5 ungeklärte Mordfälle, die heute noch die Gemüter bewegen
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5 ungeklärte Mordfälle, die heute noch die Gemüter bewegen

Reale Mordfälle haben einen besonderen Reiz, das beweist schon der Erfolg des TV-Formats „Aktenzeichen XY …ungelöst“. Fall-Klassiker wie der Mordfall mit Amanda Knox als Hauptverdächtiger rufen bis heute Hobby-Detektive auf den Plan, die ihre Theorien im Netz diskutieren. Wir haben 5 der mysteriösesten Mordfälle unter die Lupe genommen. Raten Sie mit!

Ungeklärtes aus den USA

Amanda Knox: Der „Engel mit den Eisaugen“

Der Mordfall Meredith Kercher war Ende der 2000er Jahre in aller Munde. Die Regenbogenpresse freute sich über ein gefundenes Fressen: Ritualmord! Sexspielchen! Satansanbeter! Vier Austauschstudentinnen lebten zusammen im italienischen Perugia in einer WG. Die Engländerin Meredith Kercher wurde am 1. November 2007 tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Sie lag nackt unter einem Federbett, mit durchtrennter Kehle. Schnell geriet ihre Mitbewohnerin unter Verdacht, die Amerikanerin Amanda Knox, sowie deren damaliger Freund Raffaele Sollecito. Eine Sexorgie sollte aus dem Ruder gelaufen sein. Wegen ihrer hellblauen Augen bekam Knox schnell den Spitznamen „Engel mit den Eisaugen“ von der Presse verliehen. Es ist gesichert, dass die Tat von mehreren Tätern begangen wurde. Aber waren Knox und Sollecito die Mörder? Die Irrfahrt durch die italienische Justiz dauerte bis 2015: Dann wurden die beiden Hauptverdächtigen zum zweiten Mal freigesprochen. Sie hatten bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht. Stattdessen sitzt bis heute der Ivorer Rudy Guede ein. Seine DNA wurde am Tatort gefunden, die von Knox und Sollecito letztendlich nicht. Es stellt sich bis heute die Frage, wer die weiteren Täter waren. Guede bestritt noch 2016 in einem Fernsehauftritt seine Schuld.

Ein Mordfall als Internet-Phänomen: „Serial“

Ende 2014 schlug der „Serial“-Podcast ein wie eine Bombe. Eine Journalistin rollte einen realen Mordfall wieder auf und präsentierte Woche für Woche ihre Ergebnisse. Der Podcast wurde zu einem Internet-Hype, der Mordfall überall fleißig von Hobby-Detektiven diskutiert. Darum geht es in „Serial“: Die 17-jährige Hae Min Lee aus Baltimore wurde im Januar 1999 als vermisst gemeldet. Einige Wochen später fand man ihre Leiche in einem Stadtpark. Sie war erwürgt worden. Ins Visier der Ermittler geriet kurz darauf ihr Ex-Freund, der gleichaltrige Adnan Syed. Denn jetzt kam Adnans Freund Jay ins Spiel. Er sagte aus, Adnan habe ihm die Tat gestanden und ihn dann erpresst, beim Vergraben der Leiche zu helfen. Dies bestritt der Beschuldigte, konnte aber nie ein Alibi für die Tatzeit vorweisen. Adnan Syed wurde 2000 zu lebenslanger Haft verurteilt. „Serial“ deckte nun in zwölf Episoden die Ungereimtheiten des Falles auf. Wer hat nun gelogen? Warum wurde die entscheidende Zeugin nie vernommen? Und was können die Satellitendaten von Adnans Handy wirklich aussagen? Und der Krimi hat immer noch kein Ende: Im Juli 2016 wurde bekannt, dass Adnan Syed einen neuen Prozess bekommt. Bis dahin sei jedem, der gut Englisch kann, der Podcast empfohlen: serialpodcast.org

