Hühner im Garten, Bienen auf dem Balkon, Ziegen auf der Terrasse: Urban Farming liegt im Trend – doch was halten die Nachbarn davon? Rechtlich gibt es durchaus einiges zu beachten, wenn Sie Nutztiere halten wollen. Die wichtigsten Infos finden Sie hier.
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Urban Farming: Welche Tiere Sie in Ihrem Garten halten dürfen

Hühner im Garten, Bienen auf dem Balkon, Ziegen auf der Terrasse: Urban Farming liegt im Trend – doch was halten die Nachbarn davon? Rechtlich gibt es durchaus einiges zu beachten, wenn Sie Nutztiere halten wollen. Die wichtigsten Infos finden Sie hier.

Urban Farming: Schweine im Großstadt-Dschungel?

Urban Gardening ist ein Trend, der sich seit Jahren wachsender Beliebtheit erfreut. Doch manchem Großstadtgärtner reichen Tomaten, Kräuter und Salat vom Flachdach des Hochhauses nicht mehr aus. Da wird schon mal ein Bienenstock auf den Balkon gestellt oder versucht, ein Huhn auf der Dachterrasse zu halten. Dann wird aus Urban Gardening sogenanntes Urban Farming – und aus dem Selbstversorgerhobby (wenn Sie nicht aufpassen) ganz schnell ein Fall für das nächste Verwaltungsgericht.

Gärtnern in der Stadt – gesund, lecker und immer beliebter.Gärtnern in der Stadt – gesund, lecker und immer beliebter.

Gärtnern in der Stadt – gesund, lecker und immer beliebter.

Unabhängig von der Rechtslage und der Tierart, mit der Sie liebäugeln: Recherche und Kommunikation im Vorfeld können Ihnen viel Ärger ersparen. Beherzigen Sie deshalb diese Tipps:

  • Das Tierwohl steht an erster Stelle: Informieren Sie sich über die artgerechte Haltung der Tiere, die Sie sich zulegen wollen. Die ist oft anspruchsvoller als gedacht.
  • Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn bzw. Ihrem Vermieter, bevor Sie die Tiere anschaffen.
  • Informieren Sie sich beim örtlichen Bauamt über mögliche Vorschriften, bevor Sie viel Geld in den Bau großer Gehege oder Ställe investieren.
  • Sprechen Sie mit einem Tierarzt über vorgeschriebene Impfungen für die Nutztiere, die Sie sich anschaffen wollen.

Es gibt übrigens keine einzige Nutztierrasse, die sich in der Wohnung wohlfühlen würde. Urban Farming in der Hochhaussiedlung mag als Imker noch klappen, doch angehende Schäfer und Gänsehirten müssen dann wohl doch eher auf Suburban Farming zurückgreifen – oder ganz traditionell aufs Land ziehen.

Bienen im Garten oder auf dem Balkon: Das geht!

Bienen fühlen sich in der Stadt pudelwohl, weil sie hier viele verschiedene Blüten finden, während auf dem Land doch eher monokulturelle Einöde herrscht. Ein Bienenstock passt sogar auf einen kleinen Balkon, eignet sich also für den Urban Farmer von morgen. Lediglich anmelden müssen Sie die fleißigen Bestäuber. Dafür ist in der Regel das örtliche Veterinäramt zuständig.

Viel Platz braucht ein Bienenstock nicht: Er passt in den Garten, auf den Balkon oder das Flachdach.

Viel Platz braucht ein Bienenstock nicht: Er passt in den Garten, auf den Balkon oder das Flachdach.

Auch rechtlich gibt es wenig Einwände: Bienenhaltung gilt auch in Städten meist als ortsüblich und ist erlaubt – solange die Nachbarn nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Rechtlich werden Bienen dabei mit Lärm und Gestank gleichgesetzt, siehe § 906 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Zieht der Nachbar dennoch vor Gericht, ist es immer eine Einzelfallentscheidung, ob die Bienenhaltung zumutbar ist oder nicht. Ein bisschen Gesumme oder Bienenkot auf der Wäsche ist aber in der Regel nicht ausreichend, um eine Unterlassung zu erwirken.

