Generation Y und das Connected Car - Stimmt die Verbindung?
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Generation Y und das Connected Car - Stimmt die Verbindung?

Die Welt befindet sich im digitalen Wandel. Generation Y ist damit aufgewachsen und trifft nun auf eine neue Autogeneration, genannt Connected Car. Was sind die Erwartungen, was die Befürchtungen? Studien von Gfk und Deloitte suchen und finden Antworten.

Die Generation Y umfasst all jene, die zwischen Anfang der 80er- und Ende der 90er-Jahre das Licht der Welt erblickten – einer zunehmend digitalisierten Welt, weshalb sie auch als Digital Natives (digitale Ureinwohner) bezeichnet werden. Eine wesentliche Triebfeder dieser Entwicklung war und ist die Automobilindustrie, die fleißig am Connected Car bastelt, einem vollständig vernetzten Fahrzeugtyp, der in finaler Form selbstständig fährt. Wie sehr sich die Generation Y dafür begeistern kann, haben Deutschlands größtes Marktforschungsinstitut GfK und die Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte im Jahr 2015 untersucht und in zwei Studien festgehalten.

Eine Generation von Automuffeln?

Die Generation Y steht im Verdacht, kein großes Interesse an einem eigenen Auto zu haben. Gründe finden sich in den hohen Unterhaltskosten, der latenten Unfallgefahr oder der voranschreitenden Urbanisierung. Vor allem in Großstädten nutzen junge Menschen lieber öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing-Angebote, das Fahrrad oder die eigenen Füße, um von A nach B zu gelangen. Außerdem verlagert sich das Leben zunehmend in den virtuellen Raum, was dazu führt, dass materielle Statussymbole an Reiz verlieren. So liefern moderne Fahrzeuge zwar genügend rationale Kaufargumente, schaffen es aber immer weniger, Generation Y zu emotionalisieren.

Immer sicher und mobil bleiben

Mehr als nur Mittel zum Zweck

Aus Sicht der Autohersteller ist das zum Glück nur die halbe Wahrheit. Unter all den vielfältigen Mobilitätsangeboten ist ein eigenes Auto immer noch die einzige Möglichkeit, vollkommen frei und unabhängig zu sein – erstrebenswerte Attribute einer jeden Jugendgeneration. Diese besteht zudem aus vielen Jungmüttern und -vätern, wodurch mobile Flexibilität und gehobener Komfort verstärkt eine Rolle spielen. Somit bestätigt sich der eingangs geäußerte Verdacht nicht: Laut Deloitte Global Automotive Consumer Study beabsichtigen 76 % der Generation Y, bis zum Jahr 2020 ein Auto zu kaufen – nicht zuletzt wegen der innovativen Connected-Car-Services.

Sieben Konzepte auf dem Prüfstand

© /GfK 2015

Die GfK hat sieben Connected-Car-Services aufgelistet und rund 5800 Konsumenten aus sechs Märkten (Deutschland, Großbritannien, USA, Russland, China, Brasilien) um ihre Einschätzung gebeten. Am wichtigsten ist den 16- bis 34-Jährigen (Generation Y) die Sicherheit, die etwa durch den automatischen Notruf oder Car-2-Car-Kommunikation erhöht wird. Auf Rang 2 landet das Tracken von Daten, um Fehlerdiagnosen zu erstellen, Unfälle zu protokollieren und Reparaturkosten zu überprüfen. Und ex aequo auf dem dritten Platz rangieren autonomes Fahren (der automatische Parkassistent ist mit 70 % das insgesamt beliebteste Feature) und Entertainment-Funktionen. Für letztere sind 41 % gewillt, einen Aufpreis zu zahlen, für Sicherheitsupgrades hingegen nur 17 % – diese werden schlichtweg als Standard erwartet.

Sorge vor Hackern und Datenmissbrauch

Die Deloitte-Studie hat deutschlandweit 1500 Menschen interviewt und hierzu eine konkrete Zahl eruiert: 55 € ist die Generation Y im Durchschnitt und pro Monat bereit, für Connected-Car-Services auszugeben, wenngleich sich dieser Begriff in Deutschland noch nicht etabliert hat – zumindest war er der Hälfte der befragten Digital Natives nicht geläufig. Ebenso viele befürchten Hackerangriffe und knapp zwei Drittel rechnen mit dem Verkauf ihrer Daten an Dritte, würden das aber bei vollständiger Transparenz erlauben, falls im Gegenzug mehr Sicherheit oder bessere Versicherungskonditionen heraussprängen.

Generation Y als Hoffnungsträger

Damit neue Technologien wie Connected-Car-Services bei der breiten Masse ankommen, müssen sie zuerst eine kritische Nutzeranzahl erreichen. Die Hoffnungen ruhen auf Generation Y: Laut Deloitte-Studie planen rund drei Viertel nicht nur einen baldigen Kauf eines Wagens, sondern können sich auch vorstellen, diesem das Steuer zu überlassen. Das selbstfahrende Auto ist schließlich das ultimative Connected Car, hat aber noch einige rechtliche, technische und moralische Hürden zu überwinden – ganz abgesehen von der gehörigen Portion Vertrauen, die der Mensch gegenüber der Maschine erst aufbauen muss.

Der Konkurrenzdruck steigt

Somit befinden sich Automobilhersteller aktuell in einer heiklen Übergangsphase und spüren den Druck von Google und anderen IT-Firmen, die sich vor allem auf das Sammeln und Analysieren von Daten verstehen. Ein nicht unwesentlicher Vorteil, denn nur so lassen sich individuelle und personalisierte Angebote lancieren, wie es sich die Generation Y wünscht, während traditionelle Kriterien wie Motorleistung und Verbrauch eher nebensächlich sind. Hier müssen klassische Autobauer umdenken, um bei der Überfahrt ins autonome Autozeitalter nicht auf der Strecke zu bleiben.

MS
Autor/-in
Matthias Steidl
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