Ein chronischer Vitamin-B1-Mangel kann zur Wernicke-Enzephalopathie führen, einer schweren Hirnerkrankung. Gedächtnisprobleme, Desorientierung und Koordinationsstörungen sind typische Symptome. Oft sind starke Alkoholiker betroffen.
Vitamin-B1-Mangelkrankheiten •

Wernicke-Enzephalopathie: Symptome und Verlauf

Ein chronischer Vitamin-B1-Mangel kann zur Wernicke-Enzephalopathie führen, einer schweren Hirnerkrankung. Gedächtnisprobleme, Desorientierung und Koordinationsstörungen sind typische Symptome. Oft sind starke Alkoholiker betroffen.

Vitamin B1-Mangel löst Wernicke-Enzephalopathie aus

Die nach dem Arzt Carl Wernicke benannte Wernicke-Enzephalopathie ist eine schwere Erkrankung des Gehirns. Sie gilt als neurologischer Notfall, da sie die Nervenzellen des Gehirns schwer schädigt und diese später absterben. Bleibt die Wernicke-Enzephalopathie unbehandelt, kann sie schwerwiegende Folgen haben und in vielen Fällen tödlich enden.

Hervorgerufen wird die Gehirnerkrankung durch einen dauerhaften Vitamin-B1-Mangel (Hypovitaminose). Besonders häufig erkranken daran starke Alkoholiker, die sich unzureichend ernähren, und fast nur noch alkoholische Getränke zu sich nehmen. Oft ist auch die B1-Aufnahmefähigkeit über den Dünndarm beeinträchtigt.

Stichwort: Hypovitaminose

Mit dem Fachbegriff Hypovitaminose wird eine Krankheit oder Schädigung bezeichnet, die durch einen starken Vitaminmangel ausgelöst wird. In Ländern mit guten Ernährungsbedingungen sind Hypovitaminosen mittlerweile selten. In Mitteleuropa treten Vitamin-Mangelkrankheiten meist nur noch auf, wenn eine Essstörung vorliegt oder andere Krankheiten die Vitamin-Aufnahme hemmen.

Auch Nicht-Alkoholiker können von einer Wernicke-Enzephalopathie betroffen sein. Mögliche, insgesamt aber eher seltene, Ursachen sind:

  • Essstörungen
  • Mangelernährung
  • Häufiges Erbrechen über einen längeren Zeitraum hinweg, zum Beispiel bei einer Chemotherapie oder extremer Schwangerschaftsübelkeit
  • Operationen des Verdauungstraktes
  • Chronische Gastritis
  • Morbus Crohn
  • Tumore / bösartige Veränderungen im Magen-Darm-Trakt
  • AIDS
  • Langandauernde künstliche Ernährung über Infusionen

Symptome der Wernicke-Enzephalopathie

Die Erkrankung wirkt sich auf das Nervensystem aus. Entsprechend vielfältig und teilweise schwer zu deuten sind die Symptome.

Mögliche Anzeichen einer Wernicke-Enzephalopathie:

  • Unruhe
  • Reflexstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Desorientiertheit
  • Gedächtnisschwund
  • Sprechstörungen
  • Schluckstörungen
  • Bewusstseinsstörungen / Halluzinationen
  • Händezittern (Tremor)

Unverzügliche Therapie mit hochdosiertem Thiamin

Ein Bluttest, bei dem der Vitamin-B1-Spiegel untersucht wird, Messungen der Hirnströme (EEG) und Hirnscans mittels Magnetresonanztomographie können Aufschluss darüber geben, ob eine Wernicke-Enzephalopathie vorliegt. Ist sie diagnostiziert, erhält der Patient unverzüglich hochdosiertes Thiamin, in der Regel intravenös. Alkoholiker sind zur Abstinenz angehalten. Meist wird bereits bei dem Verdacht auf die Hirnerkrankung Vitamin B1 zugeführt.

Wird die Wernicke-Enzephalopathie in einem frühen Stadium erkannt, ist es möglich, dass sich die Symptome teilweise oder vollständig zurückbilden. Wird sie spät entdeckt, kann die Krankheit schwerwiegende und dauerhafte Folgen haben. Vor allem psychische und motorische Einschränkungen sind häufig.

Bei Verdacht auf eine Wernicke-Enzephalopathie kann ein Hirnscan Aufschluss geben.

Bei Verdacht auf eine Wernicke-Enzephalopathie kann ein Hirnscan Aufschluss geben.

Wernicke-Enzephalopathie: Verlauf bei Nicht-Behandlung oft tödlich

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, fallen die Patienten meist wenige Wochen nach Auftreten der ersten Symptome ins Koma. Auch Herz-Kreislauferkrankungen oder Infekte werden durch die Wernicke-Enzephalopathie begünstigt und enden dann häufig tödlich.

Oft geht die Enzephalopathie zudem in das unheilbare Korsakow-Syndrom über, das deshalb bisweilen auch als Wernicke-Korsakow-Syndrom bezeichnet wird.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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