Geflügel: Enten, Gänse & Hühner brauchen einen großen Garten

Hühner, Enten und Co. gelten als Nutztiere und unterliegen deshalb anderen Regelungen als Haustiere – selbst wenn sie nur hobbymäßig gehalten werden. Für das Federvieh gilt: Jeder einzelne Vogel muss bei der Tierseuchenkasse angemeldet werden und fällt beim Auftreten von Geflügelpest und Co. unter die Seuchenschutzverordnung. Das kann im Zweifelsfalle Stallpflicht oder Keulung (vorsorgliches Töten) bedeuten.

Noch bevor Sie sich Gedanken um Ihre Nachbarn machen, sollten Sie sich die Platzansprüche der Tiere vor Augen führen:

  • Hühner sollten mindestens zu dritt sein und brauchen dafür 70 qm Platz plus 10 qm für jedes weitere Huhn.
  • Laufenten müssen in Paaren gehalten werden und brauchen pro Paar 500 qm und eine Wasserstelle.
  • Gänse brauchen 400 qm pro Pärchen und mehrere Badestellen.

Der Versuch, diese Tiere auf dem Balkon zu halten, wäre also pure Tierquälerei und ist daher verboten.

Doch auch wenn genügend Platz da ist, bleibt die Frage: Darf man das? Hühner im Garten zu halten, ist bis zu einer Gruppengröße von 20 Tieren in der Regel kein Problem. Meist müssen sie auch in Wohngebieten geduldet werden. Wassergeflügel wie Gänse und Enten sind im Wohngebiet üblicherweise verboten. Haben Sie einen Schrebergarten, müssen Sie zwecks Geflügelhaltung in die Vereinssatzung schauen – und werden dort vermutlich ein Verbot finden.

Wassergeflügel ist recht pflegeintensiv.

Wassergeflügel ist recht pflegeintensiv.

Hinzu kommt bei der Geflügelhaltung: Frühmorgendliches Krähen oder dauerhaftes, lautes Geschnatter kann auch den nettesten Nachbarn irgendwann zermürben. Muss ein Gericht die Sache klären, werden in der Regel Krähzeiten festgelegt, die in der Realität aber kaum umsetzbar sind, sofern man keinen riesigen Stall mit Zeitschaltuhr an der Tür hat.

Und genau dieser riesige Stall ist ein weiterer Stolperstein für Geflügelfans: Ist das Hühnerhaus solide und unverrückbar, ist dafür nicht selten eine Baugenehmigung fällig. Mobile Ställe müssen zwar nicht vom Bauamt genehmigt werden, entsprechen aber auch nur selten den Bedürfnissen der Tiere.

Schafe & Schweine: Im Wohngebiet tabu

Für vierbeinige Nutztiere sieht es in Wohngebieten schlecht aus: Mini-Ziegen und Teacup-Schweinchen brauchen vielleicht weniger Platz als ihre großen Artgenossen, werden aber genauso als Nutztiere klassifiziert, was bedeutet:

  • Sie müssen gemeldet werden und fallen unter die Seuchenschutzverordnung.
  • Sie brauchen Ohrmarken.
  • Sie haben nichts in Wohngebieten verloren.

In ländlichen Gegenden kann das anders aussehen. Trotzdem bieten die Tiere viel Potenzial für Nachbarschaftsstreit:

  • Wer baut den hohen Zaun, der die Tiere drinnen und den Wolf draußen hält?
  • Wie viel Eberduft gilt noch als zumutbar?
  • Wer haftet, wenn die Schafe ausbrechen oder die Ziegen Nachbars Hecke ankauen?
Minischwein und Hund: Sie mögen beide gleich niedlich sein – eignen sich aber nicht gleichermaßen gut für die Haltung als Haustier.

Minischwein und Hund: Sie mögen beide gleich niedlich sein – eignen sich aber nicht gleichermaßen gut für die Haltung als Haustier.

Überlegen Sie sich also gut, ob Sie sich wirklich Kühe, Ziegen, Schafe oder Schweine zulegen wollen. Bei Streit beurteilt das Gericht immer den Einzelfall, sodass kaum zu sagen ist, wie Ihre Chancen dabei stehen würden.

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