Befassen Sie sich mit dem Thema Finanzierungen, werden Sie insbesondere im Bereich Bau- oder Immobilienfinanzierung zwangsläufig auf den Begriff Annuitätendarlehen treffen. Dabei handelt es sich nämlich um die Standardlösung, die in den meisten Fällen auch den optimalen Weg zu den eigenen vier Wänden darstellt - mit einigen Ausnahmen. Im Folgenden können Sie alle wichtigen Punkte nachlesen.
Arten der Finanzierung

Das Annuitätendarlehen

Befassen Sie sich mit dem Thema Finanzierungen, werden Sie insbesondere im Bereich Bau- oder Immobilienfinanzierung zwangsläufig auf den Begriff Annuitätendarlehen treffen. Dabei handelt es sich nämlich um die Standardlösung, die in den meisten Fällen auch den optimalen Weg zu den eigenen vier Wänden darstellt - mit einigen Ausnahmen. Im Folgenden können Sie alle wichtigen Punkte nachlesen.

Was ist ein Annuitätendarlehen?

Das wesentliche Merkmal eines Annuitätendarlehens ist die von vornherein festgelegte und gleichbleibende jährliche Rate der Rückführung der Schuld, die dieser Darlehensform ihren Namen gegeben hat: Annuität leitet sich nämlich aus "annus", dem lateinischen Wort für Jahr, ab. Die Rate setzt sich aus Zins und Tilgung zusammen, allerdings verschieben sich Laufe der Jahre die Anteile, ohne dass sich die Summe verändert. Diese Besonderheit ist der speziellen Berechnung der Zinsen geschuldet, denn diese wird jedes Jahr neu erhoben und dann immer nur auf die Schuld, die nach der Tilgung des Vorjahres effektiv noch zu Buche schlägt.

Welche Eigenschaften zeichnen ein Annutiätendarlehen aus?

Nehmen Sie beispielsweise ein Darlehen in Höhe von 160.000 auf und vereinbaren eine anfängliche Tilgung von 3,0 Prozent bei einem Bauzins von 1,5 Prozent, reduziert sich die Darlehensschuld nach einem Jahr um 4.833,13 Euro. Daraus resultiert eine Veränderung bei den anfallenden Zinsen: Während im ersten Vertragsjahr noch eine Zinsbelastung von 2.366,87 Euro anfällt, reduziert sie sich bereits im zweiten Vertragsjahr 2.293,84 Euro - die Differenz wird dem Tilgungsanteil zugeschlagen, der somit steigt. Die vereinbarte Annuität von 7.200 Euro bleibt hingegen konstant. 

Sollzinsbindung beim Annuitätendarlehen

Ein weiteres typisches Merkmal für ein Annuitätendarlehen ist nämlich die Sollzinsbindung, deren Dauer Sie abhängig von der aktuellen Lage am Zinsmarkt in Fünf-Jahres-Schritten vereinbaren können. Je kürzer Sie die Konditionen binden, desto günstiger ist der Zinssatz - und umgekehrt. Insbesondere in Zeiten extrem niedriger Zinsen lohnt sich eine möglichst lange Bindung, hier empfehlen sich 15, 20 oder gar 25 Jahre. Im Gegensatz dazu bleiben Sie mit hohen Zinsen mit einer kurzen Zinsbindungsfrist flexibel, schließlich kann sich während der Vertragslaufzeit das Zinsniveau wieder verändern. Steht zum Ablauf der Zinsbindungsfrist eine Restschuld offen, können Sie entweder komplett aus eventuell freien Mitteln tilgen oder eine Anschlussfinanzierung mit einer neuen Zinsbindung abschließen. In diesem Fall kann sich dann auch die ursprünglich vereinbarte Annuität verändern.

Das Annuitätendarlehen im Überblick:

  • Die jährliche Annuität wird vorher vereinbart, bleibt konstant und kann auch monatlich bestritten werden,
  • besteht aus Zins- und Tilgungsanteilen,
  • deren Größen sich mit der Reduzierung der Kapitalschuld verändern.

Damit stellt das Annuitätendarlehen sicher, dass Sie von Beginn an tilgen. Der anfängliche Tilgungssatz, den Sie im Finanzierungsvertrag vereinbaren, steigt somit sukzessive an, während die Zinsbelastung immer geringer wird.

Welche Vor- und Nachteile bietet ein Annuitätendarlehen?

Das Annuitätendarlehen weist durchaus eine ganze Reihe von Vorteilen auf:

Kalkulierbare Raten

Während der Sollzinsbindung bleibt die Annuität wie beschrieben konstant - Sie genießen also den Vorteil der Planbarkeit, auch wenn Sie sich auf eine monatliche Zahlweise einigen. Die Dauer der Zinsbindung variiert zwischen fünf und 30 Jahren, womit sich auch Volltilgerdarlehen umsetzen lassen, d. h. zum Ende der Zinsbindungsfrist ist auch die komplette Schuld getilgt.

Planbare Restschuld

Schon mit Vertragsabschluss wissen Sie, welche Restschuld zum Ablauf der Zinsbindung noch zu tilgen ist. Genauen Aufschluss gibt Ihnen der Zins- und Tilgungsplan.

Sofortiger Tilgungsbeginn

Mit jedem Vertragsjahr mindern Sie beim Annuitätendarlehen Ihre Schuldsumme, sodass auch die Zinsbelastung kontinuierlich abnimmt.

Die Nachteile des Annuitätendarlehens

Relativ starre Vertragsbedingungen

Während der Sollzinsbindung lassen sich Annuitätendarlehen in der Regel nicht ändern. Um Ihre Flexibilität zu wahren, können Sie jedoch Sondertilgungen vereinbaren, um die sonst erhobenen Vorfälligkeitsentschädigungen zu vermeiden. Die Bank gleicht so die Zinsausfälle aus, sollten Sie schneller tilgen, als dies zunächst vereinbart worden war. Darüber hinaus können Sie nach Ablauf von zehn Jahren Ihren Vertrag bei Bedarf kündigen - und das mit einer Frist von sechs Monaten.

Zinsrisiko zum Ablauf der Sollzinsbindung

Naturgemäß können Sie nicht vorhersehen, wie sich das Zinsniveau in Zukunft entwickelt. Läuft die Zinsbindung aus, droht somit das Risiko einer Konditionsverschlechterung, aber auch die Chance auf eine Verbesserung.

Für wen eignet sich ein Annuitätendarlehen?

In erster Linie sind Annuitätendarlehen dann sinnvoll, wenn Sie Wohneigentum für sich selbst finanzieren: Sie tilgen kontinuierlich und reduzieren somit das Zinsrisiko. Gleichzeitig erhöhen Sie die Chance, so schnell wie möglich vom schuldenfreien Wohnraum zu profitieren.

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