Für Autourlauber ist es eine Horrorvorstellung: Ein Unfall im Ausland. Sprachbarrieren, fremde Behörden und ausländische Versicherungen sind kompliziertes Terrain. Bewahren Sie im Ernstfall einen kühlen Kopf: Lesen Sie hier, wie man sich richtig verhält, wenn es auf ausländischen Straßen kracht.

Unfall im Ausland: Was tun, wenn es kracht?

Für Autourlauber ist es eine Horrorvorstellung: Ein Unfall im Ausland. Sprachbarrieren, fremde Behörden und ausländische Versicherungen sind kompliziertes Terrain. Bewahren Sie im Ernstfall einen kühlen Kopf: Lesen Sie hier, wie man sich richtig verhält, wenn es auf ausländischen Straßen kracht.

Vorbereitung: Das sollten Sie vor Ihrer Reise tun

Wer mit seinem Auto im Ausland unterwegs ist, sollte vorab die wichtigsten Telefonnummern im Handy speichern. Im Falle eines Unfalls haben Sie so bereits einen ersten Ansprechpartner. Zu den wichtigsten Nummern zählen:

  • Zentralruf der Autoversicherer: +49 (0)40 300 330 300 – hier erhalten Sie im Falle eines fremdverschuldeten Unfalls über das Kennzeichen die Kontaktdaten der gegnerischen Versicherung in Deutschland. Der Zentralruf gilt für Unfälle in allen EU-Ländern, sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.
  • Notfallnummer Ihrer Kfz-Versicherung
  • Telefonnummer Ihrer Rechtsschutzversicherung

Verfügen Sie über einen Auslandsschutzbrief, eine Mobilitätsgarantie oder sind Mitglied in einem Automobilclub, sollten Sie die entsprechenden Nummern ebenfalls speichern. Ist Ihr Wagen nicht mehr fahrtüchtig, bietet der Zusatzschutz wichtige Leistungen wie Abschleppdienste, Versand von Ersatzteilen oder die Überführung des Fahrzeuges.

Von Ihrer Kfz-Versicherung erhalten Sie die Internationale Versicherungskarte für den Kraftverkehr (IVK). In den EU-Staaten und den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) ist die „Grüne Karte“ zwar keine Pflicht mehr – der Versicherungsnachweis wird durch das Kennzeichen geführt – das Mitführen ist dennoch ratsam.

Auch der Internationale Unfallbericht ist eine wichtige Hilfe, wenn es gekracht hat. In den Bericht trägt jeder Beteiligte die wichtigsten Daten für die Schadensabwicklung ein – jeweils in der eigenen Sprache. Drucken Sie den im Internet frei zugänglichen Bericht daher vor Reiseantritt unbedingt auch in der Landessprache aus.

Informieren Sie sich im Vorfeld über die Verkehrsregeln am Zielort. Sind Sie auf die Besonderheiten des Linksverkehrs und unbekannte Verkehrszeichen vorbereitet, sinkt das Unfallrisiko.

Wenn es gekracht hat: So verhalten Sie sich richtig

Die wichtigste Regel lautet: Bleiben Sie unbedingt am Unfallort. Nachdem Sie das Warnblinklicht eingeschaltet, die Warnweste übergezogen und das Warndreieck aufgestellt haben, befolgen Sie diese weiteren Schritte:

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick – sind Personen verletzt, leisten Sie erste Hilfe und verständigen Sie den Rettungsdienst. Die Notruf-Nummer 112 gilt europaweit.
  • Dokumentieren Sie den Unfall mit Fotos und Videos vom Unfallort und den Fahrzeugschäden. Wählen Sie verschiedene Perspektiven und halten Sie Details wie Lackkratzer, Glassplitter und Bremsspuren fest.
  • Stellen Sie die beteiligten Fahrzeuge am Straßenrand ab.
  • Tauschen Sie die wichtigsten Daten mit dem Unfallgegner aus. Dazu gehören: Kennzeichen, Name, Adresse, Versicherungsanbieter und Versichertennummer.
  • Notieren Sie die Kontaktdaten möglicher Zeugen.
  • Verständigen Sie die Polizei. In einigen Ländern rückt diese zwar wegen geringfügiger Blechschäden nicht aus – dennoch sind Sie so auf der sicheren Seite. Denn: In Bulgarien, Kroatien, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei zahlt die Versicherung nur dann, wenn ein Unfallprotokoll der Polizei vorliegt.

Wichtig: Geben Sie kein Schuldanerkenntnis ab und unterschreiben Sie keine Dokumente, deren Inhalt Sie nicht verstehen. Kommt es zu einem Gerichtsverfahren führen vorschnelle Eingeständnisse zu Nachteilen.

Versicherung: Darauf sollten Sie achten

Die Mallorca-Police für EU-Länder und die Türkei beziehungsweise die Traveller-Police für Nicht-EU-Länder schützt Sie bei schweren Unfällen vor einem Deckungsausfall. Die gesetzlich vorgeschriebenen Deckungssummen für Personen- und Sachschäden belaufen sich in Deutschland auf 7,5 Millionen Euro beziehungsweise 1,22 Millionen Euro. Im Ausland sind diese Deckungssummen oft wesentlich geringer.

Vor allem in Nicht-EU-Ländern können ungeahnte rechtliche Hindernisse auftreten. In diesem Fall sollten Sie nicht zögern, einen Anwalt vor Ort einzuschalten oder sich an Ihre Rechtsschutzversicherung zu wenden. Gleiches gilt für schwere Unfälle mit Verletzten.

Bei einem Unfall im Ausland unterliegt auch die Schadensregulierung oft anderen Bestimmungen als im Inland. Hier gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die Kosten eines Mietwagens oder der Rückführung und Reparatur in Deutschland werden oft nicht von der gegnerischen Versicherung erstattet. Klären Sie am besten vorab, für welche Kosten die ausländische Versicherung aufkommt.

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