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Autsch! Warum Zahnschmerzen bei Süßem, Kaltem und Heißem so häufig sind
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Autsch! Warum Zahnschmerzen bei Süßem, Kaltem und Heißem so häufig sind

Treten Zahnschmerzen bei Süßem, Saurem und Salzigem oder bei kalten und heißen Getränken auf, kann das verschiedene Ursachen haben. Nicht immer muss eine Karies hinter dem Zahnweh stecken. Zahnschmerzen durch Süßigkeiten: Das sollten Sie wissen.

Zahnschmelz, Zahnzement und Dentin: Schutzschild der Zähne

Bei einem gesunden Zahn ist die aus dem Zahnfleisch schauende Zahnkrone durch den Zahnschmelz geschützt. Der Zahnschmelz ist härter als Knochen und die härteste Substanz im Körper. Wichtige Bestandteile sind Phosphat und Kalzium. Abgebauter Zahnschmelz ist für immer verloren. Die Zahnwurzel hingegen liegt im Zahnfleisch verborgen und ragt in den Kieferknochen hinein. Das Zahnfleisch ist ein wichtiger Schutz für die Zahnwurzel. Des Weiteren ist die Zahnwurzel von schützendem Zahnzement umgeben.

Unter dem Zahnzement liegt das Zahnbein (Dentin). Dentin stellt den größten Teil der Zahnsubstanz dar und besteht ebenfalls vor allem aus Phosphat und Kalzium. Dentin ist ebenfalls härter als Knochen, aber dennoch weicher als der Zahnschmelz. Dentin kann sich regenerieren. Unter dem Dentin liegt das Zahnmark (Pulpa, Zahnnerv). Ist die Zahnkrone beschädigt oder liegt das Dentin frei, können äußere Reize leichter zur Pulpa weitergeleitet werden. Der Zahn reagiert empfindlich. Es kommt zu Zahnschmerzen bei Süßem. Auch auf Hitze und Kälte reagiert der Zahn mit einem unangenehmen Ziehen.

Zahnschmerzen bei Süßem: Ohne Zahnschmelz und Dentin schmerzt der Zahn

Schmerzt der Zahn, wenn Sie Süßes, Saures oder Salziges essen oder heiße und kalte Getränke trinken, ist die Ursache entweder in der Zahnkrone oder in der Zahnwurzel zu finden. Ist der Zahnschmelz abgerieben oder gar von einer Karies durchlöchert, werden äußere Reize, in dem Fall die Reize von Zucker- und Salzkristallen sowie Säuren ohne Schutzbarriere in das Innere des Zahns weitergeleitet. Das gleiche gilt für Temperaturreize. Der Zahn schmerzt.

Hat sich das Zahnfleisch zurückgezogen, etwa aufgrund einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) oder in Folge eines kieferchirurgischen Eingriffs, liegt ein Teil des Zahnhalses frei. Ist das Zahnzement durchlässig, treffen äußere Reize auf das Dentin, wo sie durch die kleinen Dentinkanälchen direkt in das Zahninnere zur Pulpa weitergeleitet werden. Auch dann treten Zahnschmerzen bei Süßem, Salzigem und Saurem sowie heißen und kalten Getränken auf.

Schrubben beim Zähneputzen verstärkt Zahnschmerz bei Süßem

Wer beim Zähneputzen zu stark schrubbt, eine zu harte Zahnbürste verwendet oder eine Zahnpasta mit aggressiven Putzkörpern einsetzt, erhöht das Risiko, dass Zahnschmerzen bei Süßem auftreten. Durch starkes Schrubben wird Zahnschmelz abgerieben (Abrasion) und die schützende Schicht wird mit der Zeit immer dünner. Je dünner der Zahnschmelz ist, desto leichter können Reize weitergeleitet werden. Auch eine Karies hat es bei dünnem Zahnschmelz leichter, sich in den Zahn zu fressen.

Bei freiliegenden, empfindlichen Zahnhälsen ist Schrubben mit der Zahnbürste ebenfalls kritisch. Meist schmerzen die Zähne bereits beim Putzen, da der Druck der Zahnborsten in das Innere des Zahns weitergeleitet wird. Ist das schützende Wurzelzement abgetragen und liegt das Dentin frei, nimmt der Zahnschmerz bei Süßem und anderen Reizen zu. Schmerzempfindliche Zähne werden mit dem medizinischen Begriff Dentinhypersensibilität beschrieben.

Zahnschmerzen bei Süßem und anderen Reizen: welcher Arzt?

Treten beim Genuss von Süßem wie Schokolade und Keksen oder bei salzigem Gebäck und saurem Obst Zahnschmerzen auf oder haben Sie Zahnschmerzen beim Genuss von kalten und heißen Getränken, sollten Sie immer einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser untersucht, ob eine Karies schuld an den Zahnschmerzen ist oder ob die Ursache im zurückgebildeten Zahnfleisch und freiliegenden Zahnhälsen liegt. Wichtig: Je früher Sie mit Zahnbeschwerden einen Zahnarzt aufsuchen, desto besser stehen die Chancen, dass größere Zahnschäden vermieden werden.

Schokolade macht Zahnschmerzen – was macht der Zahnarzt?

Bei freiliegenden Zahnhälsen: Schmerzt der Zahn bei Süßem und sind freiliegende Zahnhälse die Ursache, hat der Zahnarzt die Möglichkeit, einen fluoridhaltigen Lack oder ein entsprechendes Gel auf die Zahnsubstanz aufzutragen, um die Reizweiterleitung zu reduzieren. Auch Lasertherapie ist ein mögliches Verfahren bei schmerzempfindlichen Zähnen, um die Dentinkanälchen zu versiegeln. Auch mit speziellem Kunststoff können die Dentinkanälchen verschlossen werden. Ein alternatives, aber aufwändigeres Verfahren liegt auf parodontalchirurgischer Seite: Das Zahnfleisch kann mittels eines Eingriffs wieder über die freiliegenden Zahnhälse gelegt werden. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, welche Behandlungsmöglichkeiten er in Ihrem Fall empfiehlt.

Bei Karies: Ist eine Karies der Auslöser der Zahnschmerzen bei Süßem, muss der Zahnarzt den beschädigten Zahn reparieren. Hinweis auf Karies geben dumpf pochende oder stechend schmerzende Zahnschmerzen, die dauerhaft bestehen oder in einzelnen Attacken, etwa beim Kauen, auftreten.

Bei Zahnfleischentzündung: Suchen Sie auch einen Zahnarzt auf, wenn Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen oder Essen immer wieder blutet oder Sie gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch bei sich feststellen. In einem frühen Stadium lässt sich eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) gut behandeln. Ist die Entzündung auf den Zahnhalteapparat übergegangen (Parodontitis), bedarf es regelmäßiger Kontrollen und Zahnfleischbehandlungen beim Zahnarzt. 

Bei abgenutzten Zahnflächen: Sind abgenutzte Kauflächen, also ein abgetragener Zahnschmelz, die Ursache der Zahnschmerzen bei Süßem, wird der Zahnarzt die richtige Putztechnik zeigen und Empfehlungen zur richtigen Zahnbürste und Zahnpasta aussprechen, sodass der Zahnschmelz nicht so stark strapaziert wird. Außerdem wird er schauen, ob möglicherweise Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus) den Zahnschmelz strapazieren. Dann kann eine Aufbissschiene helfen. Diese wird nachts getragen und nimmt den Druck von den Kauflächen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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