Wer haftet für einen Unfall im Schwimmbad?
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Wer haftet für einen Unfall im Schwimmbad?

Sommer, Sonne, Schwimmbad: Deutschlands Bürger verbringen ihre Freizeit bei warmen Temperaturen gerne im Wasser. Doch was passiert, wenn sich im Schwimmbad ein Unfall ereignet? Können Sie den Bademeister oder das Schwimmbad in die Pflicht nehmen? Wie gehen Sie am besten vor, wenn Sie in einen Unfall verwickelt sind?

Tragische Ereignisse und langwierige Gerichtsprozesse

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat im Jahr 2014 tausende Badeunfälle registriert. Hierbei kamen ganze 392 Menschen ums Leben. Bei vielen Unfällen streiten die Beteiligten gerichtlich um die Folgen. Vorab: Die Bademeister in Schwimmbädern sind dazu verpflichtet, ihre Badegäste zu kontrollieren. Verletzen sie ihre Aufsichtspflicht, etwa weil sie abgelenkt sind oder nicht an ihrem Platz stehen, darf der Badegast seinen Schaden ersetzt verlangen.

Gleiches gilt, wenn das Schwimmbad überhaupt keinen oder zu wenige Bademeister eingesetzt hat. Bei einem solchen Organisationsverschulden ist das Schwimmbad als Betreiber in der Haftung, nicht der Bademeister selbst. Die Betreiber von Schwimmbädern sind oft Gemeinden, nur selten private Unternehmen.

Unfälle mit Kindern

Der Klassiker unter den Badeunfällen: Ein kleines Kind verunglückt und verliert das Bewusstsein. Hier muss der Bademeister das Kind zeitnah retten und wiederbeleben. Verletzt sich das Kind oder bleiben Schäden zurück, dürfen die Eltern des Kindes den Bademeister bzw. das Schwimmbad verklagen. Sie dürfen die Übernahme von Betreuungskosten sowie ein angemessenes Schmerzensgeld fordern.

Ob der Anspruch durchsetzbar ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. War der Bademeister aufmerksam? Waren zu wenige Bademeister vor Ort? Hat der Bademeister sofort gehandelt? Die Eltern tragen hier oft eine Mitschuld. Sie dürfen sich zwar darauf verlassen, dass der Bademeister ihr Kind im Blick hat. Allerdings: Kann der Nachwuchs noch nicht schwimmen, darf er nicht alleine in ein Schwimmbecken gehen. Gleiches gilt für bedürftige Personen, bei denen die Betreuungsperson die Aufsichtspflicht innehält.

Welche Pflichten haben Bademeister?

Ob ein Bademeister für einen Unfall haftbar gemacht werden kann oder nicht, hängt von der individuellen Situation ab. Bademeister müssen potentielle Gefahrenquellen erkennen und ausschalten. Sie müssen Kinder, die offensichtlich noch nicht gut schwimmen können, aus dem Becken bringen. Außerdem: Bademeister müssen das Schwimmbad permanent im Blick behalten und dürfen sich nicht über längere Zeit in einen „Plausch“ verwickeln lassen. Dies gilt sowohl in Schwimmbädern als auch an Stränden und Seen. Hier ist der Betreiber des Strandbades ebenso in der Pflicht wie in einem Schwimmbad.

Wichtig: Ehrenamtliche Helfer vom Roten Kreuz und Rettungsschwimmer vom DLRG setzen sich ebenfalls Haftungsrisiken aus. Diese sollten auf eine ordnungsgemäße Versicherung achten. Im Schwimmbad ergibt sich die Haftung des Betreibers aus der Zahlung des Eintritts. Am Strand oder Meer, wo der Badegast keinen Eintritt zahlt, ergibt sich die Haftung aus der Verkehrssicherungspflicht. Die Gemeinde, die den Strand unterhält, muss sämtliche Gefahrenquellen aus dem Weg räumen.

Profilbild von Matthias Wurm
Autor/-in
Matthias Wurm

Neben dem Studium der Rechtswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg schloss Matthias Wurm LL.M ein weiteres Studium in Corporate Governance and Financial Law an der Glashow University in Schottland ab. Seit 2018 promoviert er zum Dr. iur. an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In den Themengebieten Recht und als SEO-Spezialist ist er als Fachredakteur tätig. Er ist Mitglied der Rechtsanwaltskammer in Köln.

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