Die skurrilsten Gerichtsurteile aus aller Welt
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Die skurrilsten Gerichtsurteile aus aller Welt

Anwälte, Richter & Co. haben auch Humor! Das zeigen die folgenden lustigen Gerichtsurteile aus aller Welt. Dienstunfälle im Bierzelt, ein erfundener Doktortitel und ein Fluss, der zur lebenden Person erklärt wird: Auch bei den schrägsten Anträgen gehen Juristen immer mit genauester Akribie ans Werk.

Ein Doktortitel wie aus dem Asterix-Comic

Eine Tiermedizinerin fühlte sich als Frau diskriminiert, weil der ihr verliehene Doktortitel die männliche Form führte: „doctor medicinae veterinae“. Was für andere Doktoranden ein Grund zum Feiern ist, wurde bei der Dame zum jahrelangen Gerichtsstreit. Denn sie zog bis vors Verwaltungsgericht Hannover, um die Änderung ihrer Promotionsurkunde einzuklagen. „doctora“ sollte dort zu lesen sein. Das VG Hannover lehnte ihren Antrag jedoch ab. Zunächst einmal sei es nicht die Aufgabe der Bundesrepublik Deutschland, eine tote Sprache wie das Lateinische weiterzuentwickeln. Zum anderen sei die Endung „-a“ des gewünschten Titels nicht korrekt. Mit einem Lateinlehrbuch aus dem Jahr 1948 konnten die Juristen belegen: „Doctrix“ ist die korrekte weibliche Form des Titels. Wenn die Klägerin einen weiblichen Titel führen wolle, müsse sie damit Vorlieb nehmen. Die Tiermedizinerin lehnte diesen Titel jedoch dankend ab und gab ihren Fall verloren. Die Assoziation zu Asterix und Obelix empfand sie dann doch als zu „unwürdig“.

Textbezogenes Urteil: VG Hannover, Urt. v. 22.03.2000 – Az. 6 A 1529/98

Der Sturz von der Bierbank gilt als Dienstunfall

Da hat sich eine Lehrerin wohl allzu sehr mitreißen lassen! Denn bei einer Klassenfahrt besuchte sie mit den Schulkindern ein Bierzelt und stürzte dort von der Bierbank. Die Kosten für ihre ärztliche Behandlung sollte jetzt von der Krankenkasse für Beamten übernommen werden. Dazu musste allerdings zunächst geklärt werden, ob der Sturz von der Bierbank als Dienstunfall gelten darf. Das Verwaltungsgericht Stuttgart stimmte jedenfalls zu. Um ihren „pädagogische Gesamtauftrag“ zu erfüllen, muss die Lehrerin auch einen „Grundstock an Vertrauen zu den Schülern aufbaut“, heißt es im Urteil. Der Besuch des Bierzeltes gehörte deshalb zu den dienstlichen Aufgaben der Lehrerin. Und auch der Sturz von der Bierbank sei nicht zu vermeiden gewesen. Denn die Schüler tanzten ja längst auf den Bierbänken. Wäre die Lehrerin sitzen geblieben, hätte sie sich „ostentativ von ihren Schülern distanziert“. Dadurch hätte die Lehrerin sich wiederum von ihrem „pädagogischen Gesamtauftrag“ entfernt. Glück muss der Mensch haben! Die Schüler sollen übrigens zum Zeitpunkt des Unfalls nüchtern gewesen sein. Ob das auch auf die Lehrerin zutraf, ist nicht klar.

Textbezogenes Urteil: VG Stuttgart, Urteil vom 31.01.2014 – 1 K 173/13

Stinkende Fluggäste sind nicht zu befördern

Ein Mann zog vor das Oberlandesgericht Düsseldorf. Er verklagte eine Fluggesellschaft auf Schadensersatz. Einen Langstreckenflug von den USA nach Deutschland hatte er nicht antreten können. Zwei Minuten vor dem Start war er des Fliegers verwiesen worden. Der Grund dafür war die Beschwerde seiner Sitznachbarin über seinen starken Körpergeruch gewesen. Das OLG gab dem Kläger Recht. Denn dem Stewart hätte der Schweißgestank schon vor dem Boarden auffallen müssen. So hätte der Fluggast die Möglichkeit gehabt, dem Beförderungshindernis abzuhelfen. Fazit: Achten Sie darauf, dass sie nach dem Einchecken nicht mehr nach Schweiß stinken. Vorher ist es völlig gleichgültig.

Textbezogenes Urteil: OLG Düsseldorf v. 31.01.2007, Az. I-18 U 110/06

Gekaufter Sex ist kein Ehebruch

Eine betrogene Ehefrau wollte in Japan Schmerzensgeld von einer Hostess einklagen (die Japan Times berichtete über den Fall). Die Beklagte hatte jahrelang eine Affäre mit dem Ehemann der Klägerin geführt. Dadurch sei das „friedliche Eheleben“ gestört worden. Dem Richter leuchtete aber nicht ein, dass der Ehemann überhaupt Ehebruch begangen hatte! Denn die Hostess sei eine makura eigyo. Der japanische Begriff bezeichnet eine Frau, die in einem Nachtclub arbeitet und mit den Kunden schläft, damit diese Männer dem Etablissement weiter treu bleiben. Sie werde also indirekt bezahlt und sei deshalb mit einer Prostituierten gleichzusetzen. Und bezahlter Sex sei nach Ansicht des Richters kein Ehebruch. Der Schmerzensgeldantrag wurde deshalb auch abgewiesen. Die Ehefrau hätte gar keinen Schaden erlitten. Ob das der Klägerin wohl gereicht hat?

http://www.japantimes.co.jp/news/2015/06/10/national/crime-legal/surprise-tokyo-court-ruling-endorses-adultery-experts/#.WOtO5mmLTRZ)

Wenn der Fluss zum Lebewesen wird

Ein skurril klingendes Urteil wurde kürzlich in Indien verhängt. Es soll aber bei einem traurigen Sachverhalt Abhilfe schaffen. Der stark verschmutzte Fluss Ganges wurde vom Hohen Gerichtshof von Uttarakhand zu einem Lebewesen erklärt. Mit diesem Status soll der Fluss besser geschützt werden. Auch die Yamuna sowie die Nebengewässer der beiden Flüsse wurden zu lebenden Personen erklärt. Viele Ökosysteme in den beiden Flüssen stehen bereits vor dem Aus. Jetzt kann aber die Verschmutzung des Ganges wie die Körperverletzung eines Menschen geahndet werden. Der Ganges ist zwar für viele Gläubige in Indien heilig. Seine Verschmutzung mit Abwässern und Chemikalien aus der Industrie wird aber nicht als problematisch gesehen. Im Glauben der Menschen ist der Fluss immer rein.

http://www.livelaw.in/first-india-uttarakhand-hc-declares-ganga-yamuna-rivers-living-legal-entities/

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