Ungeklärtes aus Deutschland

Das junge Mädchen aus dem Main

Dieser Fall setzte den zuständigen Ermittlern besonders zu. Im Juli 2001 fanden Spaziergänger die Leiche eines jungen Mädchens am Ufer des Mains. Die Leiche war nackt in ein Bettlaken gewickelt und mit einem Sonnenschirmständer beschwert worden. Bald begann eine internationale Spurensuche. Denn die Leichenschau ergab, dass das etwa 16-jährige Mädchen seit frühester Kindheit misshandelt wurde. Ihr Tod war durch Verletzungen infolge von Schlägen auf den Oberkörper eingetreten. Ein DNA-Test grenzte ihre Heimat außerdem auf die Gegend von Nordindien, Pakistan oder Afghanistan ein. Monatelang suchten die Frankfurter Ermittler nach Indizien und reisten sogar in die genannten Länder, um Fahndungsplakate aufzuhängen. Es wurden unzählige Verhöre geführt. Die tote Unbekannte hatte wahrscheinlich in Deutschland als Dienstmädchen gearbeitet und war von ihrem Arbeitgeber misshandelt worden. Ähnliche Fälle waren bereits bekannt geworden, nur noch keiner mit solch grausamem Ausgang. Der Mordfall des Mädchens aus dem Main bleibt bis heute ungelöst.

Erstochen im Auto

Der rätselhafte Tod der 24-jährigen Maria-Luise Artmeier ist einer der ältesten ungelösten Morde in München. An einem Freitagabend im Jahr 1974 fuhr ein roter Ford Escort scheinbar unkontrolliert über die Schleißheimer Straße in München. Er erfasste sogar noch zwei Passantinnen, als er über den Gehweg schleuderte. Am Steuer fand man die leblose Maria-Luise Artmeier. Sie war durch einen Stich ins Herz getötet worden. Trotz der tödlichen Verletzung konnte sie noch 200 Meter weit fahren. Artmeier war zuvor mit Freunden zum Essen verabredet gewesen und stieg danach in der Wertherstraße in ihren Wagen. Wahrscheinlich hatte ihr Mörder ihr am Auto aufgelauert. Einer anderen Theorie zufolge hatte sie ihren Mörder gekannt und in ihr Auto einsteigen lassen. Bis heute ungelöst ist der Fall, weil der Täter keinerlei Spuren im Auto hinterließ. Auch die Tatwaffe blieb verschollen.

Die Mordnacht von Hinterkaifeck

Der unheimliche Fall von Hinterkaifeck (er wird auch im Roman „Tannöd“ verarbeitet) beschäftigt auch heute noch viele Grusel-Touristen und Hobby-Ermittler. Im März 1922 kam auf einem einsamen gelegenen Hof bei Ingolstadt eine 5-köpfige Familie sowie eine Dienstmagd äußerst brutal zu Tode. Allen wurde der Schädel eingeschlagen. Die Opfer wurden erst vier Tage später gefunden. Die Polizei stellte aber fest, dass In der Zwischenzeit das Vieh weiter versorgt worden war. Der oder die Täter müssen sich also noch tagelang am Hof aufgehalten haben. Auch zwei kleine Kinder gehörten zu den Mordopfern. Abwehrverletzungen konnte die Polizei nicht feststellen, die Opfer haben deshalb ihren Mörder vermutlich gekannt. Nach kurzer Zeit kursierten die tollsten Theorien: War vielleicht der tot geglaubte Ehemann der Hofbesitzerin zurückgekehrt, um sich zu rächen? Die Frau hatte schließlich noch nach seinem Tod ein uneheliches Kind bekommen – vermutlich ein Produkt der Inzest-Beziehung zu ihrem Vater. Im Jahr 2007 nahmen sich 15 Polizeischüler aus Fürstenfeldbruck des Falls noch einmal an. Sie haben sich wohl auf einen Hauptverdächtigen geeinigt, aber ihr Bericht darf nicht an die Öffentlichkeit dringen. Dort, wo der Einödhof Hinterkaifeck stand, ist heute übrigens Ackerland. Der Hof wurde ein Jahr nach den Morden abgerissen.

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