Benzinpreise: In vielen Ländern ist das Tanken noch viel teurer
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Benzinpreise: In vielen Ländern ist das Tanken noch viel teurer

Wenn die Benzinpreise steigen, beginnt hierzulande das große Schimpfen. Doch haben wir wirklich Grund zum Klagen? Ein Blick auf andere Länder und deren Preise für Diesel und Super zeigt: Schlimmer geht immer!

Die Steuern machen Sprit so teuer

In Deutschland stagnierten die Kraftstoffpreise lange Monate auf niedrigem Niveau. Aktuell beginnen sie – angeschoben durch den OPEC-Plan zur globalen Drosselung der Ölförderung – wieder zu steigen. Da wird vielen Autofahrern umso deutlicher bewusst, was eine Tankfüllung kostet.

Dabei ist es gar nicht der Ölpreis, der Benzin und Diesel so teuer macht. Es sind die Steuern, die auf Kraftstoff erhoben werden. An vielen Zapfsäulen konnte man es lesen: 86 Cent gingen pro getanktem Liter im Sommer 2016 an Mineralölsteuer inklusive Energie- und Ökosteuer ins Staatssäckel – bei jedem Preisanstieg für Benzin hält auch die anteilige Mehrwertsteuer Schritt. Zusammen machen die Einnahmen mit etwa 58 Milliarden Euro knapp ein Fünftel des Bundeshaushaltes aus.

Literpreis – oder Stundenlohn?

Doch haben wir Grund zu klagen? In den Fünfzigerjahren musste man in Deutschland mehrere Stunden arbeiten, um einen Liter Benzin kaufen zu können. Heute sind es ganze sechs Minuten, sofern man das durchschnittliche deutsche Einkommen zugrunde legt. Da sind andere Länder schlechter dran: In Indien kostet der Sprit umgerechnet zwar nur 90 Cent pro Liter. Aber dafür muss dort etwa sechs Tage für eine durchschnittliche Tankfüllung gerackert werden. Ein Liter kostet 21 Prozent des Tageslohns – bei uns 1,3 Prozent.

Müssen wir neidisch sein auf Länder, in denen der Sprit fast nichts kostet? In Venezuela ist man mit einem Cent für den Liter Benzin dabei, aber dafür ist der auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesene Staat bankrott. Auch andere Ölförderstaaten lassen Einwohner und Gäste billig tanken, doch nur wenige möchten wohl für niedrige Spritpreise die glühende Sommerhitze Saudi-Arabiens oder Kuweits in Kauf nehmen.

Wir sind europäisches Mittelfeld

Wenn wir europäische Maßstäbe anlegen, gehören Deutschlands Spritpreise ins obere Mittelfeld. Wer grenznah wohnt und zum Tanken nach Luxemburg pendeln kann, freut sich über rund 20 Cent Ersparnis pro Liter. In Lettland mit derzeit 1,58 Euro pro Liter, in Dänemark (1,48 Euro) und Portugal (1,41 Euro) würde man dagegen sein Auto wohl lieber mit leerem Tank bis zur Grenze schieben, anstatt dort freiwillig die Zapfpistole zu zücken. Gleiches gilt auch für die anderen Länder Skandinaviens, für Italien und Griechenland. Dort langt der Staat dem Autofahrer noch tiefer in die Tasche als bei uns.

Denken Sie immer daran, dass Sie mit einer teuren Tankfüllung nur zum kleinen Teil zu den Gewinnen der Ölmultis beitragen – aber über die Steuer vorrangig heimische Schulen, Kindergärten und Straßen finanzieren.

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