Viele Pflanzen sich unterschiedlich verwertbar.

Ernte und Verarbeitung

Ihre Kräuter gedeihen gut auf dem Balkon oder im Garten. Trotz ständiger Ernte für den täglichen Gebrauch sind Ihre Pflanzen ständig gewachsen und versprechen einen hohen Ertrag.

Die Menge eignet sich für eine Haltbarmachung oder eine Verarbeitung, die über die Herstellung des sommerlichen Salatdressings oder die Marinade des Grillguts hinausgeht? Dann lassen Sie uns Ernten! 

Der beste Zeitpunkt für eine umfassende Ernte ist kurz vor der Blütezeit, da hier die Kräuter ihren größten Aromagehalt aufweisen. Ernten sollten Sie nicht, wenn die Pflanzen einer längeren Regenperiode ausgesetzt waren, da die Inhaltsstoffe stark verwässert sind. Die beste Tageszeit ist der Morgen, da die Pflanzen hier ihren höchsten Anteil an ätherischen Ölen herausgebildet haben, der im Verlauf des Tages – besonders unter Sonneneinstrahlung – wieder deutlich sinkt.

Kräuter haltbar machen

Um Ihre Kräuter für den späteren Genuss aufzubewahren, gibt es sowohl Jahrhunderte alte Verfahren als auch neuzeitlichere Methoden. 

Kräuter trocknen

Eine naheliegende Verarbeitung ist die Trocknung. Bevor Sie Ihr Kräuterprojekt in Angriff genommen haben, sind in Ihrem Würzrepertoire ja sicherlich auch die getrockneten, gehackten, gerebelten Gewürze aus dem Supermarkt zum Einsatz gekommen. Die können Sie nun selbst herstellen – und in schöneren Gefäßen aufbewahren als in Plastik- oder Blechdosen vom Hersteller. Besonders gut zum Trocknen eignen sich Bohnenkraut, Melisse, Thymian, Rosmarin, Lavendel und Pfefferminze. Ungeeignet sind zum Beispiel Schnittlauch und Kresse, die ihre Farbe und den Geschmack verlieren. Aber prinzipiell können Sie Ihre komplette Ernte trocknen und testen, mit welchem Kraut Sie die besten Ergebnisse erzielen. Hängen Sie die Kräuter in Sträußen, mit der Schnittkante nach oben, an einem schattigen, gut belüfteten und nicht zu warmen (max. 30°C) Ort auf – zum Beispiel auf dem Dachboden. Vermeiden Sie, die Kräuter stark zu zerkleinern, um das Aroma zu bewahren. Sie konservieren die ätherischen Öle am besten, wenn Sie die Kräuter so trocknen, wie Sie sie geschnitten haben. Machen Sie die Büschel nicht zu groß und lassen Sie ein wenig Abstand zwischen ihnen, um einer Schimmelbildung vorzubeugen. Auch gelegentliches Lüften hilft dabei. Wenn die Bündel rascheln und zwischen den Fingern knistern, sind sie fertig getrocknet.  

Kräuter auf Papier, Mull oder Küchenpapier auslegen

Alternativ lassen sich die Kräuter auch auf Papier, Mull oder Küchenpapier auslegen – nehmen Sie aber bitte kein Zeitungspapier, denn das enthält unter Umständen gesundheitsgefährdende Substanzen! Schneller, wenn auch teurer, geht es im Backofen oder im Dörrautomat. Allerdings muss mit Aroma-Einbußen gerechnet werden, da sich die ätherischen Öle bei Wärme verflüchtigen. Nach dem Trocknen sollten Sie die Kräuter rasch weiterverarbeiten, indem Sie sie zerkleinern, hacken oder rebeln und in passende, gut verschließbare Gefäße füllen. Übrigens: Durch das Trocknen erhalten manche Kräuter wie Oregano, Thymian und Bohnenkraut ein noch stärkeres Aroma, als in ihrem frischen Zustand! In dem letzten Arbeitsschritt lassen sich auch Kräutermischungen herstellen, indem Sie verschiedene getrocknete und zerkleinerte Kräuter vermengen und abfüllen. 

Kräuter einfrieren

Das Haltbarmachen im Eisfach oder in der Tiefkühltruhe ist das neuzeitliche Pendant zur vorher beschriebenen „Kräuterhexen-Technik“. Zum Einfrieren eignen sich prinzipiell alle Küchenkräuter – manche mehr, manche weniger. Aromaverlust ist bei Thymian und Oregano zu erwarten – diese daher besser trocknen. Eingefrorene Kräuter können Sie bis zu sechs Monate aufbewahren. Wenn Sie Ihre Ernte zusätzlich vakuumieren, dann können Sie sogar noch zwölf Monate nach dem Einfrieren Ihre Kräuter ohne Aromaverluste genießen. 

Überlebenschance der Aromen beim Einfrieren 

Der Vorteil beim Einfrieren ist die generell bessere Überlebenschance der Aromen, von den genannten Ausnahmen abgesehen. Waschen Sie Ihre Kräuter gründlich und tupfen Sie diese vorsichtig mit einem Küchentuch ab. Zerkleinern oder hacken Sie die Kräuter fein und füllen Sie diese sofort in einen geeigneten Behälter, der sich verschließen lässt, um Gefrierbrand vorzubeugen. Dies kann auch ein Gefrierbeutel sein. Wenn Sie die Kräuter nach dem Rezept Ihrer favorisierten Salatkräutermischung vermengt haben, können Sie diese anschließend in einem Eiswürfelbehälter frosten und danach in ein verschließbares Gefäß umfüllen. Dann haben Sie stets eine gut zu portionierende Menge zur Hand. 

Aromen der Kräuter lösen sich in Öl 

Die Aromen Ihrer getrockneten Kräuter lösen sich ausgezeichnet in Öl und die Kräuter bleiben überdies lange haltbar.

Wenn Sie die Kräuter bei dieser Konservierungsmethode in den Vordergrund stellen möchten, dann befüllen Sie ein Gefäß mit Kräutern und fügen Öl hinzu, bis alles bedeckt ist. Wenn Sie aber ein Öl aromatisieren möchten, dann ändern Sie das Mischverhältnis zu mehr Öl und weniger Kräutern. Nach ungefähr vier Wochen Lagerung können Sie Ihr Ergebnis testen.

Ihre Kreativität ist gefragt:

  • Die Art des Öls hat starken Einfluss auf das geschmackliche Endergebnis. Unterschiedliche Olivenöle mit starkem Eigengeschmack eignen sich für vielfältige Verwendungen von der Marinade fürs Grillgut bis zum Salatdressing. Geschmacksneutrale Öle, wie zum Beispiel Rapsöl, stellen das unverfälschte Kräuteraroma sicher.
  • Probieren Sie ruhig eigene Kräutermischungen aus. Ein aromatisiertes Öl oder eine eingelegte Kräutermischung aus Bohnenkraut, Thymian und Rosmarin katapultiert Sie in die Sonne der Provence. Eine blumige Note erhalten Sie durch die Zugabe von Lavendel. Wenn Sie einige Chilis, ganz oder gehackt, hinzufügen haben Sie zum Kräuteraroma auch gleichzeitig eine scharfe Würze.
  • Bei der Wahl des Gefäßes, des Verschlusses, der Etikettierung und bei der Gestaltung der Kräuter-Öl-Mischung in dem Gefäß können Sie Ihre dekorativen Geschicke spielen lassen. Eine Reihe klarer Glasgefäße - Einmachgläser oder Flaschen in verschiedenen Formen und Größen - macht sich in jeder Küche gut! Außerdem sind sie auch ein schönes und individuelles Geschenk oder Mitbringsel.

Kräutertee aus Ihren getrockneten Kräutern

Mit Ihren getrockneten Kräutern können Sie sich in der ungemütlichen Jahreszeit wunderbar aufwärmen, die Arbeitsschritte des letzten Sommers – Aussaat, Pflanzung, Pflege, Ernte – Revue passieren lassen und Ihr neues Kräuterprojekt mit den gewonnenen Erfahrungen für die kommende Saison planen. Kreieren Sie sich – natürlich in Abhängigkeit Ihrer Ernte – verschiedene aromatische, gesunde und sogar heilende Tees. Zu einer Kräuterteemischung gehören auch Blüten zum Beispiel Rose, Apfel, Hibiskus, Malve oder auch die Blüten Ihrer Kräuter. Diese konservieren Sie nach demselben Trocknungsverfahren wie Ihre Kräuter. Ein Gemisch aus Pfefferminz (6 Teile), Brennesselblätter (1 Teil), Zistrosenblätter (2 Teile) und Rosenblüten (1 Teil) ergibt einen aromatisch-herben Tee, der durch die Zugabe der Rosenblätter nicht nur wunderbar duftet, sondern eine appetitliche Färbung erhält. 

Heilwirkung der getrockneten Kräuter

Wenn Sie sich bei der Auswahl Ihrer gepflanzten Kräuter eher an deren Heilwirkung als am Aroma orientiert haben und etwa Baldrian, Johanniskraut oder Hopfen angebaut und geerntet haben, stehen Ihnen viele Kombinationen für Tees zur Verfügung, die einen vorbeugenden oder heilenden Effekt für Ihre Gesundheit haben. Aber selbst viele Küchenkräuter, in heißem Wasser aufgebrüht, verfehlen diese Wirkung nicht: Salbei hilft gegen Entzündungen im Mund und Rachenbereich; Estragon ist schmerzstillend und hilft unter anderem bei Husten und Fieber; Petersilie und Pfefferminze helfen gegen Verdauungsstörungen; Rosmarin wirkt bei Durchfall.  

Getrocknete Kräuter zur Aromatherapie

Neben den bereits genannten Verarbeitungsvarianten gibt es viele weitere Möglichkeiten, Ihre Kräuterernte zu verwenden. Speziell ausgewählte, stark und gut duftende Kräutersorten in ein Säckchen gepackt, unterstützen nicht nur eine Aromatherapie, sondern sorgen auch für Wohlgeruch im Kleiderschrank – wer erinnert sich nicht an Oma´s Lavendelbeutelchen?

Frischen und nachhaltigen Raumduft aus getrockneten Kräutern

Oder Sie kreieren eigene Potpourris, indem Sie getrocknete Kräuter mit Blüten anderer Pflanzen aus Balkon und Garten kombinieren: Minze, Oregano, Waldmeister, Melisse, Kamille und viele weitere Ingredienzen eignen sich dazu. Ihre Mischung in eine dekorative Schale gefüllt garantiert einen frischen und nachhaltigen Raumduft ohne den Einsatz von Treibgas und Chemie. 

 Kräutersalz aus dem Kräutergarten

Eine eigene Kräutersalz-Erfindung? Eine Prise Salz und fünf Handvoll getrocknete und zerkleinerte Kräuter wie Petersilie, Bohnenkraut, Salbei und/ oder Thymian werden im Mörser fein zerrieben. Anschließend wird das leuchtend hellgrüne Pulver in ein dekoratives verschließbares Gefäß gefüllt und bietet die gleiche Verwendung wie Ihre Öl-Mischung: als Küchendeko, Würzmischung oder als Geschenk.

Mit den Kräutern eigene Salben herstellen

Ein weiteres Projekt, dass Sie beim Genuss Ihres Kräutertees in Angriff nehmen können, ist die Herstellung eigener Salben, bei denen die heilenden Wirkstoffe der Kräuter in die Salbe übertragen werden. Die einzelnen Arbeitsschritte sind jedoch sehr komplex und würden den Rahmen unseres Küchenkräuter-Ratgebers an dieser Stelle sprengen. 

Wir hoffen, dass wir Sie zu einem oder mehreren der aufgeführten Projekte anregen konnten. Vergessen Sie nicht, dass Sie sich zu allen der genannten Schritte – Anzucht, Anlage, Pflanzung, Pflege, Ernte und Weiterverarbeitung – weitere Hilfe holen können, wenn es mal klemmt. Entweder im Gartenfachhandel oder Baumarkt, in Büchern und Zeitschriften oder Sie stürzen sich in die Tiefen des Internets, wo Sie sicherlich noch viele weitere Anregungen finden. Viel Erfolg!

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