Flugreisenden steht eine Entschädigung zu, wenn ihr Flug ausfällt oder eine Verspätung von mindestens drei Stunden hat.
Rechtsfragen rund um den Winter

Winterchaos: Fahrgastrechte bei Ausfällen und Verspätungen

Ob Flugzeug, Bahn oder Bus: Im Winter ist im gesamten Beförderungsverkehr mit Verspätungen zu rechnen. Für Fahrgäste sind Zugausfälle und verspätete Flüge besonders ärgerlich; schließlich stehen sie mitunter über Stunden in der Kälte. Sie sollten sich in einer solchen Situation genau über ihre Fahrgastrechte informieren. Oftmals steht ihnen nach einem entsprechenden Antrag eine Entschädigung zu.

Schnee, Sturm und Blitzschlag: Sind Entschädigungen möglich?

Viel Schnee gehört zum Winter dazu, insbesondere für Kinder. Für Reisende und Piloten ist die weiße Pracht jedoch ein Albtraum. Ein plötzlicher Schneefall legt schnell den gesamten Reiseverkehr lahm und erhöht das Risiko von Unfällen. Ob Flugzeug oder Bahn: Ihnen steht oftmals eine Entschädigung zu, die nur in Ausnahmesituationen entfällt. Es kommt bei der Pflicht zur Entschädigung darauf an, ob sich das Verkehrsunternehmen auf die Witterungsbedingung einrichten konnte oder nicht.

Bahn: Welche Entschädigung dürfen Sie verlangen?

Die Bahn erstattet Ihnen bei Verspätungen von einer Stunde ganze 25 Prozent des Fahrpreises. Beträgt die Verspätung zwei oder mehr Stunden, haben Sie einen Anspruch auf Erstattung von 50 Prozent des Fahrpreises. Zukünftig wird es EU-weit eine neue Regelung geben. Dann erstattet Ihnen die Bahn bei einer Verspätung von einer Stunde die Hälfte des Fahrpreises. Bei einer Verspätung ab zwei Stunden erhalten Sie den Fahrpreis komplett zurück. Diese neuen Regelungen treten frühestens im Jahr 2020 in Kraft. Im nächsten Jahr bleibt also noch alles beim Alten. Sobald die Überarbeitung der neuen EU-Richtlinie abgeschlossen ist, sollten sich Bahnunternehmen zukünftig auch nicht mehr mit höherer Gewalt herausreden können.

Entschädigung bei Flugverspätungen

Flugreisenden steht eine Entschädigung zu, wenn ihr Flug ausfällt oder eine Verspätung von mindestens drei Stunden hat. Passagiere, die am Flughafen auf ihr Flugzeug warten, haben darüber hinaus noch weitergehende Rechte. Die Airline muss ihnen bei einer Wartezeit von über einer Stunde Essen und Trinken bereitstellen. Sie muss ihren Fluggästen ermöglichen, E-Mails zu versenden und Telefonate zu führen. Dauert die Verspätung länger, muss sie im Bedarfsfall ein Hotelzimmer bereitstellen.

Die Entschädigung ist abhängig von der Streckenlänge

Flugpassagiere haben bei Verspätungen einen gesetzlichen Anspruch auf eine Entschädigung. Dieser besteht unabhängig von dem tatsächlich gezahlten Fahrpreis. Es ist auch nicht relevant, ob es sich um eine Pauschalreise oder um einen Billigflieger handelt. Eine Entschädigung entsteht ab einer Verspätung von drei Stunden. Voraussetzung für eine Entschädigung ist, dass die Airline ihren Sitz in Europa hat oder in einem EU-Staat gestartet oder gelandet ist. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Länge der Flugstrecke und der Dauer der Verzögerung.  

- 250 Euro: Die Flugstrecke ist bis zu 1.500 Kilometer lang.

- 400 Euro: Die Flugstrecke ist länger als 1.500 Kilometer.

- 600 Euro: Die Flugstrecke liegt über 3.500 Kilometer. Die Airline darf die Entschädigung halbieren, sollte der Flug weniger als vier Stunden verspätet sein.

Streicht die Airline den Flug, erhalten die Fluggäste den Ticketpreis vollständig erstattet. Sie dürfen sich alternativ von einer anderen Airline befördern lassen und die damit verbundenen Kosten herausverlangen.

Warum werden Bahnreisende und Flugpassagiere unterschiedlich behandelt?

Bahnreisende bekommen relativ schnell eine Entschädigung, Flugpassagiere hingegen erst nach drei Stunden. Dies liegt darin begründet, dass sämtliche Entschädigungen aus EU-Richtlinien resultieren. Die EU macht Vorgaben für Entschädigungen, die dann jeder Mitgliedsstaat umzusetzen hat. Bei der Gesetzgebung berücksichtigen die Parlamente die Eigenarten der verschiedenen Transportmittel. Bei einem Zug sind Verspätungen durch eine gute Planung sehr oft vermeidbar. Bei Flügen, insbesondere längeren Flügen, kommt es eher zu Verspätungen. Dies liegt darin begründet, dass der Flugverkehr etwas kompliziert ist als der Bahnverkehr. Die Bahn ist dazu fähig, relativ genau zu planen. Dies ist bei Fernbussen nicht möglich, da sie oftmals in einen Stau gelangen, der nicht vorhersehbar ist.

Wann ist eine Entschädigung ausgeschlossen?

Eine Entschädigung ist ausgeschlossen, wenn „höhere Gewalt“ vorliegt. Dies ist der Fall, wenn ein unvorhersehbares Ereignis zu einem Ausfall oder einer Verspätung führt. Der Flug- oder Bahngesellschaft darf es nicht möglich gewesen sein, sich auf das Ereignis vorzubereiten, um es abzuwenden. Ein vermeidbares Ereignis liegt beispielsweise vor, wenn ein Busfahrer vergisst zu tanken. Oder wenn das Flughafenpersonal die Getriebe des Flugzeugs nicht enteist.

Was ist, wenn die Crew krank ist?

Die Flug-Crew ist erkrankt und Sie sitzen nun am Flughafen fest? Crewmitglieder sind auch nur Menschen. Erkranken einige von ihnen, müssen manche Passagiere aus Sicherheitsgründen am Boden bleiben. Dies ist allerdings kein unvorhersehbares Ereignis: Die Airline muss sich auf solche Situationen vorbereiten. Sie als Fluggast dürfen deshalb auf eine Entschädigung bestehen.

Was ist, wenn Tiere auf der Piste den Start verhindern?

Ein Vogelschwarm lässt sich auf der Flugbahn nieder und verhindert den Start? Normalerweise gibt es an Flughäfen Bussarde, die Vogelschwärme vertreiben. Deshalb kommt es nur selten zu Verzögerungen durch Tiere. Sollten sich dennoch Tiere auf der Flugbahn niederlassen, liegt zumeist „höhere Gewalt“ vor. Sie haben also keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Zumeist ist die Verspätung aber ohnehin so gering, dass daraus keine Entschädigung erwächst.

Beispiele für Flugausfälle: Hier besteht kein Entschädigungsanspruch

Fluggäste dürfen in den folgenden Situationen nicht auf eine Entschädigung hoffen:

- Unwetter: Ist das Wetter überraschend schlecht, müssen manche Flugzeuge warten. Sturm, Eisregen, Hagel und Nebel befreien die Airlines von ihren Zahlungsverpflichtungen.

- Aschewolken: Bei Naturkatastrophen, die Aschewolken auslösen, besteht kein Entschädigungsanspruch.

- Gewitterfront: Muss ein Flugzeug wegen einer Gewitterfront notlanden, besteht kein Entschädigungsanspruch.

- Gegenwind: Das Flugzeug verspätet sich wegen extremem Gegenwind? Dann hat der Passagier keinen Anspruch auf eine Entschädigung.

- Blitzschlag: Ein Blitz traf das Flugzeug? Dann ist die Maschine vor dem Start zu untersuchen. Die Airline ist nicht dazu verpflichtet, eine Entschädigung zu zahlen.  

In einer solchen Situation ist die Airline zur Zahlung einer Entschädigung verpflichtet:

Die Airline vergisst, Frostschutzmittel oder Enteisungsmittel einzukaufen. Verspätet sich der Flug, weil die Fluggesellschaft fahrlässig mit dem Nachschub dieser Mittel im Verzug ist, haben Sie als Passagier einen Entschädigungsanspruch. Sie hätte sich schließlich auf diese Situation vorbereiten können.

Fazit: Fahrgastrechte im Winter

Bus- und Flugreisende haben im Winter schlechte Aussichten auf eine Entschädigung. Die Beförderungsgesellschaften berufen sich sehr oft auf „höhere Gewalt“. Bei Verspätungen der Bahn erhalten Reisende hingegen sehr oft eine Entschädigung. Ihre Rechte als Fahrgast der Bahn werden sich ab dem Jahr 2020 noch einmal verbessern.

Matthias Wurm
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