Grenzüberschreitende Ehen: Andere Länder, andere Sitten
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Grenzüberschreitende Ehen: Andere Länder, andere Sitten

Wer mit einem Ausländer verheiratet ist, sieht sich im Trennungsfall oft mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Welches Rechtssystem gilt und vor allem: Was folgt daraus?

Um den „interkulturellen Rosenkrieg“ zu vermeiden, sollte die Phase der Ehrschließung für den Ehevertrag genutzt werden. Gerade zu diesem Zeitpunkt ist es meist problemlos möglich, sich auf die wichtigsten Punkte für den Fall einer Trennung zu verständigen. Beste Basis: Beide Partner halten das Szenario für mehr als unwahrscheinlich und können sich damit großzügig zeigen. Der unterzeichnete Ehevertrag kann dann alle drei, vier Jahre überprüft und gegebenenfalls den Lebensumständen angepasst werden.


Nutzen Sie die Vertragsfreiheit in Deutschland


In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit. Sie können frei entscheiden, was im Ehevertrag steht, solange es nicht rechts- oder sittenwidrig ist. So lässt sich einvernehmlich regeln, wer im Trennungsfall was erhält, was als Hauptwohnsitz gilt und wie die Kindererziehung weitergehen soll. Wer den Partner dabei einseitig benachteiligt, könnte dennoch scheitern: Das Familiengericht kann unfaire Regelungen später noch kippen.


Der Ehevertrag bietet multinationalen Paaren also die Möglichkeit, ein „innerfamiliär zugeschnittenes Rechtsgefüge“ zu schaffen. So kann zum Beispiel die Zugewinngemeinschaft durch die Gütertrennung ersetzt werden, womit das Thema Finanzen im Trennungsfall teilweise entfällt.


Sind die Scheidungsregelungen EU-weit einheitlich?


In der EU geschlossene Ehen werden in allen EU-Staaten anerkannt. Dennoch gibt es gravierende Unterschiede. Versuchen Sie zum Beispiel als schwuler Mann in Rumänien den Bund fürs Leben zu schließen, werden Sie das schnell feststellen. Auch mit der Aufenthaltsfreiheit für die lesbische Gattin aus dem Kongo sieht es in der EU nicht unbedingt gut aus.


Wollen sich grenzüberschreitende Paare scheiden lassen, ist Beratung im jeweiligen Landesrecht erforderlich. Folgende EU-Länder konnten sich bereits auf einheitliche Scheidungsvorschriften einigen:


Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Ungarn.


Angewendet wird – so von Ihnen und Ihrem Partner nicht einvernehmlich anders beschlossen – in diesen 16 Staaten das Recht des jeweiligen Landes (absteigend):


  • in dem Sie und Ihr Ehepartner leben
  • in dem Sie zuletzt und bis vor einem Jahr zusammengelebt haben
  • dessen Staatsangehörigkeit Sie beide besitzen
  • in dem Sie die Scheidung tatsächlich einreichen
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