Kalkfarbe - Was ist das?
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Kalkfarbe - Was ist das?

Die historische Verwendung von Kalkfarbe reicht bis zu den Menschheitsanfängen zurück: Schon für die Steinzeit konnte die Verwendung dieses natürlichen Anstrichmittels nachgewiesen werden. Die Grundstoffe kommen in der Natur reichlich vor. Und es braucht nur wenige Ingredienzen, um die beständige und gesunde Farbe herzustellen. Dieser Artikel gibt Auskunft, woraus jene Kalkfarbe besteht, die schon unsere neolithischen Vorfahren auf ihre Wände weißelten. Es wird gezeigt, mit welchen natürlichen Zutaten Sie Ihre eigene Kalkfarbe anrühren können. Und es wird ein Blick auf die Inhaltsstoffe modifizierter Fertig-Kalkfarben geworfen. 

Inhaltsstoffe traditioneller Kalkfarbe 

Grundstoff der Kalkfarbe ist Kalkstein - reiche Vorkommen liegen in Süddeutschland, der Schweiz und dem österreichischen Alpenvorland. Der Kalkstein wird bei 1000 Grad gebrannt. Dadurch einsteht Branntkalk. Der mit Wasser gelöschte Branntkalk heißt Löschkalk (syn. Kalkhydrat). Unter der Bezeichnung CL 90 ist er in Baumärkten und Fachgeschäften zu finden.

Fügen Sie dem Löschkalk wenig Wasser hinzu, entsteht eine Masse von teigiger Konsistenz. Diese wird Sumpfkalk, Fettkalk oder Kalklauge genannt. Wenn Sie das zähflüssige Produkt mit weiterem Wasser verdünnen, erhalten Sie Kalktünche oder Kalkmilch. Der Auftrag dieses dünnflüssigen Anstrichmittels mit Bürste oder Quast wird weißeln genannt: Die natürlichste Art, seine Außen- und Innenwände mit Kalkfarbe zu schützen und zu verschönern.

Vorsicht:

Kalklauge ist ätzend. Schützen Sie Ihre Hände und ihre Augen vor ihr. Lassen Sie sie nicht ins Trinkwasser gelangen.

Inhaltsstoffe traditioneller bunter Kalkfarbe 

Kalkfarbe beinhaltet wenige natürliche Grundstoffe. Wie diese Farbe wirkt und schützt, können sie in Griechenland bewundern, wo die weißen Häuser und Kirchen Ihnen entgegenstrahlen. Wer nicht weißeln will, muss seiner Kalkfarbe Pigmente hinzufügen. Dabei gilt: Kalk vermag nur eine kleine Menge kalkechter Buntpigmente zu binden. Die Obergrenze liegt bei fünf Prozent. Zusatzstoffe verbessern die Streichfähigkeit und Abriebfestigkeit von Kalkfarbe. Ein natürlicher Klassiker ist Quark, der in drei Prozent der Gesamtmenge ergänzt wird. 0,5 Prozent Leinöl erhöht die Wetterfestigkeit der Kalkfarbe. 250 Gramm Kochsalz auf 40 Liter Kalkfarbe tragen zur Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb bei. Auf diese Weise erhalten Sie eine durch und durch natürliche Kalkfarbe in zarten Pastelltönen: Kräftige Färbungen sind wegen der geringen Pigmentbindung nicht möglich. 

Inhaltsstoffe moderner Kalkfarbe 

Moderne Kalkfarben aus dem Handel können aufgrund ihrer Inhaltsstoffe in zwei Kategorien aufgeteilt werden: Kalkfarben basierend auf natürlichen Ingredienzen und solche, deren Rezeptur durch künstliche Zugaben "modernisiert" worden ist. Die natürliche Kalkfarbe basiert auf den bekannten Grundstoffen. Dazu kommen Füllstoffe/Additive wie Titanweiß, Zement, Marmormehl, Naturharze oder Zellulose, um Glanz, Deckkraft oder Abriebfestigkeit zu verbessern.

Bei der zweiten Kategorie kann im eigentlichen Sinne nicht mehr von Kalkfarbe gesprochen werden, wenn als Bindemittel Acrylat benutzt wird oder ein hoher Anteil von Kunstharzdispersion zugesetzt worden ist. Durch diese Verfälschung verliert die Kalkfarbe jene Eigenschaft, für die sie im biologischen Renovieren so geschätzt wird. Eine natürliche Kalkfarbe ist atmungsaktiv. Sie reguliert den Feuchtigkeitsaustausch und bringt eine angenehme Frische in Ihre Räume. Durch ihren hohen PH-Wert wirkt sie antiseptisch: Sie verhindert Keim- und Schimmelbildung. Keine Atembeschwerden mehr, keine Kopfschmerzen, keine Lungenprobleme. Kalkfarbe ist das ideale Anstrichmittel für alle Haushalte, in denen Kinder, Allergiker und Menschen wohnen, die Wert auf eine gesunde Lebensführung legen.

Kalkfarbe können Sie auch einfach selber herstellen: 

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