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Expertenrat: Welche Lebensmittel sind schlecht für die Galle und welche gut?

Gallensteine gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Gallensystems. Etwa jeder Fünfte trägt sie in seiner Gallenblase. Bei etwa 30 Prozent kommt es zu Beschwerden. Wer schmerzhaften Gallenkoliken vorbeugen möchte, sollte sein Gallenstein-Risiko senken. Was jeder für ein gesundes Gallensystem tun kann und welche Lebensmittel schlecht für die Galle sind, weiß Professor Dr. Frank Lammert, Direktor der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums des Saarlandes und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Gelbe Seiten: Herr Professor Lammert, welche Lebensmittel sind schlecht für die Galle?

Prof. Dr. Lammert: Zu kalorienreiche und kohlenhydratreiche Lebensmittel sind schlecht für die Galle. Zuviel Zucker und Fett beeinflusst die Zusammensetzung der Galle negativ. Sind die Hauptbestandteile der Galle – Wasser, Gallensäuren, Lecithin, Cholesterin und Bilirubin – nicht im Gleichgewicht, kann die Galle auskristallisieren. Es bildet sich Gallengries. Klumpen die kleinen Kristalle zusammen, entstehen Gallensteine. 

Gelbe Seiten: Mehr als 90 Prozent der Gallensteine sind Cholesterinsteine. Hilft es für die Vorbeugung, weniger Cholesterin aufzunehmen?

Prof. Dr. Lammert: Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Das Cholesterin, das Sie beispielsweise über tierische Produkte aufnehmen, gelangt nicht direkt in die Gallenflüssigkeit. Vegetarier haben nicht weniger Gallensteine als Menschen, die Fleisch essen. Es ist das körpereigene Cholesterin, das die Leber bildet, welches in der Galle zu finden ist. Und die Bildung dieses lebereigenen Cholesterins wird vor allem durch eine hochkalorische und kohlenhydratreiche Ernährung angeregt. Daher gilt auch Übergewicht als bedeutender Risikofaktor für die Bildung von Gallensteinen. Auch deshalb, weil Übergewicht mit einer Verfettung der Leber einhergeht.

Gelbe Seiten: Zu wenig Fett in der Nahrung tut der Galle aber auch nicht gut…

Prof. Dr. Lammert: Genau. Das Gallensystem braucht ein gesundes Mittelmaß, um gut funktionieren zu können. Geringe Mengen Fett sind wichtig, um die Gallenblase zu aktivieren. Nehmen wir eine Mahlzeit zu uns, stößt die Gallenblase die gespeicherte Blasengalle aus. Regelmäßige Kontraktionen sind wichtig, um den „Gallenschlick“ loszuwerden. Dieser entsteht, wenn die Galle eine zu lange Verweildauer in der Gallenblase hat. Daher sollten Sie die Gallenblase vor allem morgens aktivieren.

Gelbe Seiten: Mit welchen Lebensmitteln kann man die Gallenblase am besten aktivieren?

Prof. Dr. Lammert: Achten Sie darauf, dass Ihr Frühstück Eiweiß enthält, etwas Fett und Ballaststoffe. Müsli mit Joghurt oder ein Vollkornbrötchen mit Kräuterquark sind gut geeignet. Und wenn Sie dann noch eine Tasse Kaffee dazu trinken – am besten Filterkaffee – haben Sie Ihre Gallenblase bereits gut gepflegt. Studien deuten darauf hin, dass sich die im Kaffee enthaltenen Substanzen positiv auf das Gallensystem auswirken. Drei bis vier Tassen am Tag sind ein guter Richtwert – sofern Sie Kaffee vertragen.

Gelbe Seiten: Übergewicht ist schlecht für die Galle – zu rasches Abnehmen aber auch. Warum?

Prof. Dr. Lammert: Beim Abnehmen gilt die Faustregel, dass man nicht mehr als 1,5 Kilogramm pro Woche verlieren sollte. Durch einen zu raschen Gewichtsverlust wird die Gallensteinbildung gefördert. Das liegt daran, dass zu schnelles Abnehmen die Zusammensetzung der Galle verändert und sich dadurch verstärkt Gallengries bildet. Auch lange Fastenperioden sind nicht gut. Die Galle verweilt dann zu lange in der Gallenblase. Am besten ist es, mindestens dreimal am Tag etwas zu essen, um die Kontraktion der Gallenblase anzuregen.

Gelbe Seiten: Stimmt es, dass Zitronen-Wasser oder der Essig im Salat Gallensteinen vorbeugen kann?

Prof. Dr. Lammert: Die Vorstellung, dass über die Nahrung aufgenommene Säure die Kristalle auflöst, klingt verlockend. Doch das funktioniert leider nicht. Die Säure gelangt nicht in die Gallenblase. Sie wird im Zuge des Verdauungsvorgangs im Dünndarm neutralisiert – wie die Magensäure auch. Allerdings gilt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für die Gallenproduktion als positiv. Die Leber produziert um die 600 Milliliter Galle pro Tag – und diese besteht zum größten Teil aus Wasser. Da ist eine gute Flüssigkeitsversorgung wichtig.

Gelbe Seiten: Wie wirksam sind Artischocke und Bitterstoffe für das Gallensystem?

Prof. Dr. Lammert: Artischocken und Bitterstoffe schaden dem Gallensystem sicher nicht. Allerdings fehlen Daten, die eine Wirksamkeit für eine vermehrte Gallenproduktion oder die Gallensteinvorbeugung klar belegen. Von Vorteil sind auf jeden Fall die in bitterem Gemüse und Salat enthaltenen Ballaststoffe. Ballaststoffe helfen, dass Risiko für Gallensteine zu senken.

Gelbe Seiten: Wie wichtig ist Bewegung für die Galle?

Prof. Dr. Lammert: Bewegung hat viele Vorteile für das Gallensystem. Zum einen beugt regelmäßige Bewegung Übergewicht vor und baut Stress ab. Zum anderen ist körperliche Aktivität als solche gut für ein gesundes Gallensystem. Die Empfehlung lautet: Seien Sie mindestens 30 Minuten pro Tag in Bewegung. Und: Verzichten Sie auf Zigaretten und trinken Sie Alkohol nur in Maßen.

Gelbe Seiten: Wie sicher lassen sich Gallensteine mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung vorbeugen?

Prof. Dr. Lammert: Sie können mit einer ausgewogenen Ernährung und Bewegung Ihr Gallenstein-Risiko deutlich senken. Einen 100-prozentigen Schutz können Sie allerdings nicht erreichen, da bei der Gallensteinbildung einige nicht beeinflussbare Faktoren hineinspielen, darunter Alter, weibliches Geschlecht und genetische Faktoren.

Gelbe Seiten: Herr Professor Lammert, vielen Dank für das Gespräch.

Leber, Fett und Alkohol
Wie Fette und Alkohol auf die Leber wirken, können Sie im Faltblatt „Leber und Fett“ sowie im Faltblatt „Leber und Alkohol“ der Deutschen Leberstiftung e.V. nachlesen.  
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Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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Herr Prof. Dr. Frank Lammert ist Direktor der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums des Saarlandes und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).
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