweis im Flugzeug.

Schweißgeruch ist kein Grund für einen spontanen Platzverweis im Flugzeug.

6. Mit dem Alphorn in die Karibik

Auf einer Karibikkreuzfahrt erwartet man Cocktails mit bunten Sonnenschirmchen und den Klang von Steel Drums. Übernimmt dann allerdings eine Folklore-Reisegruppe aus der Schweiz die Planung, stehen schnell Blasmusik, Jodeln und Trachtentänze auf dem Programm. So erging es zwei deutschen Urlaubern auf einer mehrwöchigen Kreuzfahrt. Sie klagten vor dem Landgericht Frankfurt und bekamen Recht – ihr Reisepreis wurde um 40 Prozent gemindert (AZ 2/24 S 341/92).

Blasmusik statt lateinamerikanischer Klänge? Auf einer Karibikkreuzfahrt ein klarer Reisemangel.

Blasmusik statt lateinamerikanischer Klänge? Auf einer Karibikkreuzfahrt ein klarer Reisemangel.

Bewerten:
Weitere Inhalte in diesem Themenbereich
Leitartikel

Reisemängel: Wann gibt es Geld zurück?

Wenn der Traumurlaub nicht verläuft, wie geplant, ist das ärgerlich. Immerhin...

weiterlesen
Reisemängel: Wann gibt es Geld zurück?
Artikel

Individual- oder Pauschalreise: Definitionen, Vor- & Nachteile

Vor dem Urlaub sind einige grundlegende Fragen zu klären: Traumstrand oder Berge,...

weiterlesen
Individual- oder Pauschalreise: Definitionen, Vor- & Nachteile
Artikel

Mängelprotokoll: Reisemängel richtig dokumentieren

Schimmel im Bad, Baulärm vor dem Fenster oder schlechtes Essen. Entspricht Ihre...

weiterlesen
Mängelprotokoll: Reisemängel richtig dokumentieren
Artikel

Entgangene Urlaubsfreude & vertane Urlaubszeit: Schadensersatz?

Entspricht eine Reise nicht den gebuchten Bedingungen, ist das ärgerlich und...

weiterlesen
Entgangene Urlaubsfreude & vertane Urlaubszeit: Schadensersatz?