Das fängt ja gut an! Sie stehen voller Urlaubsvorfreude am Gepäckband des Zielflughafens und warten auf Ihren Koffer – aber der kommt nicht. Oder er kommt, ist aber ziemlich lädiert. Immerhin können Fluggäste auf Schadenersatz hoffen. So gehen Sie dabei vor.

Gepäck verloren oder beschädigt – was tun?

Das fängt ja gut an! Sie stehen voller Urlaubsvorfreude am Gepäckband des Zielflughafens und warten auf Ihren Koffer – aber der kommt nicht. Oder er kommt, ist aber ziemlich lädiert. Immerhin können Fluggäste auf Schadenersatz hoffen. So gehen Sie dabei vor.

Schaden der Fluggesellschaft sofort melden

Im Montrealer Übereinkommen haben sich Fluggesellschaften verpflichtet, weltweit für Schäden am Reisegepäck ihrer Fluggäste aufzukommen. Und zwar auch dann, wenn sie den Schaden nicht selbst verursacht haben. 

Wichtig ist es, den Schaden so schnell wie möglich zu melden: der Fluggesellschaft, dem Reiseleiter oder notfalls – wenn beides nicht möglich ist – am Informationsschalter des Flughafens. Die Meldung sollten Sie sich möglichst bestätigen lassen. 

Zusätzlich müssen Betroffene die Beschädigung innerhalb von sieben Tagen schriftlich per Fax oder Einwurfeinschreiben bei der Airline melden. Nur dann bleibt der Anspruch auf Schadenersatz bestehen. Eine E-Mail reicht als Schadensanzeige nicht aus! Folgende Informationen sollte die Meldung beinhalten:

  • Genaue Beschreibung des Schadens
  • Möglichst Fotos des Schadens
  • Flug- und Gepäcknummer
  • Abflughafen
  • Heimatadresse
  • Urlaubsadresse

Schadenersatz bis maximal 1.400 Euro

Nach der Meldung des Schadens hat die Airline Gelegenheit nachzuweisen, dass das Gepäck mangelhaft verarbeitet oder schon vor Reiseantritt beschädigt war – in dem Fall müsste sie nicht zahlen. Kann sie das aber nicht, haben Sie Anspruch auf Schadenersatz. Dabei gilt allerdings eine Obergrenze von 1.400 Euro für Gepäckstück und Inhalt. Mehr muss die Fluggesellschaft nicht zahlen, auch wenn der tatsächliche Schaden höher ausfällt. Wichtig: Es wird nur der Zeitwert des Gepäcks ersetzt, Sie können also nicht einfach einen neuen Koffer verlangen.

Tipp: Ein Foto vom Urlaubsgepäck vor dem Einchecken kann die Beweisführung erleichtern.

Die Airline darf den Schaden gemäß der für sie günstigsten Option beheben. Für Urlauber heißt das: Sie können den Koffer nicht einfach selbst reparieren lassen oder einen neuen kaufen. Stattdessen müssen Sie den Koffer der Fluggesellschaft übergeben, die den Schaden bei einem Vertragsunternehmen fachgerecht beheben lassen kann. In der Regel funktioniert das problemlos und zügig.

Für einen beschädigten Koffer leistet die Airline bis zu 1.400 Euro Schadenersatz.

Für einen beschädigten Koffer leistet die Airline bis zu 1.400 Euro Schadenersatz.

Gepäck verloren: Ersatzbeschaffung auf Kosten der Airline

Noch ärgerlicher ist es, wenn das Gepäck gar nicht auf dem Gepäckband auftaucht. Auch in diesem Fall gilt: sofort Meldung erstatten – möglichst vor Zeugen. Wenden Sie sich an den Lost & Found-Schalter der Fluggesellschaft, des Flughafens oder an Ihre Reiseleitung. Lassen Sie sich unbedingt einen Verlustbericht ausstellen. Bei Pauschalreisen setzen Sie zudem gemeinsam mit dem Reiseleiter vor Ort ein Schreiben auf, in dem Sie den Sachverhalt darstellen. Dies senden Sie an den Reiseveranstalter.

Bei Gepäckverlust muss die Airline – genau wie bei Beschädigungen – schriftlich per Fax oder Einwurfeinschreiben informiert werden, um den Anspruch auf eine Entschädigung sicherzustellen. Diesem Schreiben sollten Sie eine Kopie des Verlustberichts beilegen. Der höchstmögliche Erstattungsbetrag beläuft sich auch bei Gepäckverlust auf 1.400 Euro.

Wenn die Fluggesellschaft das Gepäck nicht findet, dürfen Reisende sich auf deren Kosten Ersatz für dringend benötigte Dinge wie Unterwäsche, Kosmetikartikel oder andere Kleidung beschaffen. Der Kauf von Luxusartikeln ist damit allerdings nicht abgedeckt. Denn Betroffene sind verpflichtet, die Kosten so gering wie möglich zu halten – die sogenannte Schadenminderungspflicht. Manche Airlines zahlen Geschädigten feste Tagessätze für solche Notkäufe aus. Bei anderen müssen Sie die Kosten zunächst vorstrecken und sie sich später unter Vorlage der Rechnungen erstatten lassen.

Bei Verlust des Gepäcks kann der Fluggast sich eine Grundausstattung auf Kosten der Airline besorgen.

Bei Verlust des Gepäcks kann der Fluggast sich eine Grundausstattung auf Kosten der Airline besorgen.

Pauschalurlauber können bei Gepäckverlust Reisepreis mindern

Für Pauschalurlauber gelten hinsichtlich ihres Gepäcks besondere Rechte. Haben Sie ihren Reiseleiter vor Ort oder – falls keine örtliche Reiseleitung verfügbar – den Reiseveranstalter in Deutschland fristgerecht schriftlich über den Verlust informiert, können Sie eine teilweise Erstattung des Gesamtreisepreises verlangen. 

Pro Tag ohne Gepäck steht Ihnen bei Pauschalreisen eine Erstattung von fünf bis 30 Prozent des Tagereisepreises zu. Taucht der Koffer den ganzen Urlaub über nicht mehr auf, sind Reisenden nach aktueller Rechtsprechung schon bis zu 50 Prozent des Gesamtreisepreises zugesprochen worden.

Tipp: Eine Notfallausstattung im Handgepäck schützt vor größerem Stress, wenn der aufgegebene Koffer verschwindet. Nehmen Sie Zahnbürste und Zahnpasta, frische Wäsche und ein T-Shirt zum Wechseln mit in die Kabine. Außerdem sollten wichtige Medikamente und technische Geräte immer im Handgepäck verstaut werden.